Auch an der Justus-Liebig-Universität in Gießen sollen im kommenden Semester wieder Studenten unterwegs sein. So viele wie vor der Pandemie werden es allerdings nicht sein, denn wie auch in anderen Hochschulen soll ein Teil der Veranstaltungen weiterhin online stattfinden. FOTO: ARCHIV
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Auch an der Justus-Liebig-Universität in Gießen sollen im kommenden Semester wieder Studenten unterwegs sein. So viele wie vor der Pandemie werden es allerdings nicht sein, denn wie auch in anderen Hochschulen soll ein Teil der Veranstaltungen weiterhin online stattfinden. FOTO: ARCHIV

Unis setzen auf "Hybridsemester"

  • vonDPA
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Hessens Unis planen in der fortdauernden Pandemie eine Vorlesungszeit sowohl mit Online-Formaten als auch mit Kursen vor Ort. Gerade die Erstsemester sollen Campusluft schnuppern können.

Die hessischen Universitäten starten in das zweite Corona-Semester und setzen dabei auf eine Mischung aus Online-Lehre und Veranstaltungen vor Ort. Insbesondere für die Erstsemester-Studenten soll es Präsenzangebote geben, um ihnen den Start ins Studium zu erleichtern, wie eine Umfrage unter den fünf hessischen Universitäten ergab.

"Hybridsemester" - so nennen die Hochschulen die kommenden sechs Monate, in denen es neben klassischen Kursen mit Anwesenheit auch Veranstaltungen per Videostream gibt oder Online-Lernplattformen zum Einsatz kommen. Das Semester hat am 1. Oktober begonnen, die Vorlesungszeit soll nicht wie sonst Mitte des Monats starten, sondern Anfang November.

Hessens größte Uni in Frankfurtwill stark auf digitale Formate setzen. "Zugleich erfolgt - vor allem für Erstsemester - ein vorsichtiger Wiedereinstieg in den Präsenzbetrieb, natürlich unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln", teilte ein Sprecher mit. Viele Grundlagen-Vorlesungen etwa würden online, die dazugehörigen Tutorien wegen ihrer kleineren Teilnehmerzahl vor Ort angeboten. Vor allem auch für Studenten vor dem Abschluss soll es Präsenzkurse geben. "Im Unterschied zu Schulen gibt es an Universitäten keine abgrenzbaren Lerngruppen von 20 oder 30 Studierenden", erklärte der Sprecher. "Daher gilt es, besonnen zu agieren, sonst könnten Universitäten schnell zu Hotspots für die Ausbreitung des Coronavirus werden."

Die Uni Gießenblickt nach eigenen Angaben mit "gemischten Gefühlen" auf das Semester. Natürlich freue man sich auf den Beginn der Vorlesungszeit. Andererseits zeigten die Infektionszahlen, "dass unser vorsichtiger Umgang mit der Pandemie richtig war und ist", teilte eine Sprecherin mit. Das hessische Wissenschaftsministerium habe aber zurecht darauf hingewiesen, dass Hochschulen "Orte der Begegnung und des gemeinsamen Lernens" seien. Nach einem "maximal digitalen Sommersemester" plane man daher einen verantwortungsvollen Mix aus Präsenz- und Digitallehre.

Die Uni Kasselwill ein "umfangreiches digitales Grundangebot", das alle und zum Beispiel auch Risikogruppen von zu Hause aus nutzen können, durch Präsenzveranstaltungen ergänzen. Dadurch soll auch das Gespräch mit Dozenten und Kommilitonen ermöglicht werden. Das reduzierte Platzangebot und die Corona-Abstandsregelungen beschränkten allerdings die Möglichkeiten für Vor-Ort-Angebote, erklärte eine Sprecherin. "Priorität haben Veranstaltungen für Studienanfänger und Studierende in der Abschlussphase."

Die Uni Marburgwill gerade mit Blick auf die Erstsemester "auf möglichst viel Präsenz" setzen, berichtete eine Sprecherin. Angesichts der Entwicklung der Pandemie müsse gleichwohl vieles digital stattfinden. Für die Dozenten bedeute das Mehrarbeit: Diese hätten zwar mehr Zeit für ihre Planungen gehabt als im zurückliegenden Sommersemester. "Aber Distanzlernen erfordert andere didaktische Formate als Präsenzlehre. Der Aufwand für Lehrende wird daher auch im Wintersemester sehr hoch sein." Spezielle Uni-Einrichtungen böten Unterstützung an.

Auch die Technische Universität Darmstadt(TU) plant ein sogenanntes Hybridsemester. Es werde zahlreiche Präsenzanteile enthalten, die "im Rahmen der Möglichkeiten" ausgebaut werden sollen. Klassische Formate wie Vorlesungen mit zahlreichen Teilnehmern sollen rein digital angeboten werden. "Lehrformen, die typischerweise nur in Anwesenheit sinnvoll durchführbar sind wie Praktika in Laboren und Werkstätten, sportpraktische Übungen oder Exkursionen, werden in Präsenz stattfinden." Die Veranstaltungen richteten sich nach dem Hygienekonzept. Für alle Beteiligten und die Infrastruktur sei das eine "enorme logistische Herausforderung", so eine Sprecherin.

Die Corona-Pandemie hatte die Hochschulen im Frühjahr in der vorlesungsfreien Zeit getroffen. Rasch mussten für das dann startende Sommersemester digitale Lehrformen eingeführt werden, wo sie noch nicht vorhanden waren. Die Unis können nun von den Erfahrungen profitieren.

Man sei deutlich besser gerüstet als zu Beginn der Pandemie, sagte der Sprecher der Uni Frankfurt. "Die IT-Infrastruktur wurde ausgebaut, Prozesse und Workflows wurden etabliert und klare rechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen." Man könne zwar auf den Erfahrungen aufbauen, so die Uni Kassel. Dennoch bleibe es eine große Aufgabe, der sich die Dozenten, Hochschulleitung und die Beschäftigten "mit viel Engagement" stellten. Wichtig sei nun, die didaktischen Konzepte weiter auszubauen und die Technik zu optimieren, heißt es von der TU Darmstadt.

Viele Studenten wünschen sich Kurse, die sie vor Ort besuchen können - das haben Befragungen der Unis ergeben. Auf die Frage, was den Studierenden an der Online-Lehre fehlt, wurde im Sommer besonders oft die Interaktion mit den Dozenten sowie der Austausch mit Kommilitonen genannt, wie die Sprecherin der Justus-Liebig-Universität Gießen berichtete. "Dies dürfte sich in einem Hybridsemester, in dem es zumindest teilweise mehr Präsenz geben soll, ein wenig entspannen."

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