Mit sich selbst beschäftigt

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Nun also sucht auch die CDU einen neuen Vorsitzenden. Jürgen Klinsmann hätte Zeit, ist aber zu unstet. Sabine ist ebenfalls zu unberechenbar und zudem zu stürmisch, und zudem eine Frau. Nach Merkel und Kramp-Karrenbauer reicht das jetzt auch langsam mal. Ein ganzer Kerl muss nun endlich wieder her. Der aufregend unverbrauchte Nachwuchs-Star Friedrich Merz bringt sich ein weiteres Mal in Stellung, vielleicht kappt es dieses Mal. Falls nein, er hat ja noch Zeit und die Zukunft vor sich.

Einen Fehler, hört man aus der CDU - und in diesem Punkt ist man sich in aller Uneinigkeit einig - wolle man bei der Suche auf keinen Fall machen: man dürfe sich nicht zu sehr mit sich selbst beschäftigen. Erneuern ja, erneuern ist immer super, aber keinesfalls bitte sich zu lange und zu sehr mit sich selbst beschäftigen. Dies scheint in der Politik das Allerschlimmste zu sein.

Auch die SPD wird hier ja gerne als abschreckendes Beispiel angeführt. Die "Menschen da draußen im Lande wollen Lösungen für ihre Probleme und nicht, dass wir uns mit uns selbst beschäftigen", heißt es da in einem fort. Wenn man diesen Satz täglich in den Will-Maischberger-Plasberg-Illner-Talkshows in die Runde trötet, hat man den Applaus sicher und beste Chancen, CDU-Vorsitzender zu werden. Als sei es ein Widerspruch, sich mit sich und der eigenen Partei aufrichtig zu beschäftigen und trotzdem seinen Job zu machen.

Man kann ja über die Groko denken was man will, aber dass sie ihre Arbeit nicht mache, kann man trotz der vielen Personaldauerkrisen wirklich nicht behaupten. Ich finde, eine Partei, die noch immer nicht wenige Chancen hat, auch die nächste Regierung anzuführen, sollte sich sehr wohl mit sich selbst beschäftigen. Vielleicht sogar mehr denn je. Und ehrlicher denn je. Zu reflektieren und klarzukriegen, wer man ist, was man will, was man nicht will, wohin man will, wohin man nicht will, welche Grundsätze und Ziele man für sich definiert, hat noch niemanden geschadet. Weder einer Einzelperson, noch einer Firma und erst recht keiner Partei. Ich jedenfalls, der ich auch einer dieser "Menschen da draußen im Lande" bin, würde mir diese Selbstbeschäftigung wünschen. Ich bitte sogar darum. Selbstbeschäftigung ist ja schließlich kein egoistischer Selbstzweck, sondern nutzt am Ende allen. Auch den anderen. Meistens wenigstens. Dann, wenn man sich Mühe dabei gibt und es gut macht. Und das kann man lernen.

Ich sollte mich auch mal wieder mehr mit mir selbst beschäftigen. Vielleicht komme ich dann zu der Erkenntnis, dass ich besser nicht mehr so klugscheißerische Kolumnen schreiben sollte. Wer weiß…

Dietrich Faber ist Kabarettist, Musiker und Autor. Vor Kurzem erschien der sechste Band seiner Krimikomödienreihe unter dem Titel "Sorge dich nicht, stirb! - Kommissar Bröhmann optimiert sich." Derzeit ist er mit der gleichnamigen Buch-Show auf Tour. Termine und Infos: www.dietrichfaber.de

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