Landwirte sind an Wetterkapriolen gewöhnt. Doch auch sie sehen mit Sorge, dass sich extreme Witterungsereignisse in den vergangenen Jahren häufen. Insbesondere die Trockenheit der vergangenen beiden Jahre macht den Bauern zu schaffen. FOTO: DPA
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Landwirte sind an Wetterkapriolen gewöhnt. Doch auch sie sehen mit Sorge, dass sich extreme Witterungsereignisse in den vergangenen Jahren häufen. Insbesondere die Trockenheit der vergangenen beiden Jahre macht den Bauern zu schaffen. FOTO: DPA

"Trockenheit ist größtes Problem"

  • Rüdiger Geis
    vonRüdiger Geis
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Hitze, Trockenheit, Starkregen und Orkane: Der Klimawandel lässt die stark von der Witterung abhängige Landwirtschaft nicht ungeschoren. Die Bauern werden sich auf die Häufung von Wetterextremen einrichten müssen. Vor allem Dürreperioden - trotz des jüngsten Regens - machen ihnen zu schaffen. Doch bieten die veränderten Bedingungen auch Chancen.

Franz-Josef Strauß, langjähriger Ministerpräsident Bayerns und politisches Urgestein, wollte lieber tropische Ananas im polarnahen Alaska züchten als Bundeskanzler in Bonn werden. Immerhin züchtet man mittlerweile in Island mithilfe der reichlich vorhandenen Erdwärme Bananen. Keine Folge also des Klimawandels. Mit dem müssen allerdings hierzulande die Bauern immer mehr rechnen. Und da gilt beispielsweise bei den Anbausorten das alte Sprichwort nicht: "Was der Bauer nicht kennt…"

"Grundsätzlich ist es so, dass die Bauern gewohnt sind, mit Wetterkapriolen umzugehen", sagt Bernd Weber, Pressesprecher des Hessischen Bauernverbandes. Was die Landwirte aber feststellen würden, seien längere Phasen, in denen es viel zu trocken, zu nass oder zu heiß ist. "Diese Extreme bereiten schon Sorgen."

Besonders den Pflanzen auf Äckern und Wiesen machten sie zu schaffen. Es gebe vermehrt milde Winter, eine ausgeprägte Frühsommertrockenheit, und es sei auch über den Sommer hinweg vielfach zu trocken. "Das Hauptproblem: Die langen Trockenperioden, haben deutlich zugenommen", stellt Weber fest.

Welche Auswirkungen hat das auf die landwirtschaftlichen Abläufe im Jahr? Die Vegetationsperiode sei in der Regel länger, erklärt Weber. Das bedeute, dass man mit der Aussaat von zum Beispiel Sommergetreide oder Zuckerrüben früher beginnen kann. "Das ist durchaus vorteilhaft." Denn das Getreide hat mehr Zeit, sich bis zur Reife zu entwickeln.

Der Erntezeitpunkt hänge allerdings letztendlich vom Verlauf des Sommers ab, und diese Zeiten hätten sich nicht so sehr verändert. Aber: "Eine frühere Aussaat führt immer dazu, dass man das Ertragspotenzial der Pflanze besser ausschöpfen kann. Das ist ein eindeutiger Vorteil."

Problematischer sei dies allerdings im Obstanbau, wenn nach einem milden Jahresbeginn die frühe Obstblüte von Spätfrösten überraschend getroffen werde.

Veränderte klimatische Bedingungen sorgen auch für ein Nachdenken über andere Fruchtfolgen. Allerdings müsse sich der Landwirt auch immer daran orientieren, was er mit der Frucht anfange, die er anbaue. Wintergetreide habe den Vorteil, die Winterfeuchtigkeit besser zu nutzen. Sommergetreide stehe nur eine verhältnismäßig kurze Zeit auf dem Feld und bekomme bei großer Trockenheit dann Probleme. Daher sei eine frühe Aussaat wichtig.

Es gebe vielfach eine dreigliedrige Fruchtfolge, zum Beispiel Raps, Winterweizen, Wintergerste. Da sei zu überlegen, "ob man diese Fruchtfolge nicht weiter aufbohrt und noch mehrere Früchte reinnimmt. Anstatt zwei bis drei Kulturen dann vier bis fünf", gibt Weber zu bedenken. Dann habe man mehr Spielräume für den Wechsel zwischen Winter- und Sommerfrüchten, zwischen Früchten, die viel und solchen die weniger Wasser benötigen. Eine weitere Alternative sind Sorten, die mit der Trockenheit besser zurechtkommen und resistenter sind. Da setze man auf die Züchtung. Beispiel: Grannenweizen. Der ist im Mittelmeerraum verbreitet und kommt mit Wassermangel besser zurecht, weil er eine höhere Trockenstresstoleranz hat. Die Gefahr einer Notreife ist deutlich geringer. Eine andere Möglichkeit wäre der Sojaanbau. Da sei man noch in den Anfängen, sagt Weber. Aber auch da seien die Bauern aufgeschlossen.

Ein wichtiger Aspekt, um mit dem Klimawandel besser zurecht zu kommen ist die sogenannte Minimalbodenbearbeitung. "Nicht zu tief in den Boden eingreifen, sondern ihn mehr oberflächlich bearbeiten", erklärt Weber. Das werde in der Regel nach der Getreideernte gemacht.

Früher habe man dabei den Pflug eingesetzt und die Stoppel vollständig gewendet. Heute arbeitet man mit dem Grubber und bearbeitet nur die oberen Zentimeter des Bodens, der mit den Stoppeln und dem gehäckselten Stroh vermischt wird. "Man belässt es bei einer oberflächennahen leichten Bearbeitung, weil dadurch das Wasser, das noch im Boden sein kann, erhalten bleibt."

"Den Boden so schonend wie möglich behandeln", ist auch Clemens Lischkas Philosophie. Der Landwirt bewirtschaftet Hof Güll zwischen Lich und Eberstadt. Dort baut er Zuckerrüben, Raps, Winterweizen und Braugerste an. In diesem Jahr sollen erstmals Sojabohnen dazukommen. Bemerkbar mache sich der Klimawandel schon, im Winter fehlten die Frosttage, die gerade bei seinen sehr tonhaltigen Böden für eine bessere Struktur sorgten - ein Effekt, der nur bedingt durch Trockenheit zu erreichen ist.

Zu viel mechanischer Einsatz sei schlecht für die Wurzelbildung, besonders wenn er zur falschen Zeit komme. Bei Tonböden spreche man auch von Minutenböden, die nur kurzzeitig bearbeitet werden könnten. Daher sei ein schonender Umgang notwendig: "Ein intakter Boden kann vieles ausgleichen, was den Klimawandel betrifft", sagt der 59-Jährige.

Zwar wird auf seinem Hof seit 1975 in bestimmten Situationen auch künstlich bewässert, "aber das überlegen wir uns dreimal, ob wir die Beregnung auspacken". Wenn man zu früh damit anfange beeinflusse das die Wurzelbildung, die ja normalerweise nach unten in den Boden erfolge, um ans Wasser zu kommen, und nicht an dessen Oberfläche.

Und Verbandssprecher Weber ergänzt: Der Boden dürfe nicht verdichtet werden und müsse nach dem Winter vor der Bearbeitung gut abgetrocknet sein. "Landwirtschaft kann man deshalb auch nicht strikt nach dem Kalender betreiben." Die Bodenstruktur sei ein ganz wichtiger Aspekt für das Pflanzenwachstum. Und der Humusgehalt: "Ein Boden, der genügend Humus hat, der ist auch in der Lage, einiges abzupuffern. Humus speichert auch Wasser", unterstreicht Weber.

Künstliche Beregnung sieht er dagegen nur bedingt als Möglichkeit, Hitze und Trockenheit durch den Klimawandel entgegenzuwirken: "Das ist auch ein Kostenfaktor!"

Anders verhält es sich dagegen bei Feldgemüse und manchen Sonderkulturen. Ohne eine gezielte und auf den Bedarf der Pflanze abgestimmte Beregnung sind die gewünschten Erträge und Qualitäten kaum zu erzielen.

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