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Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hatte am Mittwochabend das IAA-Aus für Frankfurt mitgeteilt. Hoteliers und Gastronomie reagieren geschockt. FOTO: DPA

Scherbenhaufen am Main

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Nach dem Aus für die prestigeträchtige Automesse in Frankfurt bleiben viele Verlierer zurück. Mit der IAA dürften auch Millionen an Umsätzen in der Gastronomie verschwinden. Derweil wächst die Kritik an Oberbürgermeister Feldmann.

Harter Schlag für Hotels, Gaststätten und die Frankfurter Messe: Mit dem überraschenden Aus für die IAA am Main verliert die Stadt Frankfurt eines ihrer wichtigsten Aushängeschilder - und büßt Reputation, Tradition und Wirtschaftskraft ein. Denn Hunderttausende Besucher werden der Mainmetropole künftig fehlen. "Diese Entscheidung ist ein schwarzer Tag in der Messe-Historie Frankfurts", erklärte der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) am Donnerstag. Die Dienstleistungsbranche werde das Ende der IAA am Main mit "immensen Umsatzeinbußen" bezahlen müssen.

Für die Gastronomie sei es nun wichtig, dass die Frankfurter Messe eine neue Schau gewinne, sagte Kerstin Junghans, Leiterin der DEHOGA-Geschäftsstelle Frankfurt Rhein-Main, der dpa. "Eine über 70 Jahre hinweg gewachsene Messe wie die IAA lässt sich aber nicht einfach wettmachen. Das wird Zeit brauchen." Immerhin würden mit dem Wegfall der IAA auch Kapazitäten für andere Messen frei, so der Verband. Die IAA-Umsätze der Gastronomie konnte er nicht beziffern.

Die Internationale Automobilausstellung fand seit 1951 in Frankfurt statt und ist neben der Buchmesse die prominenteste Branchenschau am Main. Am Mittwochabend hatte der Verband der Automobilindustrie (VDA) unter sieben deutschen Bewerberstädten eine Vorauswahl getroffen und schon in der ersten Runde gegen Frankfurt entschieden. Für viele kam das unerwartet. Noch am Mittwoch habe bei einem runden Tisch mit Vertretern der Stadt großer Optimismus geherrscht, dass Frankfurt auch die IAA 2021 ausrichte, berichtete Junghans.

Den Ball ins Rollen brachte der Misserfolg der Automesse 2019. Nur 560 000 Menschen kamen damals zur IAA - 2017 waren es noch 810 000 gewesen. Zudem wurde Kritik laut, die Autobranche setze zu stark auf spritfressende schwere Stadtgeländewagen (SUV). Wie nie zuvor nutzten Klimaaktivisten und Umweltschützer die IAA als Plattform, um die Industrie anzugreifen. Doch selbst wenn die Messe als Leistungsschau für PS-Monster zuletzt aus der Zeit gefallen schien: Die IAA zog noch deutlich mehr Menschen an als die Buchmesse mit ihren gut 300 000 Gästen und war auch wichtig für das Autoland Hessen. Und international diente die IAA als "Frankfurt Motor Show" als Botschafter für die Stadt.

Im Rhein-Main-Gebiet hingen direkt und indirekt Tausende Arbeitsplätze an der IAA, von Messebauern bis zu Hoteliers und Taxifahrern, betonte der CDU-Fraktionsvorsitzende im Römer, Nils Kößler. Er machte Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) verantwortlich für die Schlappe. Er habe als Aufsichtsratschef der Messe monatelang nichts unternommen. "Er hätte das Thema sofort zur Chefsache machen müssen."

Feldmann hatte sich jüngst in Berlin mit Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) und Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) für Frankfurt als IAA-Standort starkgemacht. Der Oberbürgermeister hatte indes selbst Kritik an der IAA geübt, auf der er nach seiner Darstellung im September vergangenen Jahres kein Grußwort sprechen durfte. Später wurde der Redetext doch veröffentlicht. "Ich möchte ehrlich sein: Frankfurt braucht mehr Busse und Bahnen, aber nicht mehr SUVs", hieß es darin. Das Verhältnis zum VDA wurde so nicht besser. Hessens FDP-Chef Stefan Ruppert forderte nun gar den Rücktritt von Feldmann, der auch in der Affäre um die Arbeiterwohlfahrt (AWO) keine gute Figur gemacht hatte. Das Aus für die IAA sei ein fatales Signal für Frankfurt und das gesamte Rhein-Main-Gebiet, sagte Ruppert. Feldmann habe die Veranstalter brüskiert.

Auch die Frankfurter Messe trifft der Verlust der IAA hart, wenngleich sie den Umsatz der Schau nicht beziffern wollte. Nun müsse man sich nach Alternativen umsehen, sagte Geschäftsführer Uwe Behm. "Wir sind nun frei, den verfügbaren, hochattraktiven Zeit-slot mit anderen lukrativen Veranstaltungen zu füllen."

Wo die IAA künftig stattfindet, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden. Im Rennen sind noch Berlin, Hamburg und München. Der VDA will die IAA zu einem Impulsgeber für neue Mobilitätskonzepte umwandeln. Den Imagewandel traute er Frankfurt offenbar nicht zu.

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