Sterbende Fichten, staubige Felder

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Braune Wälder, ausgetrocknete Äcker und Wiesen oder bedrohte Tiere - die Trockenheit in Hessen macht der Natur und auch den Landwirten zu schaffen. Was kann da helfen?

Der Sommer hat sich in Hessen mit voller Wucht zurückgemeldet. Dass es Mitte September tagelang so heiß sei, sei eher ungewöhnlich, meint Bianca Plückhahn, Agrarmeteorologin beim Deutschen Wetterdienst. Dazu kommt die Dürre: In den diesjährigen Monaten Juni bis August blieb der durchschnittliche Niederschlag von 170 Litern pro Quadratmeter deutlich unter dem Sollwert von 222 Litern, wie der DWD bilanzierte. Die Trockenheit macht der Natur, den Tieren und den Bauern zu schaffen. Ein Überblick:

Böden:Südhessen gehört laut DWD derzeit zu den Regionen mit den trockensten Böden in ganz Deutschland. Für viele Landwirte in Hessen ist die Dürre ein großes Problem. Das habe sich beispielsweise beim Futteranbau für die Tiere bemerkbar gemacht: Auf den Wiesen und Weiden sei wenig gewachsen und mancher Heuspeicher sei leer geblieben, sagte Bernd Weber vom Hessischen Bauernverband. "Das Futter musste dann teuer zugekauft werden."

Zudem stehe jetzt die Aussaat der Wintergerste an. "Die Körner können nur gut keimen, wenn sie Wasser bekommen. Auf staubtrockenen Böden funktioniert das nicht." Dringend nötig sei ein mehrtägiger Landregen, "aber davon ist nichts in Sicht". Der Bauernverband setzt auch auf Fortschritte bei der Züchtung: "Pflanzenzüchter und Forschungsinstitute arbeiten unter Hochdruck daran, trockenheitstolerantere Sorten auf den Markt zu bringen."

Wald:Um den Wald steht es schlecht. "Der Boden ist seit drei Jahren so stark ausgetrocknet, dass die Bäume selbst in tieferen Schichten immer schwieriger Wasser finden", sagte NABU-Experte Berthold Langenhorst. Und: Je trockener die Bäume, desto größer sei die Gefahr von Schädlingen wie dem Borkenkäfer. Problematisch sei es besonders für die Fichte, die aufgrund ihres guten Nutzholzes hier angesiedelt worden sei. "Die Fichte mag es kühl und feucht und bekommt jetzt ganz große Probleme." Als Flachwurzler gelange sie nur schwer an tiefe Wasserspeicher. Der Experte schätzt: "Im Taunus wird es spätestens in fünf Jahren keine Fichte mehr geben." Aber auch andere Wälder wie der Spessart und der Odenwald seien bedroht.

Zur Rettung des Waldes muss nach Ansicht des NABU forstwirtschaftlich gegengesteuert werden. Bei Monokulturen hätten Schädlinge leichtes Spiel. Sinnvoll sei ein naturnaher Waldbau mit möglichst vielen verschiedenen Baumarten, die hier heimisch sind.

Wasser:Am nordhessischen Edersee ist der Wasserstand in diesem Sommer besonders schnell gesunken. "Es ist weiterhin zu trocken, um ein rasches Entleeren zu verhindern", sagte Yvonne Yazdi vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Hann. Münden. "Wir sind zwei Wochen früher an die 40-Millionen-Kubikmeter-Grenze gekommen als 2019. Es hat hier am Edersee noch weniger geregnet als im Vorjahr, obwohl das schon sehr trocken war." Der Stausee soll die Schifffahrt in der Weser sichern. Ist im Fluss zu wenig Wasser, wird es im Edersee abgelassen. Derzeit werde mehr Wasser abgegeben und es komme weniger nach, sagt Yazdi. Aktuell liege der Füllstand bei 13 Prozent

Tiere:Laut dem Naturschutzbund NABU gibt es im Tierreich einige Klimagewinner - aber vor allem Klimaverlierer. Schlecht sehe es etwa für Amphibien aus wie den Grasfrosch oder die Kreuzkröte. Sie alle benötigten das Wasser aus Teichen oder Tümpeln zum Laichen, erklärte NABU-Sprecher Berthold Langenhorst. "Eier, die abgelaicht wurden, sind zum Teil vertrocknet. Das heißt, dass sich viele Kaulquappen in diesem Jahr nicht entwickeln konnten." Ähnlich gehe es den Larven der Libellen, die vor dem Schlüpfen sehr lange im Wasser blieben.

Schwierig sei es generell für Tiere, die an und in Gewässern lebten, etwa die Wasseramsel, die sich von Würmern und Insektenlarven aus dem Wasser ernährt. Für Fische könne die Hitze und Trockenheit gerade in kleineren Tümpeln und Teichen eine große Gefahr bringen, wenn das Gewässer kippe. Den Reptilien bereiten die aktuellen Bedingungen demnach dagegen kein Problem. "Da ist die Schlingnatter, die in ganz Hessen vorkommt. Für sie ist das Wetter ideal", sagt Langenhorst. Ähnlich sei es für wechselwarme Tiere wie Eidechsen.

Gärten:Auch im eigenen Garten kann man der Trockenheit ein wenig entgegenwirken. Agrarmeteorologin Plückhahn rät, auf Pflanzen zu setzen, die mit weniger Wasser klarkommen, wie beispielsweise Lavendel. "Wir müssen damit rechnen, dass es immer wieder solche trockene Phasen gibt." Wenig sinnvoll seien dagegen die derzeit angesagten Steingärten, wo sich die Hitze staue. Dagegen würden blühende Pflanzen den Bienen und Insekten zugutekommen. Das Wasser zum Gießen soll nach Ansicht der Expertin am besten über das Jahr in einer klassischen Regentonne gesammelt werden, das spare Trinkwasser.

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