Job suchend oder arbeitslos?

  • vonGerd Chmeliczek
    schließen
  • Gerd Chmeliczek
    schließen

Gießen (gäd/eb). Im vergangenen Monat haben wir an dieser Stelle einzelne Begriffe aus dem Bericht der Agentur für Arbeit erklärt. Doch das war noch nicht alles. Im Folgenden noch eine kleine Auswahl an Defintionen, die dabei helfen sollen, "zwischen den Zahlen zu lesen", wie wir es bei den Februar-Zahlen bereits genannt haben:

Gießen (gäd/eb). Im vergangenen Monat haben wir an dieser Stelle einzelne Begriffe aus dem Bericht der Agentur für Arbeit erklärt. Doch das war noch nicht alles. Im Folgenden noch eine kleine Auswahl an Defintionen, die dabei helfen sollen, "zwischen den Zahlen zu lesen", wie wir es bei den Februar-Zahlen bereits genannt haben:

? Müssen Jobsuchende zwingend arbeitslos sein?

Nein. Die Arbeitsagentur definiert Arbeitslose als "Personen ohne Arbeit, die arbeiten dürfen, können und wollen, Arbeit suchen und deswegen bei einer Agentur für Arbeit beziehungsweise einem Träger der Grundsicherung als Arbeitslose gemeldet sind." Man spreche daher auch von "registrierter Arbeitslosigkeit". "Jobsuchende" können nach arbeitslosen und nichtarbeitslosen Arbeitsuchenden unterschieden werden. Nichtarbeitslose Arbeitsuchende erfüllen laut Agentur die gleichen Kriterien wie Arbeitslose, müssen aber nicht "ohne Arbeit" sein. Sie können durchaus aus einem bestehenden Beschäftigungsverhältnis heraus eine andere Arbeit suchen. Sie können aber auch an einer arbeitsmarktpolitischen Maßnahme teilnehmen.

? Warum werden im Arbeitsmarktbericht zwei Arbeitslosenquoten ausgewiesen?

Die Arbeitlosenquote gibt Aufschluss über den Anteil der Arbeitslosen am gesamten Arbeitskräftepotenzial und wird – wie bereits berichtet – als Quotient aus der Zahl der Arbeitslosen und der Erwerbspersonen (Erwerbstätige plus Arbeitslose) gebildet. Der Kreis der Erwerbspersonen kann aber unterschiedlich abgegrenzt werden. Daher ermittelt die Bundesagentur für Arbeit zwei Arbeitslosenquoten. Die Arbeitslosenquote auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen ist die Quote, die monatlich verkündet wird. Die zivilen Erwerbspersonen umfassen alle abhängigen zivilen Erwerbstätigen sowie Selbstständigen und mithelfenden Familienangehörigen, wie es die Bundeszentrale für politische Bildung erklärt. Die zweite Arbeitslosenquote wird nur auf Basis der abhängigen zivilen Erwerbspersonen berechnet.

Zu dieser Personengruppe gehören alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten einschließlich der Auszubildenden, die geringfügig Beschäftigten, Personen in Arbeitsgelegenheiten in der Mehraufwandvariante (Maßnahmen, die Arbeitslose bei der Eingliederung in den Arbeitsmarkt unterstützen soll), Beamte (ohne Soldaten) und Grenzpendler. Laut Arbeitsagentur hat diese Art der Quotenberechnung in Deutschland die längere Tradition. Aus datentechnischen Gründen bezogen sich bis zum Berichtsmonat Dezember 2008 tiefer strukturierte Arbeitslosenquoten (zum Beispiel nach Geschlecht oder Alter) regelmäßig nur auf die abhängigen zivilen Erwerbspersonen.

? Was ist ein sogenannter Altbewerber, wenn es um den Ausbildungsmarkt geht?

Die Statistik der Bundesagentur für Arbeit berichtet regelmäßig auch über den Ausbildungsmarkt. Dabei wird neben den Bewerbern um eine Ausbildungsstelle manchmal auch von sogenannten Altbewerbern gesprochen. Als "Altbewerber" werden einerseits Personen bezeichnet, die nicht im aktuellen Jahr die Schule verlassen haben. Das sind zum Beispiel Studienabbrecher oder junge Menschen, die nach dem Schulabschluss zunächst einen Freiwilligendienst gemacht haben.

Eine andere Gruppe sind Personen, die bereits einmal als Bewerber bei einer Agentur für Arbeit gemeldet waren. Die Gründe für die erneute Suche können unterschiedlicher Natur sein. Es kann sein, dass die Ausbildung nicht zu Ende gebracht wurde. Oder die Suche nach einem Ausbildungsplatz war im vorangegangenen Jahr nicht von Erfolg gekrönt.

? Was ist der Unterschied zwischen einem Minijob und einem Midijob?

Der Minijob ist laut Agentur für Arbeit eine geringfügig entlohnte Beschäftigung. Geringfügigkeit liegt dann vor, wenn der Lohn regelmäßig 450 Euro im Monat nicht übersteigt. Die wöchentliche Arbeitszeit ist nicht relevant. Minijobs sind grundsätzlich sozialversicherungsfrei. Seit dem 1. Januar 2013 besteht allerdings Rentenversicherungspflicht. Eine Befreiung ist auf Antrag möglich. Bei einem kurzfristigen Minijob ist die Beschäftigung auf weniger als zwei Monate oder insgesamt 50 Arbeitstage im Kalenderjahr begrenzt. Die Höhe des Verdienstes spielt hierbei keine Rolle. Bei einer geringfügigen Beschäftigung trägt der Arbeitgeber laut Arbeitsagentur Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer sowie Sozialversicherungsbeiträge. Der Arbeitnehmer ist versicherungsfrei in der gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Eine Befreiung von der Rentenversicherungspflicht ist möglich.

Der Midijob ist dagegen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung innerhalb der sogenannten Gleitzone zwischen 450,01 und 850 Euro. Arbeitgeber zahlen die üblichen vollen Sozialabgaben in Höhe von rund 20 Prozent des Lohnes. Arbeitnehmerbeiträge zur Sozialversicherung für Beschäftigungsverhältnisse in der Gleitzone sind reduziert. Sie beginnen bei rund 15 Prozent und steigen linear zum Einkommen. Bei 850 Euro erreichen sie die volle Höhe.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare