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Geschätzte 200 Rechtsextreme wollen am Samstag durch die Büdinger Altstadt ziehen – am Jahrestag von Hitlers Ernennung zum Reichskanzler. Das zieht mehrere Hundert Gegendemonstranten nach sich und ebenso viele Polizeibeamte. (Foto: dpa)

Sorge vor Eskalation bei Demos in Büdingen

Büdingen (dab/sax)"Wir machen das ja nur für Euch, für die normalen Bürger", sagt die Rechtsextreme Melanie Dittmer in einem Werbevideo für ihre Demonstration am Samstag in Büdingen. Die "normalen Bürger" legen darauf aber keinen Wert. Quer durch die Gesellschaft organisiert sich ein Bündnis gegen die Demo der Rechten. Friedlich soll der Protest sein. Manche haben dennoch Angst, dass die Lage außer Kontrolle gerät.

Die Mitglieder des Büdinger Gewerbevereins sehen dem Demo-Samstag mit Sorge entgegen. Sie raten den Kollegen auf einem Flugblatt, "alle Möglichkeiten zur Sicherung Ihrer Geschäfts zu ergreifen", etwa Holzplatten vor den Schaufenstern anzubringen. Bürgermeister Erich Spamer habe gebeten, dies den Gewerbetreibenden mitzuteilen. Das sei "unglücklich formuliert", sagt Spamer. Doch hat er tatsächlich mit einer "Eilmeldung", die er auf die Homepage der Stadt stellte, nicht gerade zur Beruhigung der Bürger beigetragen. Darin heißt es: "Es liegt (...) in der Hand jedes Einzelnen, sein Hab und Gut gegen Übergriffe zu schützen."

Die Polizei macht einen entspannteren Eindruck. Die Demonstration der Rechtsextremen Dittmer ist mit 200 Teilnehmern angemeldet, "das scheint realistisch", sagt Polizeisprecherin Sylvia Frech. Zu der angemeldeten Gegendemonstration würden mehrere Hundert Menschen erwartet. Die Polizei rechne damit, dass diese friedlich ablaufen werde. Es sei aber nicht auszuschließen, dass einzelne gewaltbereite Personen oder auch kleine Gruppen sich darunter mischen und versuchen würden, die Versammlungen zu stören oder zum Erliegen zu bringen.

"Aber dafür sind wir ja mit mehreren Hundert Polizeibeamten im Dienst", sagt Frech.

Zwei Aufgaben hätten ihre Kollegen am Samstag: Die beiden angemeldeten Veranstaltungen zu schützen, ebenso wie die Bürger und deren Eigentum. "Wir sind da und werden aufpassen, dass nichts passiert." Dennoch habe sie Verständnis, wenn einige Bürger Angst hätten, "aufgrund dessen, was in den sozialen Medien verbreitet und geschürt wird". Aus diesem Grund hat die Polizei ein Bürgertelefon eingerichtet, das heute ab 10 Uhr unter 0 60 42/9 64 82 22 besetzt ist.

Manfred Scheid-Varisco – er hat die Gegenkundgebung angemeldet – erklärt, statt eines Demonstrationszugs habe das Bündnis "Gesicht zeigen – Büdingen ist weltoffen" eine ortsfeste Kundgebung mit Musik und Reden von Bürgern, Politikern und Kirchenvertretern organisiert. So sollen Eskalationen vermieden werden. Die Kundgebung von 15.30 bis 19 Uhr am Großendorf-Parkplatz gegenüber des Modehauses Müller-Ditschler sei auch für Familien sicher. "Wer zu uns kommt, braucht keine Angst zu haben."

Unter anderem haben sich die IG Metall, der DGB Süd- und Mittelhessen sowie die Niddaer und Butzbacher Bündnisse für Demokratie angemeldet. Alle demokratischen Büdinger Parteien und die Kirchen haben zur Teilnahme am Protest gegen Rechtsextremismus aufgerufen, ebenso der Landrat.

Andreas Balser von der Antifaschistischen Bildungsinitiative in Friedberg erklärt, einige Demonstranten wollten sich den Rechtsextremen aktiv entgegenstellen. Mit Blockaden, sitzend, stehend oder liegend, wollten sie den Zug verhindern – der womöglich von Fackeln begleitet wird, analog zum 30. Januar 1933, als Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde. Doch auch Balser betont, jegliche Gewalt müsse ausgeschlossen werden.

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