Besucherbergwerk Fortuna

Unter Dampf und unter Tage

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Jetzt raucht der Schornstein wieder kräftig. Die jahreszeitlich bedingte Pause ist vorbei, und das Besucherbergwerk Grube Fortuna in Solms-Oberbiel öffnet für die neue Saison wieder seine Pforten.

Das heißt auch für die Dampf- und Dieselloks: Winterpause beendet, es geht wieder auf die Strecke. Denn zu den Attraktionen des Feld- und Grubenmuseums zählen selbstverständlich auch die Loks, die vor ihrer "Verrentung" dafür sorgten, dass das zutage geförderte Erz abtransportiert wurde.

Am Ostermontag findet der erste Dampffahrtag für dieses Jahr statt – mit einem Feuerroß vom Typ Preller aus der Lokomotivenschmiede der Firma Henschel in Kassel. Die Lok wurde 1936 gebaut und an die Philipp Holzmann AG in Frankfurt/Main ausgeliefert, die sie bis 1967 in ihrem Kieswerk Gehspitz bei Neu-Isenburg einsetzte. 1968 erwarb der Textilmaschinenhersteller Karl Meyer aus Obertshausen bei Hanau die für die Verschrottung vorgesehene Lokomotive und ließ sie auf einer eigens erbauten Strecke im Werksgelände bei Betriebsfeiern fahren. Nach einem kleineren Schaden stand die Maschine dann 16 Jahre ungenutzt im Freien, bevor der Förderverein Fortuna sie 1986 als Dauerleihgabe übernehmen konnte. 1997 schenkte der Eigentümer sie dem Museum. Sie ist derzeit die einzige noch betriebsfähige Lok dieser Baureihe.

Ebenfalls wieder im Einsatz ist die blaue V10C, eine schmalspurige Diesellokomotive für Werk- und Anschlussbahnen. Das Modell wurde von 1959 bis 1975 in einer Serie von 496 Exemplaren im VEB Lokomotivbau Karl Marx Babelsberg gebaut. Außer diesen beiden Schienenfahrzeugen werden weitere Arbeitsmaschinen vorgestellt, und die Besucher können eine einzigartige Sammlung von Feld- und Grubenbahnen mit 57 Lokomotiven und rund 100 Wagen besichtigen.

Doch das ist nicht das einzig Sehenswerte, denn auch das Besucherbergwerk hat wieder seine Tore geöffnet. Mit einer Erkundung unter Tage kann man den Besuch abrunden.

Hintergrund: Über Jahrhunderte und sogar schon in der Keltenzeit war die Region an Lahn und Dill durch den Eisenerzbergbau und die weiterverarbeitenden Industrien geprägt. Diese Ära ging erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu Ende. Mit dem Förderbetrieb in der Grube Fortuna war 1983 Schluss. Noch im selben Jahr gründete sich der Förderverein, der das Ziel hat das Areal als Besucherbergwerk und Museum zu erhalten.

Wer den Abstieg oder besser die Abfahrt in die Tiefe nicht scheut, kann sich hier einen Eindruck verschaffen, wie in früheren Zeiten das wertvolle Eisenerz zutage gefördert wurde, dass Grundstoff für so viele Dinge des alltäglichen Lebens auch heute noch ist.

Die Gäste erreichen zu Fuß durch den Stollen den Schacht. Von dort bringt sie der Förderkorb zur Sohle in 150 Metern Tiefe. Anschließend geht es mit der Grubenbahn in den Abbaubereich, wo erfahrene Bergwerksführer die Originalmaschinen vorführen und Arbeitsabläufe sowie Besonderheiten des Gebirges erklären. Maschinenlärm, aber auch geheimnisvolle Stille vermitteln einen Eindruck von der faszinierenden Welt der Bergleute untertage. Eine Vertiefung der gewonnenen Eindrücke bietet ein Film mit historischen Aufnahmen in der Kipphalle, die Besichtigung der Fördermaschine oder der bergbaukundliche Lehrpfad. Für Schulklassen gibt es spezielle museumspädagogische Angebote.

Weitere interessante Sonderveranstaltungen sind am 23. Juni der Schmelz- und Schmiedetag mit der Sonderausstellung "Eisenverhüttung im Wetzlarer Raum", am 8. September der Tag des offenen Denkmals und am 15. September der Tag des Geotops 2019: Wo kommt das Eisen her?

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