Während die großen Waldtiere bisher mit der Trockenheit noch ganz gut zurechtkommen, leiden Amphibien wie der Feuersalamander unter der mangelnden Feuchtigkeit und dem Wegfall von Laichgewässern. Ihre Bestände in Hessen sind auch deshalb rückläufig. FOTO: DPA
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Während die großen Waldtiere bisher mit der Trockenheit noch ganz gut zurechtkommen, leiden Amphibien wie der Feuersalamander unter der mangelnden Feuchtigkeit und dem Wegfall von Laichgewässern. Ihre Bestände in Hessen sind auch deshalb rückläufig. FOTO: DPA

Zu trocken für Lurchi und Co.

  • Rüdiger Geis
    vonRüdiger Geis
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Fichten und jüngst auch Buchen mussten unter der Dürre der beiden vergangenen Jahre leiden. Und auch in diesem Frühjahr macht die Trockenheit dem Forst zu schaffen. Doch nicht nur die Bäume sind betroffen, auch die Tiere leiden - vor allem die, die auf viel Feuchtigkeit angewiesen sind.

Auch wenn der Wald im Sommer seinen Bewohnern viel Schutz und Schatten bietet - die vermehrten Phasen ohne Niederschlag vor allem in den vergangenen beiden Jahren - machen auch der Tierwelt Probleme. Vor allem Amphibien leiden unter der Trockenheit. Dagegen sieht es bei den großen Vierbeinern nicht so gravierend aus. "Heimische Säugetiere haben noch keine Probleme, da ausreichend Nahrung und auch Wasser in Bächen und Tümpeln vorhanden ist", berichtet Hessen-Forst-Sprecherin Michelle Sundermann. Nasskaltes Wetter sei für frisch geborene Jungtiere wie Kitze oder Häschen sogar kritischer als trockenes. Dachs und Fuchs würden in Höhlen leben, hätten somit Rückzugsorte.

Wie ist es allgemein um den Bestand bestellt? "Bedingt durch die großen Freiflächen, auf denen sich nach und nach eine Krautschicht einstellt, entstehen umfangreiche Nahrungsbiotope für Pflanzenfresser. Deshalb ist mit steigenden Reh- und Rotwilddichten, gegebenenfalls auch Dam- und Muffelwild, zu rechnen", erklärt Sundermann. Auch Hasen fänden Nahrung und in Kombination mit trocken-warmem Wetter gute Vermehrungsbedingungen.

Die Anzahl der Füchse hänge in erster Linie von der Mäusepopulation ab. Diese unterliege Schwankungen und hänge vom Nahrungsangebot, das gegenwärtig gut ist, ab. "Momentan gibt es viele Mäuse, sodass auch die Füchse mehr Nachkommen ernähren können."

Die Wildschweine würden, bedingt durch Präventionsmaßnahmen hinsichtlich der afrikanischen Schweinepest, stark bejagt. Hingegen würden sich Insekten in der trockenen Witterung prächtig entwickeln - ein zweischneidiges Schwert. Denn einerseits vermehre sich der als Baumschädling gefürchtete Borkenkäfer gut, andererseits bilden Insekten eine wichtige Nahrungsgrundlage für viele Vögel. Auch deren Brut kommt mit der Trockenheit besser zurecht als mit Nässe.

Auf Feuchtigkeit wiederum sind andere Waldbewohner angewiesen. "Der Bestand der Amphibien in Hessen ist rückläufig. Die meisten Arten sind noch flächig verbreitet, jedoch mit weniger Individuen", sagt NABU-Experte Dominik Heinz. Besonders bedroht sind Arten, die Kleingewässer in der Landschaft benötigen, wie Grasfrosch, Springfrosch, Kreuzkröte oder Gelbbauchunke. "Diese Arten sind auf regelmäßige Regenereignisse angewiesen, da die Kaulquappen in den Kleingewässern, die zur Reproduktion genutzt werden, trockenfallen und die Tiere vertrocknen." Der Feuersalamander nutze hauptsächlich kleine Bäche und Quellbereiche zur Reproduktion. Diese seien in den letzten beiden Jahren ebenfalls zum Teil ausgetrocknet. Somit konnten auch die jungen Feuersalamander nicht überleben.

Die Trockenheit hat nach Einschätzung des NABU-Experten dazu geführt, dass in den vergangenen zwei Jahren nur wenige Jungtiere die Gewässer verlassen konnten und sich somit die Altersstruktur in den Populationen verschiebt. "Dies ist zum Glück bei dem meisten Arten derzeit noch nicht kritisch, da die meisten Amphibienarten sehr alt werden können." So könnten Erdkröten bis zu 20 Jahre alt werden. "Wenn sich jedoch die Witterungsverhältnisse in den nächsten Jahren so fortführen, kann das für einige Arten sehr negative Auswirkungen haben", fürchtet Heinz.

Das Problem: Amphibien halten sich nur zur Reproduktionszeit in Gewässern auf. Sie benötigen aber ansonsten nach der Fortpflanzungsphase eine gewisse Feuchtigkeit in ihren Landlebensräumen, da ihre Haut sehr trockenheitsempfindlich ist. Was kann man gegen diese negative Entwicklung tun? Um eine Verbesserung der Bestände zu bewirken, könne jeder auch zu Hause helfen: "So kann man seinen Garten naturnaher gestalten. Bereits ein Laub- oder Asthaufen in einer wilden Ecke bietet einer Vielzahl von Tieren Lebensraum, so auch den Amphibien."

Kleingewässer neu anlegen

Leider seien in den vergangenen 60 Jahren eine Vielzahl von Kleingewässern und Feuchtbereichen verloren gegangen, zum Beispiel durch die Intensivierung der Landwirtschaft und den Flächenverbrauch durch Bebauung. Die Anlage solcher Gewässer und das Ermöglichen von Wagenspuren zum Beispiel auf Waldwegen könne den Amphibien helfen, empfiehlt Heinz.

Im Gegensatz zu den Amphibien hätten Reptilien in den letzten beiden Jahren keine Bestandseinbußen erlitten. Im Gegenteil profitierten sie sogar von der Trockenheit: "Die Verlustrate der Jungtiere ist geringer als in feuchten Jahren. Jedoch leiden die Reptilien auch an der Verschlechterung der Lebensraumbedingungen in unserer Landschaft", sagt Heinz.

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