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Unfallrisiko steigt mit den Temperaturen

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Gießen/Linden (pm). Für begeisterte Sonnenanbeter ist die derzeit hoch am Himmel stehende Sonne ein Grund, jede freie Minute im Freien zu verbringen; für viele Bauarbeiter bedeutet das Arbeiten während der heißen Jahreszeit jedoch eine extrem hohe körperliche Belastung.

Gießen/Linden (pm). Für begeisterte Sonnenanbeter ist die derzeit hoch am Himmel stehende Sonne ein Grund, jede freie Minute im Freien zu verbringen; für viele Bauarbeiter bedeutet das Arbeiten während der heißen Jahreszeit jedoch eine extrem hohe körperliche Belastung: »Von sinkender Leistungsfähigkeit, Müdigkeit und Konzentrationsschwäche kann es dann sogar im schlimmsten Fall zu lebensbedrohlichen Folgen wie einem Kreislaufkollaps und einem Hitzeschlag kommen«, schildert der Arbeitsschutzexperte des Gießener Regierungspräsidiums (RP) Jörg Heller.Wenn zu der Belastung durch die Hitze dann auch noch - wie jüngst bei einer größeren Abbruchbaustelle in einem Lindener Ortsteil - tägliche Arbeitszeiten von 12,5 Stunden angeordnet werden, ist die Grenze des Zumutbaren weit überschritten. »Wissenschaftliche Studien belegen ein deutlich höheres Unfallrisiko, wenn hohe Temperaturen zusammen mit überlangen Arbeitszeiten auftreten«, weiß der Diplom-Ingenieur und ergänzt, dass das Arbeitszeitgesetz für die tägliche Höchstarbeitszeit eine Grenze von zehn Stunden setzt. Kurzfristige Vorgaben für Fertigstellungstermine durch den Auftraggeber können dabei nicht als Begründung für Überschreitungen herangezogen werden.

Ein Verstoß wie auf der Lindener Baustelle - bei dem ein Bauarbeiter nach über elf Stunden Arbeit einen Unfall mit schweren Verletzungen erlitt - stellt bereits eine Ordnungswidrigkeit dar.Bei der anschließenden Unfalluntersuchung fiel dem RP-Mitarbeiter ein weiteres auf derselben Baustelle tätiges Abbruchunternehmen negativ auf - auch hier gab es fortwährende Arbeitszeitüberschreitungen, denen Heller per kostenpflichtiger mündlicher Anordnung ein schnelles Ende setzte. In beiden Fällen wurde umgehend ein Bußgeldverfahren eingeleitet. »Wenn es zu einem Bußgeldbescheid kommt, kann ein finanzieller Spielraum von bis zu 15 000 Euro ausgeschöpft werden«, erklärt der Arbeitsschutzexperte. Ein weiteres Bußgeldverfahren wurde zudem gegen erstere Firma eingeleitet, weil diese es zudem versäumt hatte, ihren Mitarbeitern - die krebsverdächtige Glaswolledämm-Matten ausgebaut hatten - die vorgeschriebenen arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen anzubieten.

Für die Arbeiten auf Sommerbaustellen hat der RP-Experte einige Tipps, die dazu beitragen können, die Belastungen für die Bauarbeiter zu reduzieren: »Wichtig ist es, ausreichend und leicht gekühlte Flüssigkeit zu sich zu nehmen, am besten Mineralwasser oder Tee«, rät Heller und betont, dass Alkohol strikt zu vermeiden ist. Ebenso sollten auch die Mahlzeiten aus leichter Kost - wie Obst und Gemüse - bestehen. Für die Kleidung empfiehlt der Arbeitsschützer leichte, saugfähige, helle und atmungsaktive Materialen. Nicht bedeckte Körperteile sollten unbedingt mit einem geeigneten Sonnenschutzmittel mit ausreichend hohem Lichtschutzfaktor eingecremt werden - das im Übrigen vom Arbeitgeber zu stellen ist. »Besonders effektiv ist aber auch die entsprechende Anpassung der Arbeitszeit, beispielsweise durch frühen Arbeitsbeginn in den kühlen Morgenstunden und zusätzliche Kurzpausen von etwa zehn Minuten - die auf die Arbeitszeit anzurechnen und damit vom Arbeitgeber zu vergüten sind«, betont der RP-Mitarbeiter.Grundsätzlich sollten sich Beschäftigte, die bei Arbeiten während hoher Temperaturen Beschwerden haben oder an Vorerkrankungen leiden, betriebsärztlich beraten lassen, heißt es aus der Behörde.

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