Studieren ist teuer: Insbesondere die Kosten für Wohnung oder Zimmer und das Semesterticket für den ÖPNV fallen ins Gewicht.	FOTO: DPA
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Studieren ist teuer: Insbesondere die Kosten für Wohnung oder Zimmer und das Semesterticket für den ÖPNV fallen ins Gewicht. FOTO: DPA

Teures Studium am Main

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In Frankfurt ist das Studieren besonders teuer. Studierende müssen dort nicht nur für die Mieten mehr bezahlen als anderorts in Hessen. Auch bei den Semesterbeiträgen müssen sie tiefer in die Tasche greifen. Das sorgt für Kritik.

Die Studiengebühren an hessischen Unis sind zwar seit mehr als einem Jahrzehnt abgeschafft. Doch kostenlos ist das Studium trotzdem nicht ganz. Jeder Studierende muss einen Semesterbeitrag bezahlen, mit dem etwa das Semesterticket für den Nahverkehr oder Mensen, Wohnheime und Beratungsangebote finanziert werden.

Dieser Semesterbeitrag kann von Uni zu Uni in Hessen aber sehr unterschiedlich ausfallen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. So werden in Frankfurt rund 370 Euro Semesterbeitrag fällig, während es an der Technischen Universität Darmstadt für die meisten Fachrichtungen 270,47 Euro sind. »Das ist ein Zustand, der so nicht haltbar ist«, kritisiert Kyra Beninga vom Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der Universität Frankfurt. »Wir sehen das schon länger als Problem.«

Gerade dann, wenn die Beiträge eingezogen werden, kämen besonders viele Studierende in die AStA-Sozialberatung, berichtet die Studentin. Für einige sei der hohe Semesterbeitrag eine große Belastung. Sie seien gezwungen, bis zu drei Nebenjobs aufzunehmen, um sich über Wasser zu halten, weiß Beninga.

Die Corona-Krise dürfte das Problem noch verschärfen, auch wenn die Semesterbeiträge für das Sommersemester schon vor Wochen eingezogen wurden. An diesem Montag beginnt das Sommersemester an den Unis, das wegen der Corona-Krise weitgehend online stattfinden soll.

Semesterticket treibt Beitrag hoch

Hauptgrund für die unterschiedlichen Beiträge ist der Anteil für das Semesterticket, wie die Kostenaufstellungen der Universitäten zeigen. Für die Tickets in Darmstadt, Frankfurt, Gießen und Marburg gilt vorrangig der Tarif im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), in Kassel der Tarif des Nordhessischen Verkehrsverbundes (NVV). Im Geltungsbereich des RMV zahlen Studierende in Frankfurt derzeit 216,30 Euro pro Semester, in Darmstadt, Gießen und Marburg nur 125,22 Euro - also etwa 100 Euro weniger für dasselbe Angebot.

Benedikt Klein von der »Landes-ASten-Konferenz Mobilität« weist darauf hin, dass die unterschiedlichen Kosten für den RMV-Geltungsbereich in einem gemeinsamen Vertragswerk der hessischen Studierendenschaften vereinbart worden seien. Die höheren Kosten für die Studierenden der Uni Frankfurt seien vor allem aufgrund des besseren Verkehrsangebots innerhalb der Stadt, der längeren Pendlerwege und der höheren Nutzungsfrequenz Frankfurter Studierender festgelegt worden. Klein kann den Unmut der Frankfurter aber nachvollziehen. »Die Diskussion müsste eine andere sein«, sagt er. Er kritisiert, dass das Land Hessen das Schüler- und Seniorenticket bezuschusse, die Semestertickets allerdings nicht. Die Kostenerhöhungen der Semestertickets müssten die Studierenden tragen, während das Land die Preissteigerungen für das 365-Euro-Ticket übernehme.

Auch Sebastian Heidrich vom Verkehrsausschuss des AStA der Universität Frankfurt kritisiert die Kosten für das Semesterticket vor allem vor dem Hintergrund, dass bereits durch die höheren Mieten erhebliche Mehrkosten für Frankfurter Studierende entstünden.

Laut einer Analyse des Forschungsinstituts empirica kostet ein unmöbliertes WG-Zimmer in Frankfurt zu Beginn des Sommersemesters 2020 monatlich 500 Euro warm. Frankfurt liegt damit nur einen Platz hinter München, der teuersten Stadt für Studenten bundesweit.

Kritik an Verwaltungsgebühr

AStA-Vertreterin Beninga fordert, die Quote für den geförderten Wohnraum zu erhöhen und die Ausbildungsförderung des Bundes (BAföG) an die Lebenshaltungskosten in Großstädten anzupassen. Nach der BAföG-Reform 2019 wurde der Wohnzuschlag für Studierende, die nicht bei ihren Eltern wohnen, bundesweit von 250 auf 325 Euro monatlich angehoben. Das sei immer noch zu wenig, um sich ein Zimmer in Frankfurt leisten zu können, sagt Beninga. Der Zuschlag entspreche nicht der Realität vieler Studierenden in Großstädten.

Enthalten im Semesterbeitrag ist in Hessen auch ein Verwaltungskostenbeitrag in Höhe von 50 Euro, der nach dem Hochschulgesetz des Landes unter anderem für Anmeldung, Beurlaubung und Rückmeldung fällig wird. Beninga sieht darin einen Kostenpunkt, der eingespart werden könnte. »Dieser Beitrag ist völlig unnötig«, sagt sie. Er sei ein Relikt der Studierengebühren, von denen nicht die Universitäten selbst, sondern nur das Land Hessen profitiere. Sie fordert, den Beitrag ersatzlos abzuschaffen. In Verbindung mit einer Senkung der Kosten für das Semesterticket könne dies zu einer langfristigen Senkung des Semesterbeitrages führen.

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