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Ein schweres Jahr für Hessen

  • vonDPA
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2020 wird als Krisenjahr in Erinnerung bleiben, nicht nur in Hessen. Doch das Bundesland wurde auch noch von einigen schrecklichen Ereignissen getroffen, die noch lange nachwirken werden.

Hessen hat ein Jahr hinter sich, das in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg seinesgleichen sucht. "Historisch", "Epochenjahr", solche Begriffe sind sicher nicht zu hoch gegriffen für das Jahr 2020. Viele Ereignisse werden in die Landesgeschichte eingehen, und das liegt nicht nur an der Corona-Krise, die einen Schatten auf alles wirft. Nur selten hat ein Satz, der schon im April ausgesprochen wurde, am Jahresende noch Gültigkeit: "Ich glaube, so kann man das Jahr zusammenfassen: Es ist einmalig in unserer Nachkriegsgeschichte und stellt ganz besondere Herausforderungen", sagte damals Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). Hier ein kurzer Rückblick auf die großen Krisen des Jahres:

Hanau- Hessen hat sich noch nicht ganz vom Schock über den rechtsextremen Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke erholt, als neue, in dem Bundesland bislang nicht gekannte Gewalt für Entsetzen sorgt. Ein Attentäter fährt Mitte Februar abends durch Hanau, sucht gezielt nach Menschen mit ausländischen Wurzeln, um dann auf sie zu schießen. Er zieht eine Blutspur durch Hanau, in und vor Lokalen und einem Kiosk sterben neun Menschen.

Die Polizei findet den Attentäter später tot in der Wohnung seiner Eltern in der Nähe des letzten Tatortes, auch seine eigene Mutter hat er nach den bisherigen Erkenntnissen getötet. Was sich genau in den wenigen Minuten des rassistisch motivierten Anschlags abspielte, ist auch Monate später noch nicht klar. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen. Die Stadt Hanau und die Menschen dort werden noch lange mit den Geschehnissen vom 19. Februar zu kämpfen haben. Die Initiative 19. Februar kämpft darum, dass die Opfer nicht vergessen werden und die Trauer ihren angemessenen Platz findet.

Volkmarsen- Das Entsetzen über Hanau hält noch an, als Ende Februar beinahe wieder Menschen bei einer Gewalttat in Hessen sterben. Ein Autofahrer lenkt beim Rosenmontagszug in Volkmarsen mutmaßlich absichtlich seinen Wagen in die Menschenmenge. Es grenzt an ein Wunder, dass niemand stirbt. Rund 150 Verletzte werden gezählt, das Motiv des in Untersuchungshaft sitzenden Mannes ist bis zum Jahresende unklar.

Corona- Die Corona-Krise breitet sich im Frühjahr mit voller Macht auch in Hessen und im übrigen Deutschland aus. Das Virus sorgt für nicht gekannte Einschränkungen der Freiheitsrechte. Kein Krieg, eine vom Coronavirus ausgelöste Krankheit namens Covid-19, ist ursächlich dafür, dass untere anderem zahlreiche Geschäfte, die Schulen und Betriebe sowie Kultur- und Freizeiteinrichtungen wochenlang schließen müssen. Die Landesregierung beschränkte die zwischenmenschlichen Kontakte im öffentlichen Raum. Später folgt die Maskenpflicht.

Hilfspakete werden das ganze Jahr über geschnürt, neue Maßnahmen vorbereitet umgesetzt. Oberstes Ziel der Regierung ist es, eine zu rasche Ausbreitung der Pandemie zu verhindern und mit Covid-19-Patienten überfüllte Krankenhäuser zu verhindern. Dass Corona noch lange nicht besiegt ist, müssen die Hessen nach einem etwas entspannteren Sommer im Herbst bitter lernen. Ein zweiter, nicht ganz so umfassender Lockdown folgt ab Anfang November, als die Infektionszahlen wieder in die Höhe schießen. Schließlich kommt es zum harten Lockdown kurz vor Weihnachten.

Tod des Finanzministers- Die Regierung hat im März gerade erst auf Krisenmodus umgeschaltet, als sie selbst schmerzlich getroffen wird. Der CDU-Politiker und Finanzminister Thomas Schäfer, der wegen seiner Statur, aber auch wegen seiner Erfahrung und Kompetenz mit einem Fels in der Brandung verglichen wurde, wird Ende März tot an einer Bahnstrecke gefunden. Er hat sich das Leben genommen. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), für dessen Nachfolge Schäfer als Kandidat gehandelt wurde, spricht sichtlich erschüttert von großen Sorgen, die sich Schäfer wegen der Corona-Krise gemacht hat. "Ich muss davon ausgehen, dass ihn diese Sorgen erdrückt haben. Er fand offensichtlich keinen Ausweg mehr. Er war verzweifelt und ging von uns." Sätze, die nachhallen.

Ausblick- Ohne Zweifel: Das Jahr 2020 wird einen besonderen Platz in den hessischen Geschichtsbüchern einnehmen. Es bleibt die Hoffnung, dass 2021 vielleicht als das Jahr in die Geschichte eingehen wird, in dem die Krisen überwunden wurden. Auch das wäre dann historisch.

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