Die letzten Flüge aus Frankfurt Richtung USA starten am späten Freitagnachmittag. Seit dem heutigen Samstag gilt ein 30-tägiger Stopp für Einreisen aus dem Schengen-Raum. FOTO: DPA
+
Die letzten Flüge aus Frankfurt Richtung USA starten am späten Freitagnachmittag. Seit dem heutigen Samstag gilt ein 30-tägiger Stopp für Einreisen aus dem Schengen-Raum. FOTO: DPA

Umbuchen auf den letzten Drücker

  • vonDPA
    schließen

Ein Flug in die USA - das war für Europäer am Freitag ein Wettlauf gegen die Zeit. Um Mitternacht trat ein 30-tägiges Einreiseverbot in Kraft - aus Sorge vor einer Ausbreitung des Coronavirus. Mancher Reisende musste ganz schnell umplanen.

Noch sind sie in der Minderheit, die Schutzmaskenträger am Frankfurter Flughafen. Auffallender ist die Leere in den Terminalhallen: An den Check-in-Schaltern und vor der Sicherheitskontrolle fehlen die sonst üblichen Schlangen. Auch am Flugsteig Z, wo vor allem Fernflüge nach Asien und in die USA abgefertigt werden, herrscht angesichts der überschaubaren Zahl der Flüge relativ wenig Andrang.

Für diejenigen, die an diesem Freitag in die USA reisen, ist es allerdings vielfach die letzte Möglichkeit, vor dem Einreisestopp für Europäer noch ihren Urlaub anzutreten, Freunde zu besuchen oder zu ihrem Arbeitsplatz zurückzukehren.

Dreifacher Preis

Zu ihnen gehört die 19-jährige Jana, die zu ihrer Au-pair-Familie in der US-Hauptstadt Washington zurückkehrt. Ihre Gastfamilie habe sie spätabends angerufen, erzählt die junge Frau. "Wir haben dann gleich nach Flügen gesucht. Ich wollte heute eigentlich auf eine Beerdigung, deshalb war ich auch nach Deutschland gereist."

Ein späterer Flug am Freitag, der den Besuch der Beerdigung noch möglich gemacht hätte, war nicht zu bekommen - "das Reisebüro hat es den ganzen Tag lang versucht". Schließlich konnte sie auf den Mittagsflug nach Washington gebucht werden - für den dreifachen Preis.

"Meine Gasteltern reisen selber, die brauchen mich ja auch, die Schulen werden wohl geschlossen", sagt die junge Deutsche. Sie versteht die wachsende Panik der Eltern der beiden von ihr betreuten Kinder angesichts der Vorstellung, das Au-pair-Mädchen könnte mindestens einen Monat lang in Deutschland festsitzen. Von Kolleginnen in den USA weiß sie, dass sie einige Urlaubspläne streichen mussten: Eine kann nicht wie geplant zur Hochzeit einer Freundin nach Deutschland reisen aus Sorge, nicht wieder in die USA zurückkehren zu können.

Nicolo Ardenghi wollte eigentlich in der nächsten Woche nach Denver fliegen, um dort einen neuen Job an der University in Boulder anzutreten. Der bisher in Deutschland lebende Italiener wurde von dem Einreiseverbot für Europäer völlig überrascht und fliegt nun über San Francisco nach Colorado. "Ich habe meine Sachen zusammengekramt in letzter Minute, nach langem Warten auf eine Umbuchung wegen dieses absurden Reiseverbots." Er sei wütend, sagt er. "Das ist alles gegen die Europäer gerichtet, gegen die aus dem Schengen-Raum."

Ein Urlauberpaar auf dem Weg nach Orlando musste nur ein Ticket umbuchen. "Das hat mit dem Chat-Bot der Lufthansa über die App toll geklappt", lobt der Mann, der kurz vor der Sicherheitskontrolle noch schnell an seiner Wasserflasche nippt. Telefonisch sei allerdings kein Durchkommen gewesen. Dass die Heimkehr aus dem Urlaub in Florida schwierig werden könnte, glaubt er nicht: "Die Amerikaner wollen ja die Ausländer raus haben." Und dank des mitgenommenen Laptops könne er von überall aus arbeiten - gerne auch aus dem "Sonnenstaat".

Früher Abschied

Ein junger Mann, der seine in die USA reisende Freundin lange zum Abschied umarmt hat, blickt ihr nun traurig nach. "Eigentlich wollte sie bis zum Ende des Monats bleiben. Aber ihre Eltern haben Druck gemacht, dass sie jetzt kommt, solange die Einreise noch möglich ist", sagt er über die in den USA lebende Deutsche.

Jeff Fantozzi schreibt vor dem Aufbruch zur Sicherheitskontrolle noch ein paar eilige Textnachrichten. "Ich habe gestern umgebucht, da war es noch ziemlich entspannt. Aber heute Morgen war alles voll", erzählt der US-Amerikaner aus Seattle, der zwei Wochen in Europa verbracht hat. Er reist in die Region der USA, die derzeit besonders vom Coronavirus betroffen ist. "Ich war die ganze Zeit in Kontakt mit meiner Frau, meiner Familie. Es gibt Einschränkungen, Schulen sind geschlossen, es gibt weniger Verkehr. Aber ich mache mir keine größeren Sorgen." Für den Flug habe er eine Schutzmaske mitgenommen, räumt er ein. Doch in Panik will er nicht verfallen - weder wegen des Flugs noch wegen der Reise ins amerikanische "Epizentrum" der Pandemie.

An einem der Schalter für Last-Minute-Tickets zuckt ein Mitarbeiter bedauernd die Schultern. "Alles voll, da ist heute nichts mehr zu machen", sagt er. "In den letzten Tagen gab es noch viele Kapazitäten, aber dann gab es seit gestern ganz viele Anfragen." Kein Wunder - für die Europäer eilt es an diesem Freitag.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare