Urteil im Messerstecherprozess: Haftstrafe für Taxifahrer

Wegen gefährlicher Körperverletzung hat das Limburger Landgericht am Dienstag einen 32-jährigen Taxifahrer aus Gießen zu vier Jahren Haft verurteilt.

Limburg/Gießen (dfl). Wegen gefährlicher Körperverletzung hat das Limburger Landgericht am Dienstag einen 32-jährigen Taxifahrer aus Gießen zu vier Jahren Haft verurteilt. Der Angeklagte türkischer Herkunft hatte am Morgen des 19. Dezember 2007 einen 19-jährigen Fahrgast von dem Gießener Dance-Club "Agostea" nach Wetzlar-Münchholzhausen chauffiert. Nach wiederholten Streitigkeiten über den Fahrpreis zerrte der Fahrer den alkoholisierten Gast aus seinem Taxi und versetzte ihm zwei Messerstiche in den Bauch. Der 19-Jährige konnte durch eine Notoperation gerettet werden. Der in der Anklage erhobene Vorwurf des versuchten Totschlags ließ sich nach der Beweisaufnahme nicht aufrechterhalten.

Der 32-Jährige sei nach den beiden Stichen vom Tötungsversuch zurückgetreten und habe den Tatort verlassen. Es habe auch keine Notwehr vorgelegen, wie es der Angeklagte Glauben machten wolle, stellten die Richter fest. Der Staatsanwalt hatte viereinhalb Jahre Haft, der Verteidiger Freispruch gefordert.

Der Taxifahrer war an dem besagten Morgen von seiner Zentrale gegen 4 Uhr zu der Diskothek beordert worden. Zwei junge Leute wollten nach Dutenhofen gefahren werden. Der 19-Jährige hatte das mitbekommen und gefragt, ob er mitfahren könne, er wohne nur zwei Kilometer weiter in Münchholzhausen. Die beiden aus Dutenhofen zahlten 9 bis 12 Euro, angeblich hatte der Taxifahrer von dem Wetzlarer weitere 15 Euro verlangt. Darüber entbrannte ein Streit. Der 19-Jährige sah nicht ein, dass er für die restlichen zwei Kilometer so viel drauflegen sollte und fühlte sich abgezockt. Der Taxifahrer hielt nach 500 Metern an, forderte den schimpfenden Gast zum Aussteigen auf, zog ihn schließlich aus dem Wagen. Sie einigten sich auf 8 Euro und fuhren weiter nach Dutenhofen, wo die beiden anderen ausstiegen. Der 19-Jährige soll den Fahrer mehrfach beschimpft und beleidigt haben, auch in russischer Sprache.

Offenbar wurde dem Taxifahrer das zu bunt. 400 Meter vor dem Ziel am Müncholzhäuser Kirchplatz hielt er an einer Bushaltestelle an, nahm sein Messer aus der Ablage, ging um den "VW Caddy" zur Schiebetür, zog den Fahrgast ein zweites Mal heraus. Es kam zu einer Auseinandersetzung, die mit den zwei lebensbedrohenden Messerstichen in Darm und Niere des Fahrgastes endete. Der Verletzte erreichte nach 400 Metern zu Fuß die elterliche Wohnung, holte den Wohnungsschlüssel aus dem Keller. Seine Mutter brachte ihn ins Krankenhaus.

Der Angeklagte legte in seiner Version dar, dass ihn der Fahrgast überfallen habe. Von hinten habe dieser ihn im Auto mit dem Arm gewürgt, worauf er ihn aus dem Wagen zog. Er habe sich wehren müssen und sich den Angreifer mit dem Messer vom Leib halten wollen. Niemand war dabei, doch kam das Gericht aufgrund mehrerer Indizien nicht zur Erkenntnis einer Notwehrlage. Wäre der Taxifahrer überfallen und verletzt worden, wäre er mit Sicherheit zur Polizei gefahren, sagten Staatsanwalt und Gericht. Er habe seiner Zentrale und Kollegen lediglich erzählt, dass er mit einem Fahrgast "Stress gehabt" habe.

Mit Messerstichen dürfe ein Taxifahrer nicht auf die Beleidigungen eines alkoholisierten Fahrgastes (der 19-Jährige hatte 1,8 Promille) reagieren, zumal er dies nach eigenem Bekunden gewohnt sei, sagte die Vorsitzende Richterin Karin Walter und fügte hinzu: "Der Angeklagte hatte ihn übervorteilt und wollte ihn los werden."

Dem Opfer steht im Januar eine weitere Operation bevor. Der junge Mann wurde in seiner Ausbildung ein Jahr zurückgeworfen und hat eine 30 Zentimeter lange Narbe davongetragen.

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