Ralf Wagner, Besitzer eines Apfelweinlokals in Frankfurt, ist gerüstet: Auf seinem Mundschutztuch steht "Babbel mich ned voll unn wasch dei Händ". Ab morgen dürfen Restaurants, Cafés und Gaststätten in Hessen wieder für Publikum öffnen. FOTO: DPA
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Ralf Wagner, Besitzer eines Apfelweinlokals in Frankfurt, ist gerüstet: Auf seinem Mundschutztuch steht "Babbel mich ned voll unn wasch dei Händ". Ab morgen dürfen Restaurants, Cafés und Gaststätten in Hessen wieder für Publikum öffnen. FOTO: DPA

Trennscheiben und Mindestabstand

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Fünf-Quadratmeter-Regel und Mindestabstand, Datenblätter und Salzstreuerverbot: Morgen dürfen hessische Restaurants und Cafés wieder öffnen. Allerdings gibt es jede Menge Auflagen.

Essen ausliefern oder abholen lassen war seit dem Corona-Lockdown erlaubt geblieben. Essen und Trinken in Restaurants und anderen Gaststätten durften die Menschen aber nicht mehr. Das ist ab dem morgigen Freitag dann wieder möglich, sofern die Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

?Wie sieht der Restaurantbesuch in Zeiten von Corona aus?

Eins scheint sicher: Deutlich anders, als früher. Die Restaurants und Gaststätten dürfen viel weniger Gäste empfangen als vor der Corona-Krise. Als Faustregel in Hessen gilt eine Person pro fünf Quadratmeter. Bei einer Fläche von 100 Quadratmetern können also lediglich 20 Gäste bewirtet werden. Zudem muss ein Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Menschen eingehalten werden, sofern keine geeigneten Trennvorrichtungen vorhanden sind, heißt es beim Wirtschaftsministerium in Wiesbaden. Ausgenommen seien Angehörigen eines Hausstands und gegebenenfalls eines zweiten Hausstands.

?Was sagt die Branche selbst dazu?

"Besonders die Fünf-Quadratmeter-Regel halten wir für nicht glücklich", sagt Julius Wagner vom Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Hessen. Gäste könnten nicht annähernd so bewirtet werden wie normal und Betreiber hätten deutliche Einbußen. "Wir fahren mit angezogener Handbremse im Gastgewerbe." Die Frankfurter Gastronomieinitiative IGF bezeichnet die Regel als "willkürlich und unsinnig". Auch Ralf Wagner vom "Apfelwein Wagner" in Frankfurt sagt: "Der Personalaufwand ist höher als normal bei deutlich geringerem Umsatz." Und: "Dass das nicht lange gut geht, kann man sich denken."

?Welche weiteren Regeln gibt es?

Bedienungen und Küchenpersonal müssen Mundschutz tragen, für Gäste wird dies - außer natürlich beim Essen - empfohlen. Gegenstände zur allgemeinen Verwendung, wie Salzstreuer, Pfeffermühlen oder Besteckgefäße sind nicht zugelassen. Buffets sind untersagt. Und natürlich muss viel desinfiziert werden. Die Hygiene- und Verhaltensregeln müssen ausgehängt werden. Zudem sind Wirte aufgefordert, ein Hygienekonzept zu erstellen, das auf Verlangen dem Gesundheitsamt vorzulegen ist. Eine verbindliche Reservierungspflicht für Besucher gibt es nicht.

?Allerdings müssen die Gäste ihre persönlichen Daten angeben. Warum ist das so?

Ja, alle Gäste sollen mit Name, Anschrift und Telefonnummer unter Beachtung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen erfasst werden. Der Grund dafür ist, dass später mögliche Infektionsketten nachverfolgt werden können, heißt es beim Ministerium. DEHOGA empfiehlt, die Datenblätter vier Wochen aufzubewahren und dann zu vernichten.

?Ob auf dem Weg zur Toilette oder an der Garderobe - es gibt doch immer wieder Engpässe. Wie ist damit umzugehen?

Klar, bestimmte Bereiche können im Gastraum zum "Flaschenhals" werden. "Hier ist je nach Zuschnitt des Betriebs eine kluge Wegeführung gefragt", rät der DEHOGA in einem Info-Blatt für die Gastronomen. Besonders komme es darauf an, die Gäste dafür zu sensibilisieren, aufeinander Rücksicht zu nehmen. Und: "Vermeiden Sie unbedingt Warteschlagen."

?Vergeht dem einen oder anderen Gastronom unter solchen Bedingungen nicht die Lust auf die Wiedereröffnung?

Davon ist auszugehen. Der Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA schätzt, dass jeder vierte bis fünfte Betrieb gar nicht aufmachen wird, sondern auf weitere Lockerungen wartet. Das lohne sich für sie nicht, meint Hauptgeschäftsführer Wagner. Aus Protest gegen die Corona-Auflagen ruft der Frankfurter Gastronomieinitiative IGF dazu auf, Gaststätten am Freitag noch geschlossen zu lassen. Mit der Aktion #leerelokale sollten Betriebe aus Solidarität ihr Restaurant zumindest an diesem Tag nicht öffnen, hieß es.

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