Fest für Kinder mit Downsyndrom

Sport und Modenschau

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Wenn Kinder aus Problem- familien genommen werden müssen, springen oftmals Pflegeeltern ein. Doch es fehlen Bereitwillige, die diese anspruchsvolle Rolle übernehmen wollen.

Frankfurt (dpa/lhe). Über 600 Kinder und Jugendliche mit Downsyndrom aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben sich am Samstag bei einem Sportlerfestival in Frankfurt getroffen. Sie traten in Wettkämpfen wie Weitsprung oder Sprint gegeneinander an. Außerdem präsentierten sie sich auf einer Modenschau mit Model-Agent Peyman Amin ("Germany’s Next Topmodel") und kickten mit den ehemaligen Nationalspielern Dieter Müller und Ronald Borchers.

Monate zuvor ausgebucht

Das Down-Sportlerfestival wurde zum 17. Mal veranstaltet und ist nach Angaben der Stadt Frankfurt das einzige seiner Art in Deutschland. Die Veranstaltung war ausgebucht, bereits Monate zuvor waren fast alle Plätze vergeben. Nach Angaben des Arbeitskreises Downsyndrom werden in Deutschland jedes Jahr 1200 Kinder mit Trisomie 21 geboren. Seit dem Jahr 2012 werden Schwangeren Bluttests angeboten, mit denen unter anderem untersucht wird, ob das Kind mit Downsyndrom auf die Welt käme. Beim Downsyndrom haben Menschen in jeder Zelle ein Chromosom mehr. Folgen sind körperliche Auffälligkeiten und eine verlangsamte motorische, geistige und sprachliche Entwicklung.

Konflikte, eine kranke Mutter oder Gewalterfahrung: Mehrere Tausend Kinder in Hessen können nicht bei ihren Eltern aufwachsen und leben für eine gewisse Zeit oder auf Dauer in Pflegefamilien. Der Bedarf an Ersatzvätern und -müttern sei im gesamten Bundesgebiet kontinuierlich gestiegen, berichtet das Sozialministerium in Wiesbaden. Die Jugendämter versuchen daher, für die Aufnahme von Kindern aus Problemfamilien zu werben.

"Pflegeeltern übernehmen eine sehr verantwortungsvolle Rolle, da sie Kindern eine Ersatz- oder Ergänzungsfamilie bieten, wenn die leiblichen Eltern vorübergehend oder dauerhaft nicht in der Lage sind, die Betreuung und Erziehung des Kindes wahrzunehmen", heißt es aus dem Ministerium. In Hessen lebten demnach zuletzt (Stand Ende 2017) rund 4400 Kinder und Jugendliche bei Pflegeeltern, im Jahr 2007 waren es knapp 3300. "In den vergangenen Jahren sind die Bedarfe wegen Kindeswohlgefährdungen generell gestiegen, so dass in der Folge mehr Kinder in Pflegefamilien untergebracht wurden", erläutert das Ministerium. Mit ihrem "familiären Setting" seien diese oft eine Alternative etwa zur Heimunterbringung. Die Ersatzeltern bekommen für ihren Einsatz ein Pflegegeld sowie einen Erziehungsbeitrag gezahlt.

"Es ist natürlich immer gut und besser für Kinder, in einer familienähnlichen Struktur aufzuwachsen", sagt die Bundesgeschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes, Cordula Lasner-Tietze. "Das hat etwas mit Bezugspersonen und Bindungen zu tun, aber auch mit Stigmatisierung." Wo ein Kind am besten unterkomme, könne man aber nicht pauschal sagen. "Es ist immer auch ganz wichtig, dass das Kind bei der Entscheidung, wo es leben soll, mit einbezogen wird. Und dafür muss man sich Zeit nehmen."

Jugendämter in Hessen werben unter anderem mit Flyern für die Aufnahme eines Pflegekindes und informieren über die Voraussetzungen und Anforderungen sowie die Formen der Begleitung und Beratung. Der Kreis Marburg-Biedenkopf etwa bietet Schulungen an. Wiesbaden hat unter anderem eine Broschüre aufgelegt mit "Informationen für Pflegeeltern und solche, die es werden wollen". In der Landeshauptstadt gibt es einen deutlichen Bedarf an Ersatzeltern für Kinder ab einem Alter von zwei bis sechs Jahren. Das sei eine Entwicklung der vergangenen Jahre, Tendenz steigend, sagt eine Sprecherin. Zwar hätten auch Babys teils einen schwierigen Hintergrund. Für diese Altersgruppe gebe es aber noch genügend Bewerber.

Geschichte vor der Pflegefamilie

Pflegeeltern entschieden sich aus den unterschiedlichsten Gründen dafür, ein fremdes Kind aufzunehmen, berichtet Carmen Thiele vom Bundesverband der Pflege- und Adoptivfamilien. "So gibt es Eltern, die Zeit und Lust haben, Eltern zu bleiben, obwohl die eigenen Kinder schon groß sind. Andere nehmen ein Pflegekind auf, weil sie genau diesem Kind etwas Gutes tun möchten." Oder es entschieden sich kinderlose Paare dafür.

Pflegeeltern sollten bereit sein, sich auf die "Bedürfnisse des Kindes mit ihrem Erziehungsverhalten einzustellen", meint Thiele. Und sie benötigten eine "hohe Frustrationsschwelle". Probleme ergeben sich demnach beispielsweise aus dem oft unerwarteten Verhalten ihrer Schützlinge.

Zu beachten sei auch: "Kinder, die in eine Pflegefamilie kommen, haben eine Geschichte und eine Familie vor der Pflegefamilie. Es ist für Pflegeeltern wichtig, dieses zu akzeptieren und zuzulassen. Dieser Teil der Lebensgeschichte des Kindes wird immer wichtig bleiben."

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