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»Ulenspiegel« und »Bitchen« vor Wandel

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Gießen (fd). Das Stadtfest verliert eine Institution: Erstmals seit fünf Jahren wird der »Ulenspiegel« in diesem August keine Bühne im Biergarten am Seltersweg stellen. Insbesondere für junge Leute war sie in der Vergangenheit eine der Anlaufstellen bei der Innenstadt-Party.

Hintergrund ist die persönliche Zukunft von Hans-Jürgen »Felix« Liebert. Der Pächter der städtischen Liegenschaft hat seinen Vertrag, der im kommenden Jahr auslaufen sollte, zwar verlängert, möchte sich aber aus dem operativen Geschäft zurückziehen. »Mit meinen 68 Jahren habe ich mir ein wenig Ruhe verdient«, erklärt Liebert.

Mit der Verlängerung seines Pachtvertrags kann er verhindern, dass der »Ulenspiegel« wieder zum Politikum wird. Denn in den vergangenen Jahren hatte die Stadt – damals noch von CDU, Grünen und FDP regiert – erfolglos versucht, das unter Denkmalschutz stehende Ensemble zu verkaufen. Der 1978 letztmals grundlegend sanierte »Ulenspiegel« sowie die dazugehörigen Häuser waren 2008 für 1,4 und später für 1,1 Millionen Euro angeboten worden.

»Die Forderung war unrealistisch«, erinnert sich Liebert. Tatsächlich war damals kein einziges Angebot bei der Stadt eingegangen. Dietlind Grabe-Bolz (SPD), zum Zeitpunkt der damaligen Diskussionen Oppositionsführerin und heute Oberbürgermeisterin, hatte sich seinerzeit vehement gegen einen Verkauf des Kulturkellers ausgesprochen.

Durch die Verlängerung seines Pachtvertrags kann Hans-Jürgen Liebert nun selbst entscheiden, wer der neue starke Mann im »Ulenspiegel« werden soll. Eine Ausschreibung durch die Stadt mit offenem Ausgang hat er vermieden. Ausgeguckt als Nachfolger hat sich Liebert einen langjährigen Bekannten, der gleichzeitig ein ausgezeichneter Kenner der heimischen Musikszene ist. Er soll Geschäftsführer des »Ulenspiegel« sowie des angrenzenden »Bitchens« werden: »Diese beiden Läden am Seltersweg gibt es nur im Paket«, meint Liebert zu der Kombination. Der ausgeguckte Kandidat bestätigte der Gießener Allgemeinen Zeitung gestern sein Interesse an der neuen Aufgabe.

Klar ist bislang allerdings nur, dass der »Ulenspiegel« in diesem Jahr nicht auf dem Stadtfest vertreten sein wird – ebenso wie die in den vergangenen Jahren von der IG Neuenweg betriebene Bühne bei »Bratfisch«. Gesichert ist immerhin, dass als für junge Leute interessante Bühne jene in der Mühlgasse bestehen bleibt. Das war nach dem Umzug des bisherigen Betreibers Frank Loth vor drei Monaten nicht selbstverständlich. Seine Nachfolger werden Robert Gros und Hannes Stutz von der Kupferschmiede.

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