Die bewirtschaftete Rastanlage Wetterau-Ost an der A 5 nahe Ober-Mörlen bietet aktuell 31 offizielle Lkw-Parkstände. Ob sie erweitert werden kann, wird genauso geprüft, wie eine neue größere Anlage an einem anderen Standort. FOTO: HAU

Trügerische Ruhe?

Als vor acht Jahren für die Tank- und Rastanlage Wetterau-Ost an der A5 ein dreifach größerer Ersatzneubau oberhalb der Ortslage im Gespräch war, gingen Ober-Mörler auf die Barrikaden. In den letzten Jahren hat man hier kaum von Projektfortschritten zur Linderung der Lkw-Stellplatznot gehört. Die Ruhe könnte trügerisch sein, warnt die Bürgerinitiative »Ober-Mörlen sagt Nein zum geplanten Standort der Tank- und Rastanlage Wetterau-Ost«.

Ober-Mörlen steht Kopf, als 2013 durchsickert, dass Hessen Mobil einen »Ersatzneubau« für die Rastanlage Wetterau-Ost ins Auge fasst, um dem Defizit an Lkw-Parkständen an der A 5 zu begegnen. Die Rede war damals von einer 8,5 Hektar großen Anlage mit 165 statt bisher 31 Stellplätzen für Lastkraftwagen. Erste Skizzen zeigten das Areal vis-à-vis des Dorfes am Hang östlich der A 5, also unterhalb des Segelflugplatzes zwischen Nauheimer und Friedberger Straße. Zum Vergleich: Der 20 Kilometer weiter südlich kürzlich eröffnete unbewirtschaftete Rastplatz Schäferborn misst drei Hektar und wird mit einem Flughafen verglichen.

Im September 2017 übernahm die Deutsche Einheit Fernstraßenplanung und -bau GmbH (DEGES) vom bis dahin zuständigen Planungsträger Hessen Mobil ein Paket von 50 Tank- und Rastanlagen in Hessen zum Um- und Ausbau, darunter auch Wetterau-Ost.

Zuletzt im Januar 2020 erfuhr die Bürgermeisterin Kristina Paulenz von der DEGES, dass die vertiefenden Untersuchungen zur Erweiterung der Anlage Wetterau-Ost »aus Kapazitätsgründen« erst im Laufe des Jahres 2020 erfolgen könnten.

Seither habe sie nichts mehr gehört, sagt Paulenz gegenüber dieser Zeitung. Eine Erweiterung der bestehenden Anlage sei aus ihrer Sicht möglich. Die einst von Hessen Mobil favorisierte Verlegung an den Ober-Mörler Ortsrand sei indes faktisch vom Tisch - nicht zuletzt wegen der Lage im Wasserschutzgebiet und der Rückendeckung durch die Untere Naturschutzbehörde. »Eine Verlegung an den Ortsrand würden wir niemals zulassen. Im Fall des Falles würden wir klagen.« Nach dem Ausbau des Rastplatzes Schäferborn könne Paulenz sich einen neuen Standort für weitere Lkw-Stellplätze eher weiter nördlich vorstellen.

Bedarfsprognose abwarten

Die aktuelle Anfrage dieser Zeitung bei der DEGES ergab, dass vertiefende Untersuchungen zum Auffinden eines Alternativstandortes und zur Erweiterung von Wetterau-Ost aus Kapazitätsgründen erst Ende 2021 erwartet werden. Sie sollen demnächst beauftragt werden.

Die »gefühlte Ruhe« ist bei genauerer Betrachtung im Wesentlichen damit zu begründen, dass die bisherigen Überlegungen auf einer Bedarfsprognose für 2025 beruhten, die wiederum auf Erhebungen aus den Jahren 2008 bzw. 2013 basierten. Planungen machten keinen Sinn mit dem Wissen, dass die Zahlen veraltet seien. Brandneu sind die Zahlen, die der aktuellen Betrachtung zugrunde gelegt werden müssen: Im November 2020 übergab Hessen Mobil die Lkw-Stellplatzprognose 2030 an die DEGES. Wie der Abgleich bisheriger Überlegungen mit den Daten ausgehen wird, kann derzeit niemand sagen. Man müsse erst alles analysieren, bevor man loslege, erklärt die DEGES.

Auch die zu betrachtenden Streckenabschnitte ändern sich laut DEGES mit der neuen Prognose. Der bisher für Wetterau-Ost relevante Abschnitt reicht jetzt vom Nordwest-Kreuz Frankfurt bis zum Gambacher Kreuz und wurde noch mal in zwei unterteilt, sodass die Anlage nun im 33-Kilometer-Abschnitt Bad Homburger Kreuz - Gambacher Kreuz liegt.

Auch Planungen an anderer Stelle könnten sich auf den Bedarf an Lkw-Stellplätzen auf der Rastanlange auswirken. Neben der Erweiterung vom Schäferborn ist laut DEGES für die Kleinstraststätte Limes-Ost eine Erweiterung geplant.

Obschon die DEGES weiterhin für die von Hessen Mobil übernommenen Rastanlagen-planung und deren Bau zuständig ist, ist erschwerend hinzugekommen, dass mit Jahresbeginn die Verantwortung für sämtliche Autobahnen von den Ländern auf die Infrastrukturgesellschaft Autobahn GmbH des Bundes überging.

Verzögernd wirken mag laut Einschätzung der Ober-Mörler BI auch eine von Hessen Mobil im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums (BMVI) beauftragte Machbarkeitsstudie zum zehnstreifigen Ausbau der A 5 zwischen Friedberg und dem Frankfurter Kreuz. Sie soll im ersten Halbjahr 2021 abgeschlossen werden. Ein erhöhtes Verkehrsaufkommen würde den Bedarf an Lkw-Stellplätzen erhöhen und laut BI womöglich auch den Druck, das nördlich von Friedberg entstehende Nadelöhr auf acht Fahrstreifen zu erweitern. Die Standortsuche wird überdies beeinflusst vom Fünf-Punkte-Programm des BMVI für besseres Lkw-Parken. Das beinhaltet neben dem Neubau von Parkplätzen auf Rastanlagen den Einsatz telematischer Parkverfahren, Parkleitsysteme, optimierte Nutzung vorhandenen Parkraums und die Prüfung neuer Parkraummodelle in Autobahnnähe.

Obergrenze aufgehoben

Die Aufhebung der vorgegebenen Obergrenze von 50 Lkw-Parkständen für unbewirtschaftete Anlagen dürfte ebenso eine Rolle spielen wie die Einführung von Fördergeldern für private Investoren. Die entsprechende Richtlinie ist beim BMVI in Arbeit.

»Hier erinnere ich an unsere Anfänge 2013, als es in Butzbach Bestrebungen gab, einen Autohof zu errichten. Mit der im September 2020 vom Land freigegebenen Planung für die Ortsumfahrung B3a und deren Anschluss an die Autobahn könnten diese Überlegungen wieder Fahrt aufnehmen«, sagt Andreas Seifert von der BI. »Wir werden wachsam bleiben.«

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