Sporthalle Hüttenberg: Fragen, Kritik und deutliches "Ja"

Hüttenberg (agl). "Bedeutung für ganz Hüttenberg" (Bürgermeister Dr. Manfred Schmidt), "einer der wichtigsten Termine seit dem Aufstieg in die erste Liga", "existenzielle Folgen für den Verein" (Martin Volk, Marketing GmbH): Die Tragweite der Entscheidung wurde in der Sitzung der Gemeindevertreter in deutliche Worte gepackt.

Wie die Gießener Allgemeine in der Freitagsausgabe berichtete, hatte sich eine breite Mehrheit der Parlamentarier dafür ausgesprochen, dass die Gemeinde 105 000 Euro für bauliche Anpassungen beisteuern soll, um die Sporthalle im Ortsteil Hüttenberg erstligatauglich zu gestalten. Hallenboden, Anzeigetafel, Podium für Fernsehteams sind da einige Punkte, die bis September erledigt sein müssen. Dann beginnt die Erstligasaison der Handballmänner des TVH. Spiel eins lautet Hüttenberg gegen Kiel.

Der Abstimmung gingen die Vorlage des Gemeindevorstands eine Präsentation der Leistungen und Vorstellungen des TVH bzw. der Handball-Bundesliga, viele Fragen von Gemeindevertretern und eine Sitzungsunterbrechung voraus. Nicht beteiligen durfte sich Christdemokrat Lothar Weber; der Grund: Paragraf 25 der Hessischen Gemeindeordnung (HGO), Stichwort "Interessenskonflikt", denn Weber ist Manager des TV Hüttenberg.

Bürgermeister Dr. Schmidt (SPD) sagte, dass über die Gemeinde aufgrund des Handball-Erfolges "von Flensburg bis Oberammergau" gesprochen werde. "Wir gelten als jemand in Deutschland." Und man stehe im Fokus der Region. Der TVH sei ein "überaus positiver Werbeträger für die Gemeinde Hüttenberg", den Erfolg des Vereins bezeichnete Dr. Schmidt als "wesentlichen weichen Standortfaktor". Er empfahl, "die Weichen für den Erfolg" zu stellen. Die baulichen Maßnahmen seien irgendwann sowieso notwendig; so äußerte sich später auch Martin Volk mit dem Hinweis, dass auch in der zweiten Liga über kurz oder lang baulich nachgerüstet werden müsste. Denn auch in Liga zwei gebe es künftig Bewegtbild, weshalb ein reiner Handballboden sowie eine Fernsehtribüne geschaffen werden müssen.

"Wollen Region beweisen, dass wir weiter zuverlässiger Partner sind."

Der Hallenboden muss fernsehgerecht sein, folglich ausschließlich Handballfeld-Linien haben, die bisherige Anzeigetafel soll in Rechtenbach angebracht werden, und die Hüttenberger Sporthalle soll eine neue bekommen. Es sei wichtig, dass die Erstliga-Handballer in Hüttenberg spielen, sagte der Bürgermeister, denn: "Die Identifikation der Bürger mit der Handballmannschaft sehe ich als sehr stark an."

Dazu passte das Versprechen Volks, dass Verein und Marketing GmbH am "Hüttenberger Weg" festhalten möchten. Volk verwies dabei auf die "hervorragende Jugendarbeit", auf das Angebot im Breiten- und im Spitzensport, auf das "Alleinstellungsmerkmal", dass mehr als 70 Prozent der Spieler in der ersten Mannschaft aus dem heimischen Raum kommen, auf die starke Unterstützung durch die Fans, das "Riesenbekenntnis der heimischen Wirtschaft", auf das enorme ehrenamtliche Engagement vieler Menschen für den TVH und darauf, dass Verein und Marketing GmbH schuldenfrei sind. "Wir wollen der Region unter Beweis stellen, dass wir in Hüttenberg weiterhin ein zuverlässiger Partner sind", sagte Volk.

Zuverlässigkeit ist auch gegenüber der Handball-Bundesliga gefragt, denn bis zum kommenden Dienstag (19. Juli) muss der TVH melden, wo und zu welchen Uhrzeiten die Heimspiele stattfinden werden. Laut Volk müsste der TVH pro Heimspiel, bei dem noch kein fernsehgerechter Boden verlegt wäre, 5000 Euro Strafe bezahlen. Bei weiteren Mängeln würden zusätzliche Strafen drohen.

Volk warnte vor einer Entkoppelung von Spielstätte und Gemeinde, denn dies würde einen "großen Imageverlust" zur Folge haben. Zudem müsse sich der Verein auch gegenüber seinen Hauptsponsoren positionieren. So sei es vermutlich etwa einer Sparkasse Wetzlar schwer zu vermitteln, wenn Heimspiele in Gießen stattfänden, und umgekehrt dürfte es der Fall sein bei Heimspielen in Wetzlar, da schließlich ein Sponsor die Stadtwerke Gießen sind. Der Verein habe viele Partner, die auf Hüttenberg setzen.

In der Fragerunde erkundigte sich Josef Fischer (SPD), wie es angesichts der 700 Plätze aussieht, die - bei Verbleib in Liga eins - zur Saison 2012/2013 zusätzlich geschaffen werden müssten. Eine klare Antwort gab Volk dazu nicht: Man wisse noch nicht, in welcher Liga der TVH dann spielen werde, er könne sich aber vorstellen, dass die Handball-Bundesliga gesprächsbereit sein könnte, was die Hallenkapazität betreffe, denn schließlich sei der Verein seit Jahren wirtschaftlich gesund.

Bürgermeister: "Investitionen haushaltsrechtlich abgedeckt"

Dierk Rink von den Grünen erkundigte sich nach Mietkosten der Hallen in Wetzlar und Gießen. Volk verwies auf das Betriebsgeheimnis und konnte keine Zahlen nennen. Ein finanzieller Nachteil wäre beispielsweise, dass der Verein bei einem Umzug in die Rittal-Arena keine Einnahmen durch Bewirtung hätte.

Dr. Norbert Lang (Freie Wähler) fragte, ob sich der TVH über die Hallengebühren an den Kosten beteiligen könnte. "Wir sind gesprächsbereit bezüglich der Hallenmiete", lautete Volks Antwort. Dr. Lang sprach sich dafür aus, eine Gebührenanpassung zu besprechen und sich bezüglich Landeszuschüssen zu erkundigen. Erich Schmidt (FÖBH) wollte wissen, welche Auswirkungen es etwa auf den Schulsport hat, dass der neue Boden ausschließlich Handball-Linien haben wird. Es gebe Ausweichmöglichkeiten, sagte Bürgermeister Dr. Schmidt und verwies auf die große Hallenfläche pro Einwohner der Gemeinde.

Zur Anfrage von Dr. Lang, wie die Gemeinde die Ausgaben für die Sporthalle stemmen wolle, erläuterte der Bürgermeister, dass diese Investitionen vonseiten der Kommunalaufsicht haushaltsrechtlich abgedeckt seien. Nehme man die Abschreibungen von 15 000 bis 20 000 Euro pro Jahr, dann sei die Unterdeckung beim Hallenbad zehnmal so hoch. Die Gemeinde werde aber weiterhin am Haushaltssicherungskonzept festhalten, "auch wenn es weh tut". Erich Schmidt brachte die Idee eines Trägervereins für dir Sporthalle ins Gespräch, wozu sich Volk aber, mangels Datenbasis, noch nicht äußern mochte.

Dr. Dirk Frey (CDU) würdigte den Arbeitseinsatz von TVH-Mitgliedern bei öffentlichen Gebäuden und fragte, ob der Verein die Abwicklung der baulichen Veränderungen nicht schneller schaffen würde, als die Gemeinde. Dem entgegnete Dr. Schmidt, dass die Gemeinde den Bauantrag stellen müsse.

Heller (CDU): Umzug wäre "Tod des ehrenamtlichen Engagements"

Ein Plädoyer für die gemeindlichen Investitionen gab Christof Heller (CDU): Damit werde das ehrenamtliche Engagement im TVH gewürdigt, und die Ausgaben bekomme die Gemeinde schließlich in Form einer hervorragenden Jugendarbeit und attraktiven Handballs zurück. Heller schlug vor, die Obergrenze der gemeindlichen Ausgaben auf 120 000 Euro festzusetzen, um einen Puffer zu haben. Vor einem Umzug in eine andere Halle warnte der CDU-Mann: Dies wäre "der Tod für ehrenamtliches Engagement der Hüttenberger".

Kritische Worte äußerte Dierk Rink von den Grünen: Die Einladung zur Sitzung der Gemeindevertreter sei sehr spät rausgegangen. Und auch inhaltlich zeigte er sich nicht ganz einverstanden: "Nicht alles, was wünschenswert ist, ist auch sinnvoll und umsetzbar." Er gab zu bedenken, dass Einschnitte bei den Bürgern drohten, dass der Boden ausschließlich für Handball konzipiert sein wird und dass er es nicht einsehe, dass die Gemeinde eine Tribüne für Presse und Fernsehen bezahle.

Eine Alternative sah Rink in einer Anmietung einer Halle in Wetzlar oder Gießen. Demnach wären, so der Grünen-Politiker, keine Investitionen in die Hüttenberger Halle nötig; der Austausch der Beleuchtung sei zu stoppen, und die Gemeinde sollte pro Heimspiel in Gießen oder Wetzlar 3000 Euro zuschießen.

Wie berichtet, war die Mehrheit der Gemeindevertreter anderer Ansicht und stimmte für die finanzielle Beteiligung der Gemeinde in Höhe von 105 000 Euro. Über Gebührenanpassungen soll gesprochen und bezüglich eventueller Fördermittel nachgefragt werden, wie es im Beschluss heißt.

Kommentar zur Sporthalle Hüttenberg Hüttenberg: Mehrheit für Hallen-Investitionen

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