Etwa 20 Milliarden Euro sollen in den nächsten Jahren in das Schienennetz in Hessen investiert werden. FOTO: DPA
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Etwa 20 Milliarden Euro sollen in den nächsten Jahren in das Schienennetz in Hessen investiert werden. FOTO: DPA

Schienennetz wächst weiter

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"Marode und störanfällig" findet der Fahrgastverband Pro Bahn die Bahninfrastruktur in Hessen. Zahl-reiche Bauvorhaben sollen Abhilfe schaffen, erklären Bahn und Landesregierung. Die Kritiker stellen sie damit nicht zufrieden.

Fahrgäste der Deutschen Bahn müssen sich auf viele Baustellen einstellen. In den kommenden Jahren sollen rund 20 Milliarden Euro in das Schienennetz in Hessen investiert werden, sagte Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) am Donnerstag in Wiesbaden. Dies sei eine Rekordinvestition, die ins Rhein-Main-Gebiet und in ländliche Gebiete fließen solle. Enthalten sind neben dem geplanten Fernbahntunnel zum Frankfurter Hauptbahnhof unter anderem mehrere kleinere Strecken, die ausgebaut oder reaktiviert werden, sowie Bahnhöfe, die modernisiert werden sollen. Auch ins bestehende Netz werde investiert, um die Zahl von Störungen durch defekte Weichen oder Stellwerksprobleme zu senken, erklärte die Bahn.

Wachstum:Allein der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) rechnet bis zum Jahr 2030 mit einem Anstieg der Fahrgastzahlen um mindestens 30 Prozent. Vor allem werde dies im Rhein-Main-Gebiet sowie auf den Pendlerstrecken von und in die nähere Umgebung der Fall sein. Mithilfe der Bauprojekte könne auch 30 Prozent mehr Angebot geschaffen werden, sagte RMV-Geschäftsführer Knut Ringat. "Die nächsten zehn Jahre werden nicht nur schön werden, aber danach wird es gut", sagte Ringat in Wiesbaden angesichts der Vorhaben. Der RMV setze unter anderem auf mehr Buslinien, um die steigende Nachfrage in der Zwischenzeit zu bewältigen.

Projekte:Bei einigen der größeren Vorhaben stehen konkrete Schritte bevor. Dazugehört die nordmainische S-Bahn von Hanau über Maintal zum Frankfurter Osten, zu der in den nächsten Monaten der erste Spatenstich angesetzt ist. An der Strecke Hanau-Gelnhausen - eine der am meisten befahrenen in ganz Deutschland - beginnen in diesem Jahr die Vorarbeiten für die Erweiterung auf vier Gleise. Für die Anbindung des dritten Terminals am Frankfurter Flughafen an das Schienennetz soll in den nächsten Tagen die Vorplanung beginnen. Bis zum geplanten Eröffnungstermin des Terminals im Jahr 2023 werden die Gleise aber wohl nicht fertig werden, sagte Minister Al-Wazir.

Ausblick:Ein weiteres Großprojekt ist die sogenannte Wallauer Spange, ein neues, vier Kilometer langes Schienenstück zur besseren Anbindung Wiesbadens an den Flughafen. Hier soll die Planung weiter vorangetrieben werden, damit kommendes Jahr das Planfeststellungsverfahren beginnen könne, sagte Gerd- Dietrich Bolte von der DB Netz AG. Nächstes Jahr ist ein erster Spatenstich für eine neue Eisenbahnbrücke über den Main in Frankfurt geplant. In zeitlich weiterer Ferne liegt dagegen der Fernbahntunnel aus dem Frankfurter Osten zum Hauptbahnhof, der mit bisher geplanten 3,5 Milliarden Euro angesetzt ist. Eine Machbarkeitsstudie soll dazu genauere Aussagen treffen, Ergebnisse werden Anfang kommenden Jahres erwartet.

Finanzierung:Den Großteil übernimmt der Bund. 80 Prozent stammten ohnehin aus dem Bundeshaushalt, die übrigen 20 Prozent aus einer Mischfinanzierung, an der ebenfalls der Bund sowie das Land und die Kommunen beteiligt sind. Von den 20 Milliarden gebe Hessen so unter dem Strich rund 1,2 Milliarden Euro, sagte Al-Wazir. Im Jahr 2020 gehe mit mehr als einer Milliarde Euro ebenso viel Geld in die Straßen wie in die Schienen im Land. 900 Millionen davon kämen vom Bund, etwa 110 Millionen aus dem Landeshaushalt.

Kritik:Der Fahrgastverband Pro Bahn erklärte, bei den vorgestellten Projekten handele es sich in weiten Teilen um Maßnahmen, die schon lange geplant und aufgeschoben worden seien. Der große Wurf bleibe weiter aus. "Im Alltagsbetrieb erweist sich die Schiene in Hessen in weiten Teilen als marode und störanfällig", erklärte der Landesverband. Wolle man wirklich ein gutes, zukunftsweisendes und störungsfreies Eisenbahnnetz in Hessen, müssten die Mittel deutlich aufgestockt werden. Die SPD im Landtag forderte, Minister Al-Wazir sei nun in der Verpflichtung, zu handeln. Die FDP im Landtag forderte, alle Verkehrsträger müssten so ausgebaut werden, dass die Menschen eine echte Wahl hätten.

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