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Uniklinik Marburg: Kündigungswelle hat Folgen – Personalsorgen wegen Überlastung

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Von: Alexander Gottschalk

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Das Uniklinikum Marburg schränkt die Regeln für Besucher angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen ein.
Das Uniklinikum in Marburg hat Personalsorgen – nicht nur, weil auf einer Station fast alle Pflegekräfte gekündigt haben. © Uwe Zucchi/dpa/Archiv

An der Uniklinik in Marburg ist die Situation angespannt, nachdem auf einer Station fast alle Pflegekräfte gekündigt haben. „Weckruf verstanden“, heißt es aus der Chefetage.

Marburg – Die Personalsorgen am Uniklinikum in Marburg haben ein größeres Ausmaß als zunächst angenommen. Das geht aus mehreren Berichten der Oberhessischen Presse (OP) hervor. Jüngst hatten in dem Krankenhaus auf der chirurgischen Station 235 insgesamt 15 von 16 Pflegekräften gleichzeitig gekündigt. Der Betriebsrat sagte der ortsansässigen Zeitung nun, dass weitere Abwanderungen zu befürchten seien, sollte die erste Kündigungswelle als „Signal“ gesehen werden. Demnach war der Hauptgrund für die Kündigungen die massive Überlastung – von der nicht nur die genannte Station betroffen sein soll.

Die Zahl der monatlichen Überlastungsanzeigen, die das Personal am Marburger Uniklinikum zuletzt stellte, habe sich in manchen Monaten „nahezu verdreifacht“, teilte der Betriebsrat in der OP mit. Dazu komme eine mutmaßlich hohe Dunkelziffer. Auf der Station 235 sollen Mitarbeiter „stellenweise so fertig“ gewesen sein, dass sie „weinend zum Dienst kamen – oder zu Hause völlig erschöpft nichts mehr tun konnten“, so die Schilderung. Dem Hessischen Rundfunk (HR) berichteten weitere Pflegekräfte von Personalmangel, Stress und dem Drang, einfach hinzuschmeißen.

Uniklinikum Marburg: Chefetage will „Weckruf“ verstanden haben

Die Chefetage des Marburger Uniklinikums räumte mit Blick auf die Station 235 Fehler ein. Obwohl Überlastungsanzeigen vorlagen und die Situation bekannt war, seien Gespräche zu spät aufgenommen worden. „Konstruktive Lösungsansätze“, die Ende Juli mit der Pflegedirektion abgestimmt worden seien, wären nicht umgesetzt worden, so die offiziellen Aussagen gegenüber der Marburger Zeitung. Dadurch sei es zu einem „Riss“ in der Beziehung zur Belegschaft gekommen. Diese wandert nach Informationen des HR fast geschlossen ans Evangelische Krankenhaus nach Gießen ab.

„Wir haben den Weckruf verstanden“, sagte Vorstandschef Dr. Gunther K. Weiß der OP. Die Kündigung „eines so erfahrenen Teams“ stelle einen „Einschnitt dar, der uns auffordert, genauer hinzusehen und vor allem hinzuhören“, ergänzte die Klinikspitze in einem internen Schreiben. Als erste konkrete Maßnahme soll eine zweite Pflegedirektionsstelle am Marburger Uniklinik-Standort auf den Lahnbergen entstehen. Zukünftig will man dem Zeitungsbericht zufolge alles dafür tun, neue Pflegekräfte zu gewinnen, allerdings ohne auf Abwerbungen zu setzen.

Uniklinikum Marburg: Corona nur einer von vielen Gründen für Personalsorgen

Den Mangel an Pflegekräften bekommen Krankenhäuser bundesweit zu spüren. Außer ums eigene Wohl sorgen sich die Pflegekräfte – auch in Marburg – um die Patienten, die unter der knappen Personaldecke zu leiden haben. Corona befeuert die Krisenlage seit März 2020 zusätzlich. Die Pandemie dürfe aber auch nicht die „Entschuldigung für alles sein“, sagte Frank Eggers, Betriebsratschef am Marburger Krankenhaus, der OP. Sollten tatsächlich weitere Kündigungen folgen, fürchtet er eine „Abwärtsspirale“ aus einer immer höheren Belastung und dadurch mehr Abgängen.

Parallel zu den aktuellen Entwicklungen wird die Kritik am Medizinkonzern Asklepios wieder lauter. Dieser übernahm 2020 die Rhön-Klinikum AG und damit die Universitätskliniken in Gießen und Marburg (zusammen UKGM abgekürzt). Die Furcht vor Sparmaßnahmen befeuert die Unsicherheit in der Belegschaft. Auch, dass die Stelle des Ärztlichen Geschäftsführers in Marburg noch offen ist, sorgt für Unruhe. Neue Recherchen der Marburger Journalisten dürften es an der Uniklinik weiter rumoren lassen: Nach OP-Informationen gab es auf einer weiteren chirurgischen Station mehrere Kündigungen. (ag)

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