Schutz vor sexualisierter Gewalt

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Kassel/Marburg (dpa/lhe). Hessische Forscher plädieren für ein Umdenken bei der Bekämpfung sexualisierter Gewalt unter Jugendlichen. Schüler sollten etwa an der Entwicklung von Präventionsangeboten beteiligt werden. "Das ist nichts, was man nur am Schreibtisch entwickeln kann", sagte Sabine Maschke, Erziehungswissenschaftlerin der Philipps-Universität Marburg. Heute treffen sich Fachleute zu einem Kongress in Kassel, um über einen besseren Schutz von Jugendlichen vor sexuellen Gewalttaten zu diskutieren.

Kassel/Marburg (dpa/lhe). Hessische Forscher plädieren für ein Umdenken bei der Bekämpfung sexualisierter Gewalt unter Jugendlichen. Schüler sollten etwa an der Entwicklung von Präventionsangeboten beteiligt werden. "Das ist nichts, was man nur am Schreibtisch entwickeln kann", sagte Sabine Maschke, Erziehungswissenschaftlerin der Philipps-Universität Marburg. Heute treffen sich Fachleute zu einem Kongress in Kassel, um über einen besseren Schutz von Jugendlichen vor sexuellen Gewalttaten zu diskutieren.

2012 hatte Hessen einen entsprechenden Aktionsplan beschlossen. Er war eine Reaktion auf die Missbrauchsfälle an der Odenwaldschule. Als Teil dieses Plans wurde die "Speak!"-Studie in Auftrag gegeben. Darin belegten Forscher der Universitäten Marburg und Gießen, dass sexualisierte Gewalt in verbaler und körperlicher Form an Schulen verbreitet ist. Außerdem kamen sie zu dem Ergebnis, dass die Täter solcher Übergriffe in vielen Fällen Jugendliche im ähnlichen Alter sind.

"Die Lebenswelt Jugendlicher ist durchzogen von sexueller Gewalt", sagte Maschke. Die Professorin hat die Studie gemeinsam mit Ludwig Stecher von der Universität Gießen verfasst. Die Mehrheit der Jugendlichen habe Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt gemacht, meist in verbaler Form. Unter anderem beschrieben die Forscher eine "sexualisierte Beschimpfungskultur" unter den Schülern. Zwei Drittel der Befragten hätten sexualisierte Gewalt mindestens einmal beobachtet.

Diese Erkenntnisse stellen herkömmliche Präventionsangebote infrage: "Mit einem fertigen Programm zu kommen, reicht nicht aus", sagt Maschke. Die Forscher wollen daher mit dem Land im Herbst das Programm "SEPP" an den Start bringen. Das steht für "Sensibilisierende Prävention durch Partizipation". Dabei sollen Jugendliche an mehreren Schulen gemeinsam mit schulischen Akteuren und Studenten Programme erarbeiten, um sexualisierte Gewalt zu erkennen, zu verhindern oder darauf zu reagieren. Die Ergebnisse werde man dann wissenschaftlich auswerten.

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