Starkregen das Hauptproblem

Unwetter sind am Dienstagnachmittag und frühen Abend über Hessen hinweggezogen. Keller und Straßen in Mittel- und Nordhessen wurden überflutet, auch im heimischen Raum war die Feuerwehr zu unzähligen Einsätzen vor Ort, etwa in Gießen, Wettenberg und Launsbach. Der Hessentag in Korbach blieb von Starkregen oder Gewittern aber verschont und konnte weiterlaufen.

Unwetter haben vor allem in Nord- und Mittelhessen am Dienstagnachmittag Schäden angerichtet. Starkregen habe Straßen und Keller in Gießen und Marburg überflutet, örtlich hagelte es, meldeten die Polizeistationen am Abend. Bei der Feuerwehr gingen Hilferufe aus allen Ecken der Stadt ein. "Wir haben aktuell 22 laufende Einsätze und noch 150 offene", sagte Feuerwehrchefin Martina Klee um 21 Uhr. Eine gute Stunde später stellten sich einige Einsätze als "Erledigt" heraus, da das Wasser teilweise zurückgegangen war.

"Unter einer Wasserhöhe von zehn Zentimetern können wir heute eigentlich nicht tätig werden.", sagte Klee angesichts des großen Einsatzaufkommens. Mehr als 200 Kräfte waren im Einsatz. Ob die jedoch bis in die späten Abendstunden alle Aufträge abarbeiten konnten, war bis Redaktionsschluss noch unklar. "Wir haben priorisiert und bitten um Geduld", erklärte Klee. In der östlichen Wetterau kam bereits am Nachmittag einiges herunter. Größere Schäden gab es in Büdingen nach ersten Informationen nicht.

Stress im Landkreis Gießen

Auch in Wettenberg hatte das Unwetter heftige Auswirkungen: Zahlreiche Keller liefen voll, die Regenmassen führten zudem zu mehreren kleinen Erdrutschen, in deren Folge Straßen gesperrt werden mussten. Rund 120 Kräfte von Feuerwehr und THW waren zeitgleich an mehreren Einsatzstellen im Dauereinsatz. Die Landestraße 3093 zwischen Krofdorf-Gleiberg und Launsbach musste wegen Hochwasser voll gesperrt werden. Bis zum späten Abend schätzte die Einsatzleitung die Zahl der Einsatzstellen in der Gemeinde auf über 100 – genaue Zahlen liegen aber erst vor, sobald alle Einsatzstellen abgearbeitet sind. In Laubuseschbach im Landkreis Limburg-Weilburg liefen Schlammlawinen über die Straßen.

Hessentag ungeschoren

Auch in Heuchelheim liefen zahlreiche Keller voll. Hier hatte sich bis zum späten Abend die Situation aber wieder weitestgehend beruhigt: Einzig in der Bachstraße trat die Bieber über ihre Ufer und überschwemmte die Straße. Auch hier musste eine Vollsperrung eingerichtet werden.

Trotz einer Unwetterwarnung und vorübergehend unterbrochener Veranstaltungen hat es am Abend Entwarnung für den Hessentag in Korbach (Kreis Waldeck-Frankenberg) gegeben. "Das Riesenrad dreht sich wieder", sagte Karl-Helmut Tepel, der Hessentagsbeauftragte der Korbacher Stadtverwaltung. "Die Lage hat sich wieder entspannt." Angesichts einer Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) hatten die Organisatoren am Nachmittag versucht, die Veranstaltung sturmfest zu machen. Die Stände wurden gegen Wind und Regen gesichert, Musikveranstaltungen unterbrochen. "Wir haben Schutzräume wie Kirchen und Tiefgaragen geöffnet, aber zum Glück brauchten wir sie nicht", sagte Tepel. Während im Nachbarkreis ein heftiges Gewitter tobte, zog die Gewitterzelle an Korbach vorbei. "Inzwischen füllt es sich wieder mit Besuchern", sagte Tepel.

Der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) berichtete am Dienstagabend über Beeinträchtigungen des Zugverkehrs. "Es muss mit Verspätungen und Zugausfällen gerechnet werden", sagte eine Sprecherin. Betroffen seien die Strecken Bad Wildungen – Kassel, Willingen – Korbach und Borken – Kassel. "Dort liegen Bäume in den Gleisen, die die Strecken versperren." Die Polizei in Nordhessen berichtete von umgestürzten Bäumen auf Straßen, es sei jedoch niemand verletzt worden. Im osthessischen Flieden schlug laut Polizei der Blitz in einen Dachstuhl und verursachte einen Schaden von 20 000 Euro. Die Deutsche Bahn meldete für Hessen nur wenige Störungen. In Mittelhessen sei es zu Verspätungen wegen Ästen auf den Gleisen gekommen, auch Strecken in unserer Region waren betroffen. Allerdings hätten die Folgen des Unwetters im Nachbarland Niedersachsen zu Verspätungen auf der Strecke Hannover – Kassel geführt.

In Wuppertal ist das Dach eines Universitätsgebäudes eingestürzt. Verletzte gab es nach ersten Erkenntnissen keine, wie die Uni nach dem Unwetter am Dienstagnachmittag auf ihrer Web-Seite mitteilte. Demnach stürzten an einem Uni-Gebäude etwa 30 bis 50 Quadratmeter des Daches ein. Zudem stünden der Keller sowie Teile des Erdgeschosses mindestens zweier Gebäude unter Wasser. Nach ersten Einschätzungen ist der Ausmaß des Schadens erheblich.

Weitere Wetterkapriolen drohen

In großen Teilen Deutschlands drohen weiterhin Unwetter mit Starkregen und Hagel. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartet für diesen Mittwoch erneut teils heftige Gewitter. Im Nordosten Deutschlands bleibt es zunächst heiter und trocken. Wie auch in anderen Regionen, stöhnen hier viele Menschen unter der Hitze. Heute sollen die Höchstwerte bei 32 Grad liegen. Wegen der langsamen Verlagerung der Gewitter drohe neben drei Zentimeter dickem Hagel auch heftiger Starkregen von bis zu 40 Litern pro Quadratmeter innerhalb sehr kurzer Zeit, warnte der DWD.

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