Segen und Risikofaktor

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Frankfurt/Kassel- Begegnungen zwischen Plexiglasscheiben, Gespräche durchs Fenster oder eine Runde im Park: Auch wenn die kürzlich gelockerten Besuchsregeln in hessischen Pflegeheimen aus Sicht der Heimbewohner ein Segen sind, bedeuten sie auch mehr Risiko und mehr Aufwand, wie der Paritätische und die Liga der Freien Wohlfahrtspflege übereinstimmend berichten. Sie formulieren klare Forderungen an das Land.

Viele Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 waren Bewohner von Pflegeeinrichtungen. Weil sie besonders geschützt werden müssen, wurde in der Hochphase der Corona-Pandemie der Besuch massiv eingeschränkt. Am vergangenen Montag wurden einige Bestimmungen gelockert: Bewohner dürfen nun wieder bis zu dreimal pro Woche Besuch bekommen. Zuvor war nur eine Stunde Besuch pro Woche möglich.

Schon in der ersten Woche seien etwa doppelt so viele Besucher gekommen, sagt Michael Schmidt, Vorsitzender des Arbeitskreises Gesundheit, Pflege, Senioren in der Liga der Freien Wohlfahrtspflege. Er ist bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Nordhessen für 30 Heime mit 2200 Bewohnern zuständig. "Wir gehen davon aus, dass das in den nächsten Wochen so weitergeht."

"Für die Einrichtungen bedeutet das eine massive Mehrbelastung der Mitarbeiter", sagt Walter Berle, Sprecher der Altenhilfeeinrichtungen des Paritätischen in Hessen. Die Angehörigen müssen vorab einen Termin vereinbaren, werden beim Betreten des Hauses zu ihrem Gesundheitszustand befragt, bekommen Verhaltensregeln erklärt, müssen ihre Daten hinterlassen und Mund-Nasen-Schutz anlegen. "Pro Besucher ist das rund eine halbe Stunde Aufwand", sagt Berle. "Das entzieht Personal der Pflege."

Auch wenn mehr Besuche möglich sind, sind die Kontakte stark eingeschränkt. Bewohner von Mehrbettzimmern empfangen ihre Gäste in Gemeinschaftsräumen zwischen Plexiglasscheiben. Sie sprechen mit Angehörigen, die draußen stehen, durch das geöffnete Fenster. Wer mobil ist, darf mit Abstand gemeinsam durch den Garten oder ums Haus laufen. Berührungen sind weiterhin nicht erlaubt.

Sowohl der Paritätische als auch die Liga fordern mehr Corona-Tests in Altenheimen. "Es wird viel zu wenig getestet", sagt AWO-Nordhessen-Chef Schmidt. dpa

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