Studie: Kitas haben zu wenig Personal

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Wiesbaden- Hessens Kita- und Kindergartenkinder werden von zu wenigen Erzieherinnen und Erziehern betreut. Das ist das Ergebnis des "Ländermonitorings Frühkindliche Bildungssysteme", das die Bertelsmann-Stiftung veröffentlichte. Demnach war der Personalschlüssel für rund 138 800 Kita-Kinder nicht kindgerecht. In mehr als drei Viertel (81 Prozent) der erfassten Kita-Gruppen habe es zu wenig Fachpersonal gegeben. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sprach von einem erschreckenden und schockierenden Ergebnis.

Im Jahr 2019 hat rechnerisch jede Fachkraft in Krippen durchschnittlich 3,8 Kinder betreut. In Kindergartengruppen lag die Quote bei 9,6 Kindern pro Fachkraft. Damit hat sich Hessen seit dem vorigen Ländermonitoring nicht verbessert. Ein kindergerechtes Verhältnis von Kindern zu Erziehern hat das Land laut Bertelsmann-Stiftung damit nicht: Dieses liege bei einem Verhältnis von 3,0 Krippen-Kindern und 7,5 Kindergartenkindern pro Fachkraft.

Von allen erfassten Kita-Gruppen seien in Hessen 55 Prozent zu groß, bundesweit war das bei 54 Prozent der Fall. Bei den Kindern ab drei Jahren seien 87 Prozent der Gruppen von ungünstigen Größen betroffen, bei den jüngeren 20 Prozent. Dabei kommt es laut den Machern der Studie in Hessen darauf an, wo man wohnt. So musste 2019 eine Fachkraft im Landkreis Hersfeld-Rotenburg rein rechnerisch mehr als vier Kindergartenkinder mehr betreuen als in Darmstadt. Das sei nach Rheinland-Pfalz die zweitgrößte regionale Streuung im Bundesvergleich.

Die Qualifikation des Personals liegt in Hessen im deutschlandweiten Vergleich auf einem mittleren Niveau. So sind laut Studie 69 Prozent des pädagogischen Personals als Erzieherin und Erzieher ausgebildet. Dies entspreche in etwa dem westdeutschen Durchschnitt von 66 Prozent, liege aber deutlich unter dem der ostdeutschen Bundesländer (82 Prozent). Allerdings haben in Hessen zehn Prozent der Fachkräfte eine Hochschulausbildung. Dies sei bundesweit neben Sachsen der höchste Anteil, erklärten die Autorinnen der Studie.

Die GEW forderte als Konsequenz aus den Ergebnissen vom Land Hessen, die Ausbildungskapazitäten drastisch zu erweitern. Zudem seien großzügige räumliche Kapazitäten erforderlich. Diese sollten neben der pädagogischen Bedeutung eine bessere Einhaltung von Hygienestandards ermöglichen und damit auch den Gesundheitsschutz von Kindern und Beschäftigten stärken. FDP-Fraktionschef René Rock kritisierte, dass Hessen dem Anspruch einer qualitativ hochwertigen frühkindlichen Bildung nicht gerecht werde. Statt einer Absenkung der Qualitätsstandards müsse es eine flächendeckende Ausbildungsvergütung geben, um die Ausbildung attraktiv zu machen.

Auch die Sozialexpertin der SPD-Fraktion, Lisa Gnadl, kritisierte, dass in Hessen ein enormer Bedarf an zusätzlichen Fachkräften in den Kitas bestehe. Die Arbeits- und Einkommensbedingungen der Erzieherinnen sollten verbessert, die Ausbildungskapazitäten erhöht und die Bedingungen während der Ausbildung optimiert werden. dpa

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