Unverhohlene Tierquälerei

Trais-Münzenberg (mlu). Katzenkot im Blumenbeet, das ist nicht schön. Aber muss man gleich zu Stacheldraht, Gift und Luftgewehr greifen? In Trais scheinen einige solche Methoden zu bevorzugen. Andere wollen die Verstöße gegen das Tierschutzrecht nicht hinnehmen. Gibt es doch zivilisiertere Möglichkeiten, das Problem zu lösen.

Vanessa P. hat kein Problem damit, jedem ihre Meinung ins Gesicht zu sagen, der sie hören will. Doch in der Zeitung will sie ihren Namen nicht lesen, sei das einst intakte nachbarschaftliche Verhältnis doch ohnedies schon zerrüttet. Im Übrigen gehe es ihr nicht um persönliche Anfeindungen, sondern darum, "ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Tiere nicht gefühllose Dinge", sondern empfindsame Lebewesen sind. Nicht umsonst erfülle Tierquälerei einen strafwürdigen Tatbestand. Dass Leute in Trais-Münzenberg ihre Beete mit Stacheldraht einhegen, offenbar Gift streuen und gar mit dem Luftgewehr auf Katzen schießen, will sie nicht länger hinnehmen.

In vielen Ländern gehören herrenlose Haustiere zum Alltagsbild. In Deutschland gibt es die Streuner kaum noch. Dafür haben sich Tierschützer jahrzehntelang engagiert. Nach wie vor gibt es aber Katzen, die weitestgehend sich selbst überlassen werden. Der Bauer hält sich den kleinen Räuber nicht zum schmusen, sondern zum Mäusefangen. Dafür kriegen die Tiere den Abfall vom Mittagstisch und dürfen in der Scheune schlafen, wobei sie sich bisweilen auch vermehren.

Die Scheune, von der hier die Rede ist, steht am Traiser Ortsrand. Und als voriges Jahr ein Wurf schwarzer Kätzchen urplötzlich verschwand, kam das P. schon komisch vor.

Dieses Jahr kamen neue Katzenbabys zur Welt. Offenbar wurden sie hier und da gefüttert, sodass sie begannen, immer weitere Kreise zu ziehen. Einigen Anwohnern schien das gar nicht zu gefallen. Was Vanessa P. mitunter zu Ohren kam, ließ die Frau aufhorchen. Von Gift soll da unter anderem gesprochen worden sein. Doch bis dahin habe sie die Äußerungen als Gerede betrachtet.

Als ein Nachbar in seinem Garten Stacheldraht gespannt habe, habe sie sich um ein Gespräch bemüht: "Man kann Pfeffer in die Beete streuen, man kann die Katzen auch mit dem Gartenschlauch bespritzen, das mögen die überhaupt nicht, deswegen bleiben sie dann auch weg. Es gibt keinen Grund, die Tiere zu verletzen", begründet P. gegenüber dieser Zeitung ihre Entscheidung, an die Öffentlichkeit zu gehen.

Den Nachbarn hätten ihre Ratschläge nämlich nicht interessiert. Ein eigens zur Abschreckung von Katzen hergestelltes Pulver, das sie ihm gegeben habe, habe er trotzig auf ihrem Grundstück verteilt, anstatt es in sein eigenes Beet zu streuen. Offenbar ziehe es der Mann vor, das Luftgewehr anzulegen. Mehrfach habe sie ihn im Garten mit der Waffe hantieren gesehen. Bisweilen liege das Schießgerät griffbereit auf der Wassertonne. Einmal habe sie ihn durch das geöffnete Fenster auch schießen gehört, worauf eine Katze erbärmlich aufgejault habe. Tatsächlich traf P. später auf eine Katze, die einen frischen Streifschuss aufwies. Ein anderes Tier, das sie torkelnd angetroffen habe, habe sie zum Tierarzt gebracht. Offenbar sei es vergiftet worden. Handfeste Beweise hat P. für ihre Aussagen nicht. Zwar seien auch dieses Jahr wieder Katzen verschwunden, tote Tiere habe sie aber nicht gefunden.

Polizei verständigt

Ehe P. die Presse einschaltete, holte sie sich Hilfe bei Tierschützern, um eine Lösung herbeizuführen, anstatt den bereits gestörten örtlichen Frieden weiter zu gefährden. Wie der Bad Nauheimer Tierschutzverein auf WZ-Anfrage mitteilt, haben ehrenamtliche Mitarbeiter des Katzenhauses in der Usinger Straße mehrere Katzen in Trais gefangen und aus Mitteln der Bad Nauheimer Tierschutzstiftung kastrieren lassen, um sie dann wieder in ihrem gewohnten Umfeld auszusetzen. Denn wirklich herrenlos sind die Tiere ja nicht. Den Eigentümer möchte P. aus der Sache heraushalten, nachdem die Tiere kastriert worden sind. Da eine Kastration um die 100 Euro koste, könne sie verstehen, dass der Landwirt andere Sorgen habe.

Inzwischen hat P. auch die Polizei eingeschaltet, die Vorfälle gemeldet, ohne jedoch bislang Anzeige zu erstatten. Sie hofft, dass sich die Tierquäler eines Besseren besinnen.

Wer sich aus Rohheit an Tieren vergeht, muss bei Anzeige bzw. Verurteilung mit empfindlichen Strafen rechnen (Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes). Für die Misshandlung einer Katze (Wirbeltier) sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vor. Gleiches gilt für das Töten einer Katze ohne vernünftigen Grund. Die versuchte oder fahrlässige Misshandlung einer Katze stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, die ein Bußgeldverfahren nach sich ziehen kann. Wird der Täter überführt, kann ihn sein Vergehen bis zu 25 000 Euro kosten.

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