Schafkäse: Vermarktung steht, aber die Milch fehlt

Butzbach (scm). Wenn im Mai in Hungen, der Stadt des Schäferfestes, eine Schaukäserei mit Gastronomie und Laden eröffnet, und die Stadtverwaltung zudem ein Informationszentrum für Schäferei und Landschaftsschutz einrichtet, gibt es eines nicht: Schafkäse.

Der Grund: Es gibt in der Region keine Lieferanten für Schafmilch. Dabei bietet das Projekt sehr gute Voraussetzungen. Erstens gibt es einen Abnehmer und Verarbeiter für die Milch, zweitens würden die Rewe-Märkte den Käse aus der Region gern vermarkten. Doch wie gewinnt man Lieferanten, die Milchschafe halten, und welchen Erzeugerpreis müsste man ihnen bieten? Kürzlich trafen sich die Beteiligten im Butzbacher Rewe-Center, um die Chancen des Projekts zu diskutieren.

Sebastian Schäfer, der seit 25 Jahren im Bergischen Land Schafmilch produziert, zu Frischprodukten verarbeitet und vermarktet, berichtete über seine Erfahrungen. Schäfer ist Sprecher der kürzlich gegründeten Vereinigung der Schaf- und Ziegenmilcherzeuger.

"Deutschland hat einen Markt für Produkte aus Schafmilch, aber wir überlassen ihn den Importeuren," sagt Schäfer, der den größten Teil seiner Schafmilchprodukte über den Groß- und Einzelhandel absetzt. Das habe sich bewährt, es verringere die Dreifachbelastung durch Produktion, Verarbeitung und Vermarktung, und "es ist nicht so, dass der Handel einem die Butter vom Brot nimmt"

Lösung aus Büdingen?

Auch drei Schäfereibetriebe nahmen an dem Treffen teil: Andreas Schmid aus Münzenberg, Reinhard Heintz, Vorsitzender des Hessischen Verbandes für Schafzucht und -haltung aus Langgöns, sowie Sven und Kerstin Westphal aus Northeim in Niedersachsen. Sie könnten ihre Milchschaf-Herde auf dem Hofgut Marienborn bei Büdingen in den bestehenden Ackerbaubetrieb integrieren. Flächen als Futtergrundlage für die Schafe gäbe es genug, sagt Betriebsleiter Christoph Förster. Für ihn wäre es eine ideale Lösung für die Verwertung des Kleegrases im Öko-Betrieb und zur Gewinnung von Schafmist als Dünger für den viehlosen Naturlandbetrieb.

Die Hungener Schaukäserei hätte neben der weit größeren Menge Kuhmilch genug Verarbeitungskapazitäten für Schafmilch frei, so Projektleiter Reiner Wechs, "und wir haben den Vorteil, dass wir die Vermarktung in den eigenen Reihen haben", sagt Volker Treude, Geschäftsführender Gesellschafter von neun Rewe-Märkten. Nach Jahren geringen Ansehens stünden Schafprodukte wieder hoch im Kurs, sagt Treude, die regionale Herkunft ebenso, aber "was uns fehlt ist die Schafmilch".

Anders als bei der Kuhmilch, die die Hungener Käserei aus Nordhessen beziehen wird, mache es bei den kleinen Mengen Schafmilch keinen Sinn, sie über weite Strecken anzuliefern. Bio-Berater Leo Gärtner aus Rockenberg ist deshalb überzeugt: "Es muss regional sein", und Volker Treude ergänzt: "Im Moment geht regional vor Bio."

Es gibt einen Vermarkter, einen Abnehmer und Verarbeiter, und "alles spricht dafür, dass hier was möglich ist," meint Sebastian Schäfer. Allerdings zu welchem Erzeugerpreis? Schafmilch ist teuer – und "wenn Schafe so viel Milch geben würden wie Ziegen, hätten wir das Problem nicht". Außerdem gilt für Direktvermarkter die Regel: "Das Geld wird in der Käserei verdient und im Stall wieder ausgegeben," weshalb Schafmilch in Deutschland fast immer auf den Höfen selbst zu Käse verarbeitet wird.

Spielt der Kunde mit?

Bei Ablieferung an die Hungener Molkerei kommt eine Planungsrechnung für das Schafprojekt auf dem Hofgut Marienborn zu dem Ergebnis, dass "ein Preis von über 1,85 Euro pro Kilo Milch erzielt werden muss". Volker Treude, dessen Unternehmen mit der Marke "Landmarkt" bereits stark in der hessischen Direktvermarktung engagiert ist, gab indes zu bedenken "was ist, wenn der Kunde den Preis nicht akzeptiert?" Reiner Wechs meint, mehr als 2 Euro pro Liter sei für Schafmilch nicht zu erzielen. Sebastian Schäfer warnte indes, mit geschätzten Zahlen zu handeln, alle Beteiligten müssten ihre Karten auf den Tisch legen.

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