Die Kümmerer: Leif Morawski (l.), Mitarbeiter der Bahnhofsmission Frankfurt, misst in den Räumen der Einrichtung am Hauptbahnhof bei einem Neuankömmling das Fieber. FOTO: DPA
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Die Kümmerer: Leif Morawski (l.), Mitarbeiter der Bahnhofsmission Frankfurt, misst in den Räumen der Einrichtung am Hauptbahnhof bei einem Neuankömmling das Fieber. FOTO: DPA

Sorgenvoller Blick auf den Winter

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Halten sich viele Menschen auf engem Raum auf, verbreitet sich das Coronavirus schneller. Das zeigt der Ausbruch in einer Frankfurter Gemeinschaftsunterkunft. Der Winter stellt die Wohnungslosenhilfe in Hessen daher vor Herausforderungen.

Wer kommt, um sich aufzuwärmen, den kann man nicht in der Kälte sitzen lassen. Doch wegen der Corona-Pandemie muss auch in der Frankfurter Bahnhofsmission regelmäßig Luft herein. Dort hat man eine CO2-Ampel angeschafft: Wird die Luft schlecht, wird gelüftet. Die Einrichtung am Hauptbahnhof kümmert sich um Menschen, die in Not sind. Sie ist die größte dieser Art in Hessen. Auch viele Obdachlose kommen dorthin. 600 Besucher gab es laut Leiter Carsten Baumann während des Lockdowns pro Tag. Jetzt sind es 300 bis 350.

Die Pandemie hat die Arbeit der Helfer verändert: Die Zahl der Plätze im Inneren wurde halbiert, am Eingang wird Fieber gemessen. In der kalten Jahreszeit wird die Situation schwieriger, fürchtet Baumann. "Wir müssen sehen, wie wir durch den Winter kommen, das wird ein dickes Brett." Die Bahnhofsmission ist mit solchen Sorgen nicht allein. Die Wohnungslosenhilfe in ganz Hessen steht vor Herausforderungen. "In manchen Tagesaufenthalten ist es rappelvoll", sagt Stefan Gillich, Leiter des Arbeitskreises Armut, Migration und soziale Integration der Wohlfahrtspflege.

Enge wird angesichts von Corona zum Problem. Deshalb reagierten die Hilfseinrichtungen auf zwei Arten, erklärt Gillich: Sie beschränkten den Zugang. Die Folge: "Wir können dann nicht mehr gewährleisten, dass sich die Menschen so lange aufhalten können, wie sie wollen." Der andere Weg sei eine Erweiterung der Aufenthaltsmöglichkeiten, beispielsweise durch Pavillons. Im Sommer habe das funktioniert. "Im Winter wird es schwierig, wenn es saukalt ist." Und wo sollen Menschen ohne Wohnung dann schlafen? Wie verhindert man in Unterkünften eine Ausbreitung des Virus? Bisher stellt Gillich den Städten und Gemeinden in solchen Fragen gute Noten aus: Viele hätten wegen der Pandemie leer stehende Hotels und Pensionen angemietet, um Wohnungslose unterzubringen. Ob das so bleibt, bezweifelt er aber: Zu befürchten sei eine Kehrtwende und die vermehrte Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften. Was dann passieren kann, zeigte kürzlich eine Frankfurter Gemeinschaftsunterkunft mit 114 Infektionen.

Besondere Vorgaben für die Einrichtungen gibt es laut Sozialministerium nicht: "Es handelt sich um eine kommunale Aufgabe", sagt eine Sprecherin. Die Städte und Gemeinden handelten nach Bedarf. Es gelten die Corona-Bestimmungen.

Für Quarantäne bei Corona-Infektionen hält Frankfurt nach eigenen Angaben rund 270 Plätze in eigens angemieteten Hotels vor. Bei Bedarf und nach Anordnung des Gesundheitsamtes könnten Betroffene dort unterkommen. Insgesamt hat die Stadt knapp 3300 Menschen ohne Wohnung in Unterkünften untergebracht. Dort gelte eine Maskenpflicht, die Betreiber hätten Hygienekonzepte entwickeln und abstimmen müssen.

Fulda hat drei eigene Gebäude zur Unterbringung von Wohnungslosen mit einer Kapazität von bis zu 60 Personen sowie ein Übernachtungsheim als Notschlafstelle mit elf Schlafplätzen. 47 Menschen seien durch Einweisungen in Mietwohnungen untergebracht, sagt ein Stadtsprecher. Mit der Pandemie habe man zudem drei Wohneinheiten für Obdachlose eingerichtet, die in Quarantäne müssen.

In Gießen stehen laut der Stadt im Übernachtungsbereich der Awo 20 Plätze für Männer zur Verfügung. Die Hilfseinrichtung Oase stelle einen Notübernachtungsplatz für Frauen. Die Träger stimmten ihre Hygienepläne direkt mit dem Gesundheitsamt ab.

Darmstadt verfügt über acht Unterkünfte für Wohnungslose mit rund 200 Plätzen, darunter Einrichtungen für Frauen und Mütter mit Kindern, sowie eine Familienunterkunft. Die Belegung sei während der Pandemie auf 185 Plätze reduziert worden, erklärt ein Sprecher. Für den Winter werde es auch Notübernachtungsplätze geben.

Wiesbaden bringt zurzeit in 16 Notunterkünften mit 322 Plätzen wohnungslose Menschen unter. In besonderen Fällen erfolge dies auch in Hotels und Pensionen. "Darüber hinaus verfügt das Diakonische Werk in Wiesbaden über ein sogenanntes Biwak mit zwölf Schlafplätzen, das Frauenwohnheim in Wiesbaden verfügt über 45 Plätze und das Männerwohnheim über 230 Plätze", sagt eine Sprecherin. Zudem habe man drei möblierte Appartements mit 14 Plätzen zusätzlich angemietet. Außerdem stehe die Etage eines ehemaligen Hotels bei zusätzlichen Platzbedarf zur Verfügung. Um den notwendigen Abstand zu wahren, seien die Unterkünfte nur bis maximal 70 Prozent ausgelastet.

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