Eine Außenansicht der Liebfrauenkirche in Frankfurt, aufgenommen aus dem Innenhof. FOTO: DPA
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Eine Außenansicht der Liebfrauenkirche in Frankfurt, aufgenommen aus dem Innenhof. FOTO: DPA

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Auf der Suche nach der Stille

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Unser vielfältiges Bundesland ist Thema der Serie "Hessisch!". Wer sich in Hessen auf die Suche nach der Stille macht, braucht gar nicht lange suchen. Vor allem in der Natur lassen sich viele ruhige Oasen zum Abschalten und Loslassen finden. Aber auch mitten in der Großstadt finden sich ruhige Orte. Manche allerdings nicht gerade zu Corona-Zeiten.

Die Erfahrungen mit einer Schweigemeditation in der Liebfrauenkirche Frankfurt, von denen die Autorin hier berichtet, liegen schon eine Weile zurück. Coronabedingt pausiert die offene Gruppe - aber vielleicht geht es Anfang Oktober schon wieder los (Anm. d. Redaktion).

Mit schnellen Schritten, die Augen auf die Karten-App des Smartphones gerichtet, gehe ich durch die laute Fußgängerzone der Frankfurter Innenstadt. Mein Ziel: Die Liebfrauenkirche - eine Kirche mitten in der Stadt. Hier will ich mich bei einer Schweigemeditation auf die Suche nach der Stille begeben. Doch noch habe ich nicht mal die Kirche selbst gefunden. Die Adresse stimmt, das sehe ich auf meinem Display, doch rechts und links von mir sind doch nur Geschäfte... Verwirrt und gestresst schaue ich nach oben und entdecke die alten Kirchenmauern. Ich bin am Eingang vorbeigelaufen, ohne ihn zu bemerken.

Ein Sinnbild dafür, dass durch Hektik, Stress und Reizüberflutung die Stille meist kaum Beachtung bekommt und das "mal abschalten" oft hinten runterfällt. Dabei ist Ruhe so wichtig, vor allem für die Gesundheit. Sie beugt beispielsweise stressbedingten Krankheiten wie Herzinfarkt oder Schlaganfällen vor, führt zu einem besseren Schlaf und fördert die Konzentration. Da es jedoch weder bei mir zu Hause und schon gar nicht in der Redaktion ruhig ist, suche ich mir Orte der Stille. Die Liebfrauenkirche und das an- liegende Kapuzinerkloster sind dafür bekannt. Täglich kommen Menschen hier vorbei, um innezuhalten und den Alltag kurz zu unterbrechen.

Eine halbe Stunde Schweigen

Vor der Klosterpforte wartet schon Elfi Mühlhause, zuständig für die Schweigemeditation. Seit 2013 leitet sie diese wöchentliche Meditation an. Immer montags um 17 Uhr, etwa eine halbe Stunde lang. Eine halbe Stunde in kompletter Stille - noch verunsichert mich dieser Gedanke. Denn Zeit für Stille nehme ich mir eigentlich nie. Fragen schießen mir durch den Kopf: Woran soll ich denken? Wie weiß ich, wann 30 Minuten vorbei sind? Auch die Umgebung einer Kirche gehört nicht zu meinen alltäglichen Aufenthaltsorten. Als hätte Mühlhause meine Gedanken gelesen, fragt sie mich, ob ich religiös sei. Ich verneine und frage, ob das ein Problem ist. Sie schüttelt den Kopf. Willkommen sei jeder.

Sie erzählt, wie sie eine Aus- bildung zur Anleiterin in christlicher Meditation auf dem Schwanberg machte und sich auch zu Hause sehr oft die Zeit für Stille nimmt. "Das beruhigt mich, es ist für mich wie das tägliche Essen", sagt sie. Als die anderen Teilnehmer kommen, begrüßt sie jeden mit Namen. Man kennt sich. Viele kommen regelmäßig. Heute sind es außer mir noch zwei ältere Herren und eine ältere Frau. "Sonst sind wir meist etwa zehn, heute ist aber so schönes Wetter", sagt Mühlhause, die ehrenamtlich hier arbeitet.

Der Raum für die Meditation befindet sich im Keller des Klostergebäudes. "Normalerweise sind wir im Turmzimmer", erklärt Mühlhause. Doch um Zeitpunkt meines Besuchs wurde die Kirche gerade saniert. Schummriges Licht scheint durch die kleinen Fenster. Eine Kerze erleuchtet ein Jesuskreuz, das an der Wand hängt. Ich nehme auf einem der Holzstühle Platz und lege meine Hände in den Schoß. Mühlhause startet auf einem CD-Player ein religiöses Meditationslied und leitet so den Beginn ein. Danach bittet sie, für ein Gebärden-Gebet aufzustehen. Ich mache ihre Bewegungen nach. Hebe meine Arme über meinen Kopf, führe sie von dort aus zu meiner Körpermitte und forme mit meinen Händen eine Schale. "Achten Sie auf Ihre Atmung", sagt Mühlhause. Sie spricht ruhig und monoton. Während ich ihren Bewegungen und ihrer Stimme folge, merke ich, dass ich tatsächlich entspannter werde. Dann beginnt die Zeit der Stille.

Bewusst ein- und ausatmen

Beim Meditieren alle Gedanken loszulassen, klingt einfacher, als es ist. Meine prasseln nur so auf mich ein. Sie kreisen unaufhörlich um die Arbeit, anstehende Termine und den restlichen Tag. Ich suche nach Ablenkung, aber abgesehen von einem leisen Husten oder Räuspern ist es komplett still in dem Raum. Ich höre meine eigenen Atemgeräusche und versuche, mich darauf zu konzentrieren, wie Mühlhause sagte. Ich merke, wie sich mein Brustkorb mit Luft füllt, die dann anschließend durch meine Nase herausströmt. Ganz bewusst atme ich ein und aus und merke, wie ich langsam etwas abschalte. Auch wenn ich nicht komplett loslassen kann, ist es schön, hier mit geschlossenen Augen zu sitzen und nichts zu machen. Vor allem, weil die anderen Menschen im Raum auch nichts machen. Dieses Gefühl hält jedoch nicht lange an. Schnell werde ich wieder unruhig. Mir fällt ein, was ich heute alles noch erledigen müsste und was morgen dann auf meinem Schreibtisch wartet. Als Mühlhause schließlich von ihrem Stuhl aufsteht und damit die Zeit des Schweigens beendet, öffne ich meine Au- gen, stehe auf und strecke mich. Die anderen Teilnehmer und auch Mühlhause sind schon auf den Beinen. Sie sehen entspannt aus. Auch ich fühle mich überraschenderweise wohler und wacher. Dass ich heute jedoch nicht komplett abschalten werde, hatte mir Mühlhause schon vorausgesagt. Das brauche Zeit und Übung. Trotzdem tat mir diese kurze Auszeit gut.

Auf dem Rückweg laufe ich wieder durch den ruhigen Innenhof des Klosters. Ob ich noch einmal an der Schweigemeditation teilnehmen werde, weiß ich nicht. Diese Kirche jedoch, an der ich schon so oft achtlos vorbeigegangen bin, will ich nun öfter besuchen. Als Ort der Stille, wenn mir der Großstadttrubel und der Alltagsstress zu viel werden.

Hau gitt’s emo im Spiridualität. Eich soi jo so ean Spiriduelle. Gieh ean die Kirche, ean eich kann ach geschweie, kann fier mindestens zehe Sekunde ganz leis gesoi. Do dou eich kean Pieps vo mir gewe. Mir Vuulsberjer soi jo sowäiso ganz gruße Schweier. Mir kean doachelang geschweie. Weil jo ihs Fraaen fier ihs schwätze. Das eas genedisch so festgelegt. Do kenn mir Männer naut degäje mache. Ower das eas ach gout so, dann eich woar schou immer dere Meening: Fraaen soi gescheiter wäi mir Kearle. Se soi diblomadischer, schinner, feinfühlicher - hau säht mer jo sensibel. Fraen soi sensibel, Männer soi Sensibelchen. Fröijer saht mehr ean dem Fall wehleidich. So, etz eas Schluss, eich mache mer ea Kearze o ean schweie. bb

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