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An einem Sprungturm auf dem Hoherodskopf ist ein Mädchen verunglückt und später im Krankenhaus verstorben.

Sprungturm-Prozess

Urteil nach Unfalltod am Sprungturm Hoherodskopf: Freispruch für die Betreiber

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Im Prozess um den tödlichen Sturz einer Zwölfjährigen von einem Sprungturm auf dem Hoherodskopf sind die Betreiber der Anlage freigesprochen worden.

Ausschlaggebend war am Ende die Frage: Wäre die zwölfjährige Sina am 31. August 2015 bei ihrem missglückten Sprung vom Free Fall Tower auch gestorben, wenn sie nicht – wie es der Gutachter vermutete, was aber nicht definitiv geklärt werden konnte – mit dem Kopf auf einem Felsbrocken aufgeschlagen wäre? Die Antwort darauf lieferte ebenfalls der medizinische Sachverständige. Er hielt es für recht wahrscheinlich, dass ein Sturz aus acht Metern Höhe auf den harten Boden auch ohne Aufprall auf einen Stein tödliche Verletzungen verursachen könnte. Juristisch sei damit der Vorwurf der fahrlässigen Tötung nicht zu halten, befand die Zweite Große Strafkammer des Gießener Landgerichts. Denn Sina wäre mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch gestorben, hätten keine Felsbrocken in der Nähe des Sprungkissens gelegen. So hatte es zuvor auch Staatsanwalt Rouven Spieler gesehen, der ebenfalls einen Freispruch für die Betreiber des Sprungturms und des Kletterparks auf dem Hoherodskopf gefordert hatte.

Holtzmann machte deutlich, dass die beiden 42 und 44 Jahre alten Männer dennoch eine Verantwortung tragen. Sie seien unbedacht und nachlässig bei der Planung und Umsetzung des Sprungturms gewesen, der in den Sommerferien 2015 ein Höhepunkt unter den Freizeitvergnügen auf dem Hoherodskopf sein sollte. Sie hätten sich zu sehr auf Dritte verlassen und zu wenig mit den Risiken beschäftigt. Die Konstruktion des Turms entsprach nicht den Vorgaben und die Anlage wurde zwischen Felsbrocken aufgestellt. "An dieser Stelle hätte der Turm nicht errichtet werden dürfen", machte Holtzmann deutlich. Es sei "völlig unverständlich, wie so etwas passieren kann, aber es ist symptomatisch dafür, wie Sie an die Sache herangegangen sind".

Prozess nach Unfalltod am Sprungturm Hoherodskopf von zwei Faktoren erschwert

Der Aufbau des Turms, die Tatsache, dass der Gerüstbauer eigenmächtig und entgegen der Anleitung die Absprungplattformen verkürzt hat, die Frage, ob es eine Genehmigung für den Aufbau gebraucht hätte – all das hielten weder Staatsanwaltschaft noch das Gericht am Ende ausschlaggebend für den Unfallhergang.

Der Prozess war von zwei Faktoren erschwert worden: Zum einen seien während der Ermittlungen Schwierigkeiten aufgetreten, unter anderem seien Beweise nur unzureichend gesichert worden. Zum anderen sahen alle Beteiligten ein rechtliches Problem: Für diese Art von Anlagen gibt es keine verbindlichen Vorschriften, was Sicherheitsaspekte angeht. Auch nach Abschluss des Verfahrens ist noch immer unklar, um welche Art von Bau es sich bei dem aus Gerüstteilen zusammengeschraubten Sprungturm eigentlich handelte – um einen fliegenden Bau, ein Sprungturm oder ein Gerüst. Von den Zeugen wurden die unterschiedlichsten Meinungen vertreten.

Wenn ein Mensch gestorben ist, sind alle Geldleistungen, alles, was wir machen können, ungeeignet, das Leid auszugleichen

Richter Jost Holtzmann

Was den Angeklagten vorlag, war eine Einschätzung des TÜV Süd, die aber aus Sicht des Gutachters vom TÜV Thüringen nicht ausreichend war. "Man landet ständig bei dem Befund, dass das alles furchtbar ungeregelt ist", sagte Holtzmann. Der Gutachter warf ein, dass so etwas bei Funsport-Anlagen häufiger vorkomme. "Wir können es den Angeklagten nicht zum Vorwurf machen, wenn sie sich an die Vorgaben des TÜV halten", erklärte Staatsanwalt Spieler. Er hoffe aber, dass dieser Fall und die Aufmerksamkeit, die er auf sich gezogen hat, das Bewusstsein für Gefahren auf solchen Anlagen erhöhe und damit auch eine bessere Regulierung angestoßen werde.

Sprungturm-Prozess: Nebenklage forderte, Angeklagte schuldig zu sprechen

Die Verteidiger Frank Richtberg und Henner Maaß hatten ebenfalls einen Freispruch für ihre Mandanten gefordert. Ihre Argumentation zielte darauf, dass man gerade im Funsport-Bereich nicht alle Risiken ausschließen könne. Die Angeklagten hätten sich sehr wohl Gedanken um die Sicherheit gemacht, einen Stein im Ausgangsbereich sogar abgepolstert, damit sich niemand verletzt. "Wir können das Ding so bauen, wie wir wollen, es bleibt immer ein Risiko", sagte Richtberg. Die Nebenklage hatte gefordert, die Angeklagten schuldig zu sprechen, ohne ein konkretes Strafmaß zu nennen.

"Wenn ein Mensch gestorben ist, sind alle Geldleistungen, alles, was wir machen können, ungeeignet, das Leid auszugleichen", sagte der Vorsitzende Richter. Sina wollte am 31. August 2015 nach zwei Übungssprüngen von der unteren der beiden Sprungplattformen von der Plattform in neun Metern Höhe springen, hielt sich jedoch in letztem Augenblick mit einer Hand am Geländer fest. Dadurch wurde sie zur Seite geschleudert, fiel hinunter, prallte zunächst auf der Umrandung des Sprungkissens und dann auf dem Boden auf. Sie wurde unter anderem mit schweren Kopfverletzungen mit dem Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht. Sina wachte jedoch nicht mehr auf und starb einen Monat nach dem Unfall. In einem bereits abgeschlossenen Zivilprozess haben die Betreiber des Sprungturms ein Schmerzensgeld an die Familie gezahlt.

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