Tornado richtet Riesenschaden im Mittelhessen an

Grünberg (tb/fp). "Erst hat es geregnet", berichtete gestern Abend eine Frau in Lumda. "Dann kam plötzlich der Sturm - und in wenigen Sekunden war alles vorbei." Nur einige Sekunden, die aber reichten aus, um eine Schneise der Zerstörung zu schlagen.

Grünberg (tb/fp). "Erst hat es geregnet", berichtete gestern Abend eine Frau in Lumda. "Dann kam plötzlich der Sturm - und in wenigen Sekunden war alles vorbei." Nur einige Sekunden, die aber reichten aus, um eine Schneise der Zerstörung zu schlagen. Allein im Grünberger Stadtteil Lumda wurden rund 50 Dächer abgedeckt, Autos und Hausfassaden beschädigt und zahllose Bäume entwurzelt. Fast das halbe Dorf ist betroffen. In Reinhardshain zählten Rettungskräfte etwa zwölf beschädigte Dächer. Nach ersten Schätzungen dürfte der gesamte Sachschaden bei rund einer Million Euro liegen. Die gute Nachricht war, dass Menschen oder Tiere nicht verletzt wurden, wie Landrätin Anita Schneider, Kreisbrandinspektor Mario Binsch, Grünbergs Bürgermeister Frank Ide und Stadtbrandinspektor Lothar Theiß noch am Abend bei einer Pressekonferenz mitteilen konnten. Kein Haus ist unbewohnbar. Aller Dank galt den Freiwilligen Feuerwehren und dem Technischen Hilfswerk.

Es war gegen 18.30 Uhr, als der Tornado, von Nordwesten kommend, zunächst in Reinhardshain zuschlug, sich weiter aufbaute, über freies Feld zog, an Kraft gewann, im Wald links der Landstraße nach Londorf einige Hundert Bäume wie Streichhölzer abknickte, auf Lumda zuhielt und den Grünberger Stadtteil mit voller Wucht traf.

Der orkanartige Sturm fegte zunächst über die Straße "Am Bahndamm", dann weiter über das halbe Dorf in Richtung Atzenhain, entwurzelte auf seinem etwa einen Kilometer langen Weg zahllose Bäume, riss Ziegel und Eternitplatten von Dächern und Fassaden, schleuderte zumindest Teile davon gegen Nachbarhäuser. Den Passanten bot sich ein Bild der Verwüstung. Vermutlich an die 100 Lumdaer Anwesen haben Schäden zu beklagen.

Wem es nur die Apfelernte gekostet hat oder wem die Fichte gefällt worden ist, der hatte Glück: Am härtesten betroffen waren die nicht weniger als 50 Hausbesitzer, deren Dächer ganz oder zumindest teilweise weggefegt worden waren. Einige großflächige Scheunendächer wurden nahezu komplett abgedeckt. In mehreren Höfen war der Boden mit Ziegelschutt überdeckt.

Schnell waren die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren Lumda, Grünberg, Reinhardshain, Stangenrod, Weitershain und Beltershain ebenso an Ort und Stelle wie das Technische Hilfswerk (THW) Grünberg und Gießen, um Hilfe zu leisten. Das Feuerwehrgerätehaus in Lumda wurde zum Lagezentrum, in dem sich auch die Landrätin und der Kreisbrandinspektor einfanden, um später eine erste Zwischenbilanz zu ziehen.

Die Zahl der ehrenamtlichen Helfer betrug um die 100 Personen und erhöhte sich später. In Lumda und in Reinhardshain begutachtete noch am Abend ein Statiker des THW die entstandenen massiven Zerstörungen und bezeichnete es als realistisch, die Schäden auf insgesamt rund eine Million Euro zu schätzen.

Die festgestellten Beschädigungen wurden von den Einsatzkräften in drei Gruppen eingeteilt. "50 betroffene Gebäude", hieß es vorerst für Lumda, davon 14 besonders schwer, weil Dächer bzw. Dachstühle mit enormer Sturmkraft weggerissen worden waren. Etwa drei Dutzend Häuser zog der Tornado mittelschwer bzw. leicht in Mitleidenschaft. Zwölf beschädigte Gebäude wurden in Reinhardshain registriert, davon drei besonders schwer. Letztlich konnte festgehalten werden, dass kein Haus komplett unbewohnbar ist.

Vom frühen Abend bis spät in die Nacht waren die Lumdaer, die Reinhardshainer und herbeigerufenene Handwerker im Einsatz, um Dächer provisorisch abzudichten, lose Ziegel und Dachbalken zu bergen, Bäume von der Straße zu holen und aufzuräumen. Bäume lagen in Lumda, Reinhardshain und Weitershain.

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