Unterstützung beim Testen

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Ärzte aus dem Ausland, die in Deutschland noch nicht praktizieren dürfen, sind wichtiger Teil eines hessischen Pilotprojektes: Ausgebildetes ärztliches Personal unterstützt Alten- und Pflegeheime bei der Durchführung von Corona-Tests.

Vorsichtig führt Ayse Irem Zöhre für einen Corona-Schnelltest einen Wattestab in die Nase von Atilla Vurgun, Leiter der Brmi-Akademie für Heilberufe in Frankfurt, ein, während ihr die Ärztin Gabriele Schneider-Ruffert über die Schulter schaut. Zöhre ist Fachärztin für Kinderheilkunde und kommt aus der Türkei. Sie und fünf weitere junge Ärzte aus dem Ausland wollen, auch wenn sie in Deutschland noch nicht praktizieren dürfen, ehrenamtlich Pflege- und Altersheime bei den für die Sicherheit der Bewohner so wichtigen Corona-Tests unterstützen. Ihr Einsatz geschieht im Rahmen eines Pilotprojektes in Hessen.

»Wir sind Ärzte. Wir wollen anderen Menschen gerade jetzt in der Corona-Krise helfen. Das ist unser Gottesdienst«, sagt Talgat Jakupov, Facharzt für Gefäßchirurgie aus Kasachstan. Er und Zöhre besuchen an der Brmi-Akademie einen Anerkennungslehrgang, um in Deutschland als Arzt arbeiten zu können. Für die Schulungstests tragen er und seine Kollegin aus der Türkei die für Tester vorgeschriebene Schutzkleidung: einen Plastikkittel, Handschuhe, Maske, Brille und ein Visier. »Schutzausrüstungen wie diese anzulegen, ist für Herrn Jakupov als Chirurg wie Zähneputzen«, sagt Gabriele Schneider-Ruffert und lacht.

Die Allgemeinmedizinerin, die in ihrer Ginnheimer Praxis regelmäßig Corona-Tests macht, hat die sechs Mediziner geschult, wie sie die Nasen-Rachen-Abstriche, für die es einiges an Feingefühl und auch Übung bedarf, vornehmen müssen. In den kommenden Wochen werden sie, in Koordination mit den jeweiligen Gesundheitsämtern, zunächst in Pflege- und Altenheimen im Hochtaunus, später aber auch andernorts, beispielsweise in Frankfurt, Tests vornehmen und Mitarbeiter der Einrichtungen darin schulen, wie sie sich und Besucher schnell und sicher testen können.

Der Einsatz der ausländischen Ärzte, der vom Hessischen Sozial- und Integrationsministerium unterstützt wird, ist das Ergebnis eines glücklichen Zusammentreffens. Claudia Müller-Eising, Geschäftsführerin des Neuroneums in Bad Homburg, einem Therapiezentrum für Menschen mit Hirn- oder Rückenmarkschädigungen, hielt auf Einladung des Lions Club Frankfurt Cosmopolitan einen Online-Vortrag und erzählte, wie dringend Heime Hilfe benötigen. Brmi-Akademie-Leiter Vurgun, selbst Lions-Mitglied, hörte zu. Gemeinsam entwickelten sie die Idee für das Hilfsprojekt. Schneider-Ruffert, ebenfalls Lions-Mitglied, kam als Ausbilderin hinzu. »So was geht bei uns im Club ganz schnell«, sagt Vurgun.

Neuroneum-Geschäftsführerin Müller-Eising kennt die Situation in den Pflege- und Altersheimen. Viele der Patienten, die in dem Rehabilitationszentrum auf dem Gelände der Hochtaunus-Kliniken therapiert werden, leben in solchen Einrichtungen oder werden von ambulanten Pflegediensten betreut. Darüber hinaus haben Müller-Eising, ihre Mitarbeiter und andere Freiwillige, die sie mobilisieren konnte, im Dezember zwei Wochen lang frühmorgens vor ihrem eigenen Arbeitsbeginn in Heimen im Hochtaunuskreis ehrenamtlich beim Testen geholfen. Zwei Voraussetzungen hält Claudia Müller-Eising für unabdingbar, um die Heimbewohner vor Corona zu schützen und ihnen Kontakt zu Angehörigen zu ermöglichen: Die Heime müssten bei der Anschaffung des Testmaterials darauf achten, dass dieses leicht in der Handhabung sei und dass Testverfahren für Mitarbeiter und Besucher so organisiert werden, dass sie schnell gemacht werden können, sodass kaum Zeit für die Betreuung verloren gehe.

Wie das geht, das lässt sich im Neuroneum, das viele Hochrisikopatienten hat, beobachten. Das Testen ist dort streng geregelt und inzwischen so automatisiert, dass es nur wenige Minuten dauert. Mitarbeiterinnen testen sich wöchentlich gegenseitig. Auch Patienten werden Schnelltests angeboten. Zudem werden sie vor Behandlungsterminen angerufen und auf Symptome befragt, die auf eine Covid-Erkrankung hindeuten könnten.

Claudia Müller-Eising hofft, dass viele Pflege- und Altenheime in der Region die Hilfe der ausländischen Ärzte annehmen werden, um ihre Testverfahren zu optimieren und ihren Bewohnern so den Kontakt zu Angehörigen zu ermöglichen.

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