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Einige der Backhäuser, die es in der Region gibt, sind wahre Schmuckstücke. Das gilt auch für das Backhaus in Kirchhain-Langenstein (Kreis Marburg-Biedenkopf).

Tradition, die man sieht und riecht

  • VonKatrin Hanitsch
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Wenn das Backhaus angeheizt wird, sieht und riecht man das im ganzen Dorf. Sah und roch, muss es für die meisten Ortschaften wohl heißen. Nicht so im Marburger Land und im Lahn-Dill-Bergland. Dort bekommen die Backhäuser, die viel mehr als nur ein großer Ofen sind, neues Leben eingehaucht.

In erster Linie dienten die Backhäuser den Dorfbewohnern früher natürlich dazu, sich mit Brot zu versorgen. Doch sie waren auch Treffpunkt, Gemeinschaftsinstitutionen, Veranstaltungsort und Ort zum Informationsaustausch. »Backhäuser sind in Hessen etwas Besonderes«, sagt Dr. Armin Feulner von der Marburg Stadt und Land Tourismus GmbH. »Das gibt es in anderen Bundesländern so nicht.« Gemeinsam mit seinem Kollegen vom Naturpark Lahn-Dill-Bergland, Jörg Wegerhoff, koordiniert er das Themenjahr Backhaus, dass derzeit in beiden Regionen läuft.

Rund 120 Backhäuser haben sie ausfindig gemacht, etwa 90 davon werden noch regelmäßig genutzt, 55 machen beim Themenjahr mit - das wie so vieles in den letzten beiden Jahren unter Pandemiebedingungen lief. Viele geplante Veranstaltungen konnten nicht stattfinden, Workshops mussten ausfallen - doch zum Tag des offenen Denkmals am 12. September sollen die Backhaustüren endlich geöffnet werden (siehe Kasten).

Alle Backhäuser in der Region haben in diesem Jahr eine Plakette bekommen, nach und nach werden sie mit QR-Codes versehen. Ein schneller Scan mit dem Smartphone verrät Geschichte und Hintergründe über die jeweiligen Häuser. Zweimal haben sich die Teilnehmer in den vergangenen Monaten zum sogenannten Schwätztermin getroffen. Dort haben sie sich gegenseitig bei Problemen geholfen, über Heiztechnik, Instandhaltung und Rezepte ausgetauscht.

Für das Backhaus im Amöneburger Stadtteil Erfurtshausen kam das Themenjahr gerade zur rechten Zeit. Seit 2019 wurde es im Rahmen des Dorferneuerungsprogramms mit viel Eigenleistung neu aufgebaut. Jetzt ist es fertig, am kommenden Wochenende soll die Einweihung gefeiert werden. »Es ist sehr schön geworden«, erzählt Steffen Fuhrmann stolz. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Heimat- und Verschönerungsvereins, für den die Restaurierung des Backhauses ein echter Glücksfall war. Der Verein sei fast eingeschlafen gewesen, berichtet Fuhrmann, jetzt wurde er zu neuem Leben erweckt, hat wieder etwa 100 Mitglieder, darunter viele junge Familien. Diese Familien seien es auch, die großes Interesse am Brotbacken haben.

Damit das auch gut klappt, wurde in letzter Zeit viel ausprobiert, die Erfahrungen und Tipps der älteren Dorfbewohner eingeholt und der Austausch mit den anderen Vereinen bei den Schwätzterminen gesucht. »Wir möchten diese Tradition im Ort erhalten und neu beleben«, sagt Fuhrmann.

Dazugehört auch die Tradition des Gästezimmers im Stockwerk über dem Backhaus. Früher übernachteten hier Handwerksburschen, denen der Ofen im Erdgeschoss das Zimmer wärmte. Auch dieser Raum wurde restauriert und soll wieder an Übernachtungsgäste vermietet werden.

Um die Backtradition in Erfurtshausen braucht man sich also für die Zukunft wohl keine Sorgen machen. Hier wie auch in vielen anderen Orten, in denen im Rahmen des Themenjahrs viel bewegt wurde, gilt: Die Backhäuser sind wieder Treffpunkt und Info-Börse. Man sieht und riecht sie wieder im ganzen Dorf.

Frisch aus dem Ofen schmeckt das Brot am besten.

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