Bei der Aufklärung von Verbrechen kann die Polizei auf eine Datenbank mit mehr als einer Million Gen-Spuren zugreifen. FOTO: DPA
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Bei der Aufklärung von Verbrechen kann die Polizei auf eine Datenbank mit mehr als einer Million Gen-Spuren zugreifen. FOTO: DPA

Per DNA zum Täter

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Bei der Aufklärung von Verbrechen kann die Polizei auf eine Datenbank mit mehr als einer Million Gen-Spuren zugreifen. In Hessen gab es zuletzt Hunderte Treffer - vor allem in einem Deliktbereich.

Ermittler finden an einem Tatort eine winzige DNA-Spur. Sie wird gesichert und in die zentrale DNA-Analyse-Datei des Bundeskriminalamtes eingespeist. Von einem Mausklick und etwas Glück hängt es nun ab, ob die Kriminalisten bei ihren Ermittlungen einen großen Schritt vorankommen und die Tat rasch aufklären können. Denn sofern das sichergestellte genetische Profil in der Datenbank gespeichert ist, spuckt der Computer innerhalb weniger Sekunden einen Treffer aus. Im Idealfall führt dieser direkt zu einem Verdächtigen.

"Es ist ein super Ermittlungshinweis", sagt Harald Schneider, der Leiter der DNA-Analytik beim hessischen Landeskriminalamt in Wiesbaden (LKA). "Weil es natürlich in den meisten Fällen so sein wird, dass die Spuren, die in der Datenbank treffen, auch irgendetwas mit der Tat zu tun haben."

Hessens Ermittler haben im vergangenen Jahr bei ihren Suchanfragen 1866 Treffer in der Datenbank gehabt. Die meisten (1132) betrafen Delikte wie Diebstahl und Unterschlagung. Bei Ermittlungen zu Sexualstraftaten gab es 33 und bei Tötungsdelikten 49 Treffer - was auch damit zusammenhängt, dass Eigentumsdelikte viel häufiger begangen werden als Kapitalverbrechen wie Mord und Totschlag.

Ein prominentes Beispiel für die Polizeiarbeit mit der Datenbank ist der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke: Die Festnahme des Hauptverdächtigen ging den Ermittlern zufolge auf eine DNA-Spur zurück, die zu einem Treffer in der Datenbank führte. Bei einer Übereinstimmung muss ein Verbrechen aber noch nicht zwingend aufgeklärt sein: Es seien meist noch weitere Beweise nötig, betont Schneider.

Die Ermittler unterscheiden zwischen Personen- und Spurentreffern. Die Datenabfrage kann also entweder zu Gen-Profilen konkreter Personen wie bereits bekannten Straftätern führen oder zu Spuren von Unbekannten, die an anderen Tatorten gesichert wurden.

Die DNA-Analyse-Datei gibt es seit 1998. Gespeichert sind darin Daten von Beschuldigten, verurteilten Straftätern oder von am Tatort gesicherten Spuren. "Sie ist ein unverzichtbares Mittel zur Kriminalitätsbekämpfung und aus dem Alltag der Polizei nicht mehr wegzudenken", heißt es beim Bundeskriminalamt. Mittlerweile sind darin mehr als 1,2 Millionen DNA-Muster gespeichert.

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