Tosender Beifall für Botschafter Afrikas

Wetzlar (chl). Wenn sich der "Schwarze Kontinent" doch nur immer so friedlich, versöhnt und farbenfroh präsentieren könnte, wie am Sonntagabend in Wetzlar, anstatt mit Hungersnöten oder Bürgerkriegen für traurige Schlagzeilen zu sorgen. In der Rittal-Arena malte die mitreißende Zirkusshow "Afrika! Afrika!" dagegen ein Bild voller Lebensfreude, Energie und Eleganz, auch wenn diverse Klischees und Assoziationen wie Wildheit, Ursprünglichkeit, Stammesriten und Traditionelles bedient wurden.

Wetzlar (chl). Wenn sich der "Schwarze Kontinent" doch nur immer so friedlich, versöhnt und farbenfroh präsentieren könnte, wie am Sonntagabend in Wetzlar, anstatt mit Hungersnöten oder Bürgerkriegen für traurige Schlagzeilen zu sorgen. In der Rittal-Arena malte die mitreißende Zirkusshow "Afrika! Afrika!" dagegen ein Bild voller Lebensfreude, Energie und Eleganz, auch wenn diverse Klischees und Assoziationen wie Wildheit, Ursprünglichkeit, Stammesriten und Traditionelles bedient wurden. Aber mal ehrlich: Eine europäische Zirkusshow, Volksfeste oder gar die Hessentagsumzüge greifen genauso auf traditionelle Ausschmückung zurück.

Für die fast 4000 Zuschauer jedenfalls haben die insgesamt 96 artistischen und musikalischen Botschafter Afrikas ihren Kontinent von seiner schönsten Seite gezeigt. Dazu hat Chef-Choreograph Georges Momboye - aufbauend auf die Idee von André Heller - eine rasante Inszenierung mit Tanz, Musik und vor allem Akrobatik geschaffen. Fast pausenlos überschütteten die Artisten, Schlangenmenschen, Trommler, Tänzer und Sänger zweieinhalb Stunden lang (inklusive 30 Minuten Pause) das Publikum mit sinnlichen Eindrücken. Und von Anfang an ließ dieses sich von dem Spektakel vor der afrikanischen Dorf-Kulisse mitreißen.

Unterstützt von einem spritzigen Orchester, welches sowohl afrikanische Rhythmen, karibische Reggaeklänge als auch groovende Funknummern fetzig einflösste, bewegten, sprangen und tanzten die Akteure immer im vorgegebenen Takt. Keiner der Künstler ließ sich nach seinem Auftritt etwa in strammer Pose wie adrette europäische Pendants feiern, sondern immer wackelte der Hintern, kreisten die Hüften, staksten die Beine rhythmisch weiter. Alles blieb im Fluss.

Auf dieses körperbetonte Rhythmusgefühl, welches alle subsahara-afrikanischen Darsteller - ob aus Kamerun, Simbabwe, Ghana, Elfenbeinküste, Südafrika, Senegal, Äthiopien, Tansania, Gabun oder Guinea - unbestreitbar bewiesen, konnten so manche Zuschauer nur neidvoll blicken.

Das Publikum schloss sich jedoch in der Begeisterung an und klatschte und jubelte zumindest unterstützend wie spontan mit.

Jeweils eingekleidet in mitunter aufwendig gefertigten und farbenfrohen traditionellen Kostümen ließen aber vor allem die Akrobaten bei den Zuschauern den Atem stocken. Beeindrucken konnte etwa Balljongleur Abdurazak Reshid Adem aus Äthiopien, der mit flinken Händen und raffinierten Bewegungseinlagen seine bis zu sieben Bälle auf dem Boden tanzen ließ.

Riesige und waghalsige Menschenpyramiden, versierte Stepptänzer, Tisch- und Vasen-Balanceakte, witzige Einrad-Basketball-Spieler (eine afro-amerikanische Truppe aus den USA) oder auch moderne Breakdancer zum Hiphop-Sound gehörten ebenso zum Programm Kalter Schauer lief dem Publikum über den Rücken, oder vielmehr über die eigenen Knochen, als die Körperexzentriker Yoga Yoga (Michael Elias Mondosha) und mehr noch die junge Nokulunga Buthelezi aus Südafrika als "Schlangenmenschen" ihre Körper in schier unmögliche Stellungen verbogen. Insbesondere Nokulunga schien eine Meisterin der Kontorsion zu sein, da sie ihre Beine nicht nur rückwärts über ihre Schultern verrenkte, sondern unter anderem auch ihren Oberkörper scheinbar um eine ganze Drehung schrauben konnte.

Einen schön anzusehenden Balanceakt wagte auch John Kwaku Amanoo aus Ghana. Er ließ im Sitzen bis zu neuen Schüsseln an Stäbchen auf seinen Füßen, Händen oder am Mund gleichzeitig rotierend kreisen. Und immer wieder versprühten Tanzformationen eine betörende Stimmung des Animalischen. Erst zum großen Finale sprang auch das Publikum zu stehenden Ovationen auf und tänzelte - teilweise vom Rhythmus angesteckt - mit.

In Wetzlar gastierte die Tournee-Version von "Afrika! Afrika!", die durch große Hallen der Republik tingelt. Fans der Show sind aber auch die Vorführungen in einem großen Zirkuszelt bekannt.

Tourneeleiter Björn Eng erklärte aber, dass eine Tournee mit Zelt und mit jeweils nur ein oder zwei Vorstellungen je Stadt logistisch nicht leistbar wäre.

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