Schweres Unwetter über dem Landkreis Gießen

Gießen (agl/bf). Umgeknickte Bäume, begrabene Autos, abgedeckte Dächer, ein brennender Dachstuhl, Wasser in Kellern – aber, glücklicherweise, keine Verletzten. Innerhalb kürzester Zeit hat ein heftiges Gewitter am späten Mittwochnachmittag eine Schneise der Verwüstung in den Süden und Osten des Landkreises geschlagen.

Schwerpunkte waren Cleeberg, Holzheim und Lich, wie Kreisbrandinspektor Mario Binsch um 21 Uhr mitteilte. Zu diesem Zeitpunkt waren 250 Einsatzstellen abgearbeitet. Betroffen waren auch Reiskirchen, Laubach und Hungen. Die Feuerwehren hatten alle Hände voll zu tun, THW und Rotes Kreuz halfen. Was den Einsatz der Geräte angeht, so war besonders viel in Holzheim zentriert: Hubarbeitsbühne aus Laubach, Teleskopgelenkmast aus Wetzlar, Drehleiter aus Buseck und der Einsatzleitwagen 2 des Landkreises. Auch THW Gießen und die Schnelle Einsatzgruppe des DRK waren vor Ort.

Besonders in der Dorfmitte von Holzheim in der Straße "Beune" beschädigte der Sturm etliche Dächer. Anwohner berichteten von kirschgroßen Hagelkörnern. In einem Haus in der Richard-Wagner-Straße in Watzenborn-Steinberg schlug der Blitz ein. Äußerliche Schäden waren dort allerdings kaum auszumachen. Blitzeinschlag auch in Hausen: Dort gab es Rauchentwicklung in einem Wohnhaus. Hagelkörner mit einem Durchmesser von bis zu zwei Zentimetern wurden aus Lich vermeldet. Nach dem Höhepunkt des Unwetters schauten sich Bewohner die Spuren an, die es hinterlassen hat: Schäden am Balkon, abgeplatzter Häuserputz, von Bäumen bedeckte Autos.

Heftig hat es insbesondere auch die Altstadt getroffen, Keller mussten leergepumpt und Geschäfte aufgeräumt werden. Insassen eines Autos kamen auf der Straße zum Waldschwimmbad mit dem Schrecken davon, als ein Baum auf den Wagen stürzte. Wegen umgestürzter Bäume musste die Friedhofstraße zum Schwimmbad gesperrt werden, ebenso die Straße an der Schlossmauer. In weiten Teilen Lichs waren die Straßen mit dicken Astwerk übersät. Auch die B 457 war in Höhe Lich von dem Unwetter betroffen – die Folge: Nur einspurig konnte die Straße genutzt werden. In Birklar wurde das Dach einer Maschinenhalle abgetragen.

Im Raum Grünberg gab es mehrere umgestürzte Bäume, unter anderem an der Sportschule und am Ziegelberg, sowie vier überflutete Keller in der Kernstadt. Zudem stand das Wasser auf der B 49 am tiefsten Punkt der Straße im Bereich der Grünberger Höfetränke. Ein Augenzeuge berichtete: "Im Nachbarsgarten knickte eine neun Meter hohe Fichte um, und unser Gartentisch flog mehrere Meter durch die Luft. Der Hagel hämmerte fast bedrohlich gegen die Scheiben.

" Jonas Piontek, ebenfalls aus Grünberg, berichtete: Windgeschwindigkeit 120 km/h, bis zu sieben Zentimeter dicke Hagelkörner. "Es hat richtig geballert." Der Unwetterexperte erklärte das Phänomen HP-Superzelle, das er am Mittwoch beobachtet hat: Gewitter mit rotierendem Aufwind, eine seltene Variante, die als schwerstes Gewitter gilt. Auf der Queckbörner Höhe hat Piontek miterlebt, wie der Wind ein Auto anhob.

Zwischen Langgöns und Butzbach war die Bahnstrecke gesperrt, weil Bäume auf die Oberleitung gefallen waren. Auch der Zugverkehr zwischen Pfahlgraben und Lich war eingestellt worden. Zu den Straßensperrungen zählte die der B 3 zwischen Butzbach und Langgöns. Weitere Folgen des Unwetters: Sitzungen politischer Gremien fielen in Lich und Langgöns aus, ebenso ein Vortrag in Lich. Mehrere Fußballspiele wurden abgesagt so beispielsweise in Cleeberg und in Holzheim. Um Mitternacht lautete eine Bilanz aus der Feuerwehrleitstelle: Rund 500 Kräfte waren im Einsatz.

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