Stark steigende Infektionszahlen

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Sperrstunde für die Gastronomie und strengere Kontaktbeschränkungen - mit weiteren Gegenmaßnahmen versucht die Stadt Offenbach, die weiter steigenden Corona-Fallzahlen in den Griff zu bekommen. Vor allem Reiserückkehrer bereiten der Stadt Kopfzerbrechen.

Nach dem weiteren Anstieg der Corona-Fallzahlen über die kritische Schwelle von 50 Infizierten pro 100 000 Einwohner führt Offenbach als erste hessische Stadt wieder strengere Kontaktbeschränkungen ein. Zudem gilt ab der Nacht von Samstag auf Sonntag jeweils ab 0.00 Uhr eine nächtliche Sperrstunde für Gaststätten und Bars, wie Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) am Freitag ankündigte. Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) zeigte sich besorgt über die Entwicklung in Offenbach wie auch im ganzen Bundesland. Noch am Freitag sollte der Krisenstab des Landes zusammentreten, um das Vorgehen zu beraten.

Die Neuinfektionen seien im Moment zu einem großen Teil auf Reiserückkehrer zurückzuführen, sagte Klose. Er appellierte an die Menschen, sich an die Hygiene- und Abstandsregeln zu halten, etwa Alltagsmasken zu tragen. "Es gibt keinerlei Platz für Fahrlässigkeit und Egoismus."

In Offenbach lag die sogenannte Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus binnen sieben Tagen pro 100 000 Einwohner am Freitag bei 52. Damit sei die vierte von fünf Warnstufen erreicht, hieß es von der Stadt. Rund 650 Menschen sind in der Stadt mittlerweile in Quarantäne.

Zur Eindämmung der Neuinfektionen werden nun in Offenbach bis 3. September Veranstaltungen unter freiem Himmel auf maximal 100 Personen beschränkt, in geschlossenen Räumen auf höchstens 50, wie Oberbürgermeister Schwenke sagte. Es sei aber kein "Shutdown" für Offenbach beschlossen werden, es gebe keinen Anlass für Panik. Offenbach habe nun aber einen Punkt erreicht, wo jeder nicht nötige Kontakt vermieden werden solle. Es gelte, rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen, damit das Gesundheitsamt in der Lage bleibe, "weiterhin alle Ausbrüche eindämmen zu können". Dabei wolle man die Schäden für Wirtschaft, Gastronomie, Kultur und Sport so gering wie möglich halten, sagte Schwenke.

231 neue Fälle

Zugleich kündigte der Offenbacher Ordnungsdezernent Peter Freier an, dass die Stadt Verstöße gegen die Quarantänepflicht konsequent ahnden werde. Diese gefährdeten "in besonderer Weise die Allgemeinheit und bedürfen deshalb einer klaren Antwort des Staates", erklärte Freier.

Wegen steigender Infektionszahlen hatte Offenbach bereits Einschränkungen erlassen. So wurde die Maskenpflicht ausgeweitet, unter anderem müssen Schüler auch während des Unterrichts eine sogenannte Alltagsmaske tragen. Zudem gilt seit Anfang August ein Grill- und Picknickverbot im öffentlichen Raum, um größere Menschenansammlungen zu vermeiden.

Hessenweit ist derweil die Zahl der nachweislich mit dem Coronavirus infizierten Menschen am Freitag binnen eines Tages so stark gestiegen wie seit Mitte April nicht mehr. Wie das hessische Sozialministerium mitteilte, kletterte die Zahl der Corona-Fälle im Vergleich zum Donnerstag um 231 auf insgesamt 14 260. Einen höheren Zuwachs hatte es nach Angaben des Ministeriums zuletzt am 17. April mit plus 233 gegeben, bereits am 15. August war die Zahl im Vergleich zum Vortag um 203 gestiegen.

Die Anzahl der Todesfälle, die mit der Erkrankung Covid-19 in Verbindung gebracht werden, blieb am Freitag seit Dienstag unverändert bei 528. Das Land bezieht sich bei der Gesamtzahl der Coronavirus-Fälle auf alle registrierte Infizierte seit 11. März.

Nach einer Hochzeitsfeier im Kreis Groß-Gerau ist die Zahl der Corona-Infizierten auf 30 gestiegen. "Die 160 Hochzeitsgäste sind ermittelt und in häuslicher Quarantäne", sagte der Gesundheitsdezernent Walter Astheimer. Besonders betroffen sei eine Familie des Hochzeitspaars.

Das Brautpaar hatte nach Angaben des Kreises am 7. und 14. August in Kelsterbach zweimal gefeiert - einmal mit 100, einmal mit 160 Gästen.

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