Schwarzes Gold aus dem Ried

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Die Ölförderung im hessischen Ried war in den 1990er Jahren eigentlich zu Ende. Jetzt wird wieder dauerhaft qualitativ hochwertiges Öl aus der Tiefebene gepumpt – dank neuer Technik, mit der kilometertief in die Erde geschaut werden kann.

Ein schmales grünes Gestänge ragt nahe der Landstraße bei Riedstadt sechs Meter in die Höhe. Die Kolbentiefpumpe befördert Öl aus etwa 1500 Metern Tiefe durch ein rund neun Zentimeter dickes Rohr in eine Separationsanlage. Von dort wird es mit Tankwagen in die Raffinerie nach Karlsruhe gefahren. "Schwarzbach I" ist das einzige Bohrfeld in Hessen, auf dem produziert wird. Rhein Petroleum hat seit Jahresbeginn eine Fördergenehmigung in Südhessen – für 27 Jahre. Etwa 66 000 Liter Reinöl werden derzeit jede Woche abtransportiert. "Das ist erst der Anfang", sagt Geschäftsführer Carsten Reinhold. 2019 könnte eine zweite Bohrstelle auf "Schwarzbach I" folgen.

Menschen sind auf dem etwa ein Fußballfeld großen Gelände nicht zu sehen. "Die Anlage steuert sich selbst", erläutert Reinhold. "Sie wird rund um die Uhr am Computer überwacht und schaltet sich automatisch aus, wenn was ist."

Die meisten Riedstädter sehen die Ölproduktion auf dem Ackerland gelassen. Die Erdölförderung im Ried habe eine lange Geschichte, berichtet Stadtsprecher Rainer Fröhlich. Er könne sich noch gut an sogenannte Pferdekopfbohrer erinnern, die ausgesehen hätten wie in Texas. Zudem habe das Bergamt die aktuelle Förderung vor der Zulassung genau geprüft, und Rhein Petroleum informiere die Anwohner ausführlich. "Riedstadt wird dadurch aber nicht zu Dallas", scherzt Fröhlich. Die Gewerbesteuereinnahmen seien minimal.

Durch 3-D an das Öl

Zwei Tanklastwagen fahren durchschnittlich pro Woche auf der kleinen Förderanlage vor und transportieren jeweils rund 33 Kubikmeter Reinöl zur Weiterverarbeitung in die Raffinerie MIRO in Karlsruhe. Von dort kann das Öl unter anderem auch an den Chemiekonzern BASF gelangen. "Es ist sehr, sehr gutes Öl, vergleichbar mit dem wertvollsten, dem Brent-Öl aus der Nordsee", sagt Reinhold. Daher sei es in der Kosmetik- und Arzneimittelindustrie oder für die Möbelherstellung gefragt.

Der Gasanteil in dem Rohöl im Ried ist so gering, dass er gerade zum Heizen der videoüberwachten Separationsanlage reicht. "Schwarzbach I" ist zwar die einzige Erdölförderung in Hessen, aber eine von vier im Oberrheintal. Das erste Öl aus dem Ried sei 1952 mit Tankwagen über die Eisenbahn transportiert worden. Das letzte Bohrung sei 1994 im Erdölfeld Stockstadt verfüllt worden. Dass die Ölförderung in der Region wiederbelebt wurde, sei neuer Technik zu verdanken.

Die Vorkommen seien mit alten Seismikuntersuchungen nicht entdeckt worden, sagt Reinhold. "Die 3-D-Technik gibt es erst richtig seit Mitte der 1980er Jahre." Damit könnten die Fachleute vier bis sechs Kilometer in die Tiefe der hessischen Tiefebene schauen – um dem schwarzen Gold auf die Spur zu kommen. (Foto: dpa)

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