Universitäten wollen mehr Geld

Wiesbaden (dpa/lhe). Neun Monate vor der Landtagswahl haben die hessischen Universitäten einen Kurswechsel in der Hochschulpolitik gefordert. Angesichts des Studentenansturms müsse die nächste Regierung ungeachtet ihrer Zusammensetzung mit mehr Geld die Grundfinanzierung sichern, forderten die Hochschulpräsidenten.

"Die Situation ist kritisch", sagte der Vorsitzende der Konferenz Hessischer Universitätspräsidien (KHU), Prof. Rolf-Dieter Postlep (Kassel).

Die öffentlichen Zuschüsse pro Student in Hessen sind nach KHU-Angaben innerhalb der vergangenen drei Jahre um mehr als 1000 Euro gesunken. 2009 seien es 9542 Euro gewesen, 2012 aber nur 8347 Euro. Allein in den vergangenen fünf Jahren stieg die Zahl der Studierenden an den einzelnen Hochschulen um bis zu 40 Prozent. Das Land müsse daher die Grundfinanzierung pro Student um 200 Euro pro Jahr aufstocken, forderten die Uni-Präsidenten. Zur KHU gehören Kassel, Frankfurt, die TU Darmstadt sowie die Universitäten Gießen und Marburg.

Wegen der mangelhaften Grundfinanzierung verschlechterte sich in Frankfurt der Betreuungsschlüssel seit 2007 von 50 auf 75 Studierende pro Professur, berichtete der Präsident der Frankfurter Goethe-Universität, Prof. Werner Müller-Esterl.

Die Unis ärgert es besonders, dass das Land im "Hochschulpakt" die jährlichen Tariferhöhungen an den Hochschulen beim wissenschaftlichen Personal nur zum Teil und beim Verwaltungspersonal gar nicht übernimmt. Die Konsequenz sei, dass die Unis Personal abbauen müssten.

Einfach zu warten, bis die Situation sich an den Hochschulen von allein entspannt, hält Postlep für eine schlechte Strategie. Auch im kommenden Jahrzehnt sei in Hessen mit etwa 40 000 Studienanfängern zu rechnen. Jüngste Angaben von Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU), die Regierung habe mit 1,44 Milliarden Euro für die Hochschulen so viel ausgegeben wie nie zuvor, bestritt Postlep gar nicht. "Um die Qualität von Studium und Lehre zu sichern, reicht das nicht aus", sagte er.

Volle Unterstützung erhielten die Unis von der Landtagsopposition. Dramatisch unterfinanziert seien die Hochschulen, stellte die SPD fest. In Hessen sei der Betreuungsschlüssel schlechter als in anderen Ländern, kritisierten die Grünen. Die Linke warf der Regierung "Schönrederei" vor. Auch die Studierendenvertreter sind sich mit den Uni-Präsidenten in der Forderung nach mehr Geld für die Lehre einig, wie Daniel Katzenmaier, Mitglied der Landes-ASten-Konferenz, der dpa sagte.

Die CDU dagegen erklärte, auch in finanziell schwierigen Zeiten stehe das Land zu den Hochschulen. Diese erhielten für neue Studenten im laufenden Jahr zusätzlich 49 Millionen Euro aus dem Bund-Länder-Hochschulpakt.

Hessen ist sehr attraktiv als Studienort: In kaum einem anderen Bundesland nehmen so viele Abiturienten ein Studium auf, außerdem kommen aus anderen Bundesländern viele Studierwillige. Für den Präsidenten der TU Darmstadt, Prof. Hans-Jürgen Prömel, ist dies aber kein Nachteil, sondern ein Vorteil. Viele der Studenten blieben dann später als hoch qualifizierte Arbeitskräfte in der Region hängen.

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