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Süße Hasen zum Anbeißen

  • Annette Spiller
    vonAnnette Spiller
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Mein Name ist Hase. Osterhase. Wir hatten schon das Vergnügen. Letztes Jahr. Und das Jahr davor. Und das Jahr...Sie wissen schon. Ich komme auch 2020 mitten in der Corona-Krise vorbei, wenn Sie wollen - bin schließlich kein Hasenfuß. Sie haben es in der Hand. Fangen wir also an.

Ich bin auf Zack. Schnell, wachsam und gewitzt. Eigentlich könnte ich das Wappentier sein im Kampf gegen Corona. Nein, lachen Sie nicht! Ich bin nämlich beileibe kein Angsthase, wie mir so oft fälschlicherweise nachgesagt wird, sondern halte vielmehr vernünftig und vorausschauend Abstand von Risiken. Im Zweifel rühre ich mich nicht vom Fleck. Oder ich weiche der Gefahr aus und verschwinde aus dem heiklen Bereich, was nichts mit Angst, sondern mit einer ausgeklügelten und erfolgreichen Überlebensstrategie zu tun hat. Wenn ich da mal nicht wunderbar geeignet bin als Vorbild für die derzeitige Kontaktsperre!

Ich kann also ohne zu übertreiben sagen, dass ich ein toller Kerl bin. Meine wissenschaftliche Bezeichnung ist Lepus europaeus. Feldhase. Nur damit Sie wissen, dass Sie es nicht mit irgendwem zu tun haben, womöglich mit so einem lächerlichen Kaninchen. Ursprünglich stamme ich aus der Steppe, mag es daher trocken und warm. Heutzutage bin ich aber sozusagen überall zu Hause, am liebsten in Agrarlandschaften mit Feldgehölzen, Ackerrändern und Brachen, die mir Nahrung und Verstecke bieten.

In Sprichwörtern und Redewendungen bin ich ein Promi, tauche häufig auf. Und zu Ostern bin ich natürlich der Star. Ich diene als Vorlage für allerlei Figürchen, die man zum Fest gerne um sich hat. Es gibt mich, den Osterhasen, aus Holz, Plüsch, Pappe, Stoff, Keramik, Glas, Kunststoff - gestrickt, geklöppelt und auf Tischdecken aufgestickt. Gemalt, gedruckt, gestrickt, gehäkelt. Und wahrscheinlich noch in etlichen anderen Erscheinungsformen, die mir gerade nicht einfallen.

Doch halt, das Tollste kommt noch: Man kann mich auch backen. Wie wäre es, wenn Sie ein paar von uns verschenken in diesen Zeiten, wo wir alle nicht zusammen Ostern feiern können? Also, ich bin dabei! Ein Tütchen Hasenkekse erfreut das Herz. Man kann es an Freunde und Familienmitglieder verschicken, bei Nachbarn vor die Tür stellen, dem Postboten, der Apothekenhelferin, dem Busfahrer oder der Kassiererin schenken. Oder jemand anderem aus unserem Lebensumfeld, die da draußen für uns da sind. Es ist einfach schön, wenn der Osterhase kommt - gerade in diesem Jahr.

Wollen wir? In diesem Text bin ich ein Shrewsbury Biscuit. Ich bin schnell gemacht, unglaublich lecker und genau das Richtige für Corona-Zeiten: Ich hopple ganz ohne Hefe oder Backpulver. Na gut, völlig ohne Mehl mümmle ich nicht, aber das kann ja auch keiner erwarten. Hier also die Zutaten für rund 100 Stück meiner Sorte - wie jeder weiß, war ich ja zwischenzeitlich mal etwas rar geworden in der Natur, und da kann es nicht schaden, ein bisschen zu klotzen. Man nehme: 530 Gramm Mehl Type 405, 300 Gramm Zucker, 2 Eier, je eine Messerspitze Salz und gemahlenen Zimt, 300 Gramm Butter und Backpapier für die Bleche. Mehl, Zucker, Eier, Salz und Zimt in eine große Schüssel geben, die Butter in Flöckchen über dem Mehl verteilen und alle Zutaten rasch zu einem Mürbeteig verkneten. Der darf dann zwei Stunden in Alufolie im Kühlschrank ruhen.

Dann den Backofen auf 200 Grad Ober- und Unterhitze vorheizen, bei mehreren Blechen darf es Umluft und ein bisschen weniger Temperatur sein. Den Teig auf einer bemehlten Fläche etwa vier Millimeter dick ausrollen und Hasen ausstechen. Diese dann auf die Bleche legen und 10-13 Minuten auf der mittleren Schiebeleiste backen, oder zwei Bleche oben und unten im Ofen einschieben. Danach müssen wir noch schön auf dem Backpapier abkühlen.

Im Rezept steht, dass wir Hasen-Biscuits uns in einer Blechdose super halten, zwei bis drei Wochen knusprig bleiben. Ich sage: Schmarrn. Die Wahrheit ist: Wenn wir verschenkt werden, sind wir weg. Und wenn wir behalten werden, sind wir auch weg - und zwar ganz schnell. So ist das eben mit süßen Hasen zum Anbeißen.

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