Spannung bis zum Finale

Wetzlar (kdw). Wenn nachts das Licht flackert und es auf dem Dachboden bedrohlich rumpelt - dann bedeutet das nichts Gutes und kann eine sensible Ehefrau schon mal zur Verzweiflung treiben. In dem viktorianischen Krimi "Gaslicht" von Patrick Hamilton passiert Schlimmes. In der flüssigen Inszenierung von Carmen Schütz zeigt das glänzend agierende Ensemble des Neuen Kellertheater, wie man eine solche Aufgabe meistert.

Wetzlar (kdw). Wenn nachts das Licht flackert und es auf dem Dachboden bedrohlich rumpelt - dann bedeutet das nichts Gutes und kann eine sensible Ehefrau schon mal zur Verzweiflung treiben. In dem viktorianischen Krimi "Gaslicht" von Patrick Hamilton passiert allerdings noch viel Schlimmeres. In der flüssigen Inszenierung von Carmen Schütz zeigt das glänzend agierende Ensemble des Neuen Kellertheater, wie man so eine Aufgabe meistert - bis zum für den Mörder bitteren Ende. Am Samstagabend war Premiere.

Nur ein paar Plätze sind noch frei, als sich der Vorhang hebt und den Blick auf ein schön verzopftes viktorianisches Wohnzimmer freigibt. Schon bei den ersten Worten des Ehemanns merkt man, dass etwas faul ist im Staate, denn die Art und Weise, wie Jack Manningham (unstet, bedrohlich und voller unguter Energie: Uwe Reuschel) seine Frau Paula anfährt und herumkommandierend (erst mal fertig mit den Nerven: Kerstin Freund) zeigt, dass sie in diesem Lebensbund den Kürzeren gezogen hat.

Und wie: sie verlege ständig Sachen, schimpft Jack, und hinterher wisse sie nicht mehr, wohin. Das sei Geistesschwäche, und schließlich habe ja schon ihre Mutter daran gelitten - damals war man mit dieser Diagnose schnell bei der Hand. Die Eheleute werden bedient von der jungen Nancy (knackig und frech: Anja Euler) und der erfahrenen Elisabeth (auch in der Nebenrolle ein Vergnügen: Viola Bielenberg).

Das Stück läuft recht allmählich an, was der Regie zahlreiche fein herausgearbeitete Details ermöglicht und die Stimmung gut vermittelt. Die kommt so gut rüber, dass man direkt Mitleid mit der von Ängsten, Selbstzweifeln und ihrem fiesen Ehemann geplagten Paula bekommt. Als auflösendes Element kommt ein Inspektor von Scotland Yard ins Spiel, der der armen Ehefrau den Glauben an sich selbst zurück gibt und die merkwürdigen nächtlichen Geräusche und das schaurig flackernde Gaslicht im Haus erklärt. Frank Dauer macht das tadellos, aber die Regie lässt ihn fast wie einen Roboter agieren, dessen Trostworte unglaubwürdig klingen. Nahezu perfektes Timing lässt die Inszenierung trotz zeitgemäßer Betulichkeit der Figuren rund laufen. Dadurch, dass der Autor die Aufklärung genüsslich verzögert, steigt die Spannung - auch mittels einiger Theatertricks - sehr schön an.

Es ist zwar an diesem Abend Carmen Richters erste Regie, aber offensichtlich konnte sie ihre lange Erfahrung als Darstellerin wirksam einbringen und praktisch alles ziemlich auf den Punkt bringen. Das Publikum spendet für diese respektable Debütleistung zu Recht anhaltenden kräftigen Applaus.

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