Stadtkern wird zur Tempo-40-Zone

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Von Anfang des neuen Jahres an wird im gesamten Frankfurter Stadtkern auf den Straßen Tempo 40 als Höchstgeschwindigkeit gelten. Damit will die Stadt die Luft sauberer machen und so Fahrverbote vermeiden. An einigen Stellen wird das Tempolimit noch niedriger sein.

Es ist der nächste Schritt in Sachen Luftreinhaltung - Frankfurt geht ihn nicht ganz freiwillig. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) hat Tempo 40 für alle Straßen innerhalb des Anlagenrings angeordnet. Damit soll die neue Höchstgeschwindigkeit überall in der inneren Stadt gelten.

Bis sich die Fahrer in Autos, Lastwagen, Bussen und auf Motorrädern daran halten müssen, dauert es allerdings noch ein wenig. "Die Verkehrszeichen sind bestellt", erklärt der Dezernent. Sie müssten aber auch noch aufgestellt werden. Erst wenn alle stehen, könne die Regelung in Kraft treten. "Das wird ungefähr zum Jahreswechsel sein", prognostiziert Oesterling.

Die neue Tempo-40-Zone wird von der Alten Oper und dem Eschenheimer Tor im Norden, der Taunusanlage im Westen, dem Main im Süden bis zur Friedberger Anlage und dem Friedberger Tor im Osten reichen. Sie ist identisch mit einer möglichen Fahrverbotszone für ältere Diesel- und Benzin-Fahrzeuge. Ob diese ebenfalls eingerichtet werden muss, ist noch nicht klar.

Verbote greifen nicht vor Mitte 2021

Womit sich zeigt: Freiwillig reduziert die Stadt das Tempo in der Innenstadt nicht. Sie folgt einer Lösung aus dem neuen Luftreinhalteplan des Landes. Denn in einigen Straßen auf dem City-Ring im Bankenviertel und in der Bleichstraße ebenso wie in der Battonnstraße werden die Schadstoff-Grenzwerte teils deutlich überschritten. Das europaweit vorgegebene Maximum von im Jahresdurchschnitt 41 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft wird unter anderem in den engen Hochhausschluchten überschritten.

Immerhin: Der Trend ist rückläufig. Denn in großem Stil rüsten Privatleute und Firmen ihre Autos wie auch das kommunale Stadtbusunternehmen ICB seine Busse auf die neusten, schadstoffärmsten Verbrenner um. Deshalb drohen Fahrverbote nur noch auf deutlich weniger Strecken als bislang befürchtet.

Dass die Stadt Frankfurt zumindest auf den betroffenen Strecken Fahrverbote zwecks Luftreinhaltung erlassen muss, hatte der Hessische Verwaltungsgerichtshof der Stadt vor elf Monaten aufgebrummt - nach einer Klage der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Damit war eine Fahrverbotszone innerhalb des Autobahnrings vom Tisch.

Ob wirklich Fahrverbote kommen, entscheidet sich erst im ersten Quartal 2021. Weil die Verkehrsmenge wegen Corona stark zurückgegangen war, liegen die Schadstoffwerte aktuell nach Angaben von Oesterling überall unter dem Grenzwert. Deshalb wird ab 2021 regelmäßig gemessen, ob sie wieder auf ein zu hohes Niveau ansteigen. Falls ja, folgen Fahrverbote - frühestens zur Mitte des nächsten Jahres.

Riederwald und Höchst gefährdet

Damit die Werte in jedem Fall nicht wieder so hoch steigen und damit auch um ein Verbot zu verhindern, setzt die Stadt nun prophylaktisch auf die Tempo-40-Zone. Genau diese Geschwindigkeit hatte Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) empfohlen. Denn bei Tempo 40 führen Autos niedertouriger als bei Tempo 30, daher mit geringerem Schadstoffausstoß, erklärte sie.

Warum aber gleich die ganze Zone im Stadtkern? Es gebe dort mehrere Abschnitte mit bisher zu hohen Messwerten, erläutert dazu Dezernent Oesterling. Diese alle einzeln mit Tempolimits zu beschildern mache es zu unübersichtlich, deshalb werde das gesamte Gebiet zu einer Zone zusammengefasst.

Fahrverbote drohen laut Hochrechnungen auf Basis der Schadstoffwerte von 2019 in der City außerdem auf der östlichen Mainzer Landstraße sowie in der Gutleutstraße. Außerhalb der City könnte es die Straße Im Erlenbruch im Riederwald sowie in Höchst und Unterliederbach unter anderem die Königsteiner und die Gotenstraße treffen.

Überall im Stadtkern Frankfurts wird Tempo 40 allerdings nicht eingeführt, betont Klaus Oesterling. "Wo bereits Tempo 30 gilt, bleibt das natürlich so."

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