Schäfer: Ein 24-Stunden-Job und kein Urlaub

Altenstadt (geo). Die Pflege großer Streuobstgebiete, Magerrasen und kulturhistorischer Plätze in der Wetterauer Landschaft ist ohne Schafbeweidung nicht möglich. Die Schäfer erhalten mit ihrer Arbeit nicht nur die vielfältige Flora und Fauna, sondern zugleich eine uralte Tradition.

Um der Öffentlichkeit den Berufsstand näher zu bringen, hat der Schäferverein Hessen-Nassau nun gemeinsam mit der Schäferfamilie Thomas Etzel im Altenstädter Ortsteil Enzheim das Kreis-Leistungshüten ausgerichtet. Sieben Schäfer aus der Region traten unter der Hüteleitung von Ralf Meisezahl aus Hungen an.

Rund 6000 Schafhalter gibt es in Hessen. 80 Prozent davon sind Koppelschafhalter, 20 Prozent Hüteschafhalter. Laut Meisezahl verrichten Schäfer einen 24-Stunden-Job und kennen nur "Eichenlaub und Buchenlaub, aber keinen Urlaub". Herden mit bis zu 700 Tieren seien nötig, damit eine Familie vom Schäfer-Dasein leben könne.

Beim Leistungshüten galt es, zehn Aufgaben zu bewältigen. Harald Schmid aus Gambach und Andrea Gerlach aus Braunfels bewerteten die einzelnen Aufgaben. Die von den Teilnehmern geführte Herde in Enzheim, deren Eigentümer die Familie Etzel ist, umfasste 290 Merino-Landschafe.

Zunächst waren die Hunde der Schäfer an der Reihe: Sie konnten beim Wettbewerb maximal 100 Punkte erzielen. Jeweils zehn Punkte gab's bei den Aufgaben Hindernis im Verkehr, Verhalten im weiten und im engen Gehüt sowie in Fleiß, Gehorsam und Selbständigkeit. Je acht Punkte gab es für das Stellen, das Treiben und für verschiedene Griffarten in Keule, Rippe und Genick der Schafe - eine Übung, die der Hund anwendet, um sich gegenüber dem Schaf Respekt zu verschaffen. Sechs Punkte konnten beim Auspferchen erzielt werden oder beim Stehen des Hundes, während die Herde über eine nachgestellte Brücke zieht. Vier Punkte wurden von den Richtern für das Einpferchen vergeben. "Der Haupthund verrichtet entfernt vom Schäfer die Arbeit, während der Beihund an der Seite des Schäfers bleibt", sagte Meisezahl und verwies darauf, dass das Leistungshüten ein Abbild des Schäferalltags sei.

Ein Schäfer, der mit seiner Herde auf der Weide steht, gibt häufig ein idyllisches Bild ab. Doch der Schein trügt: Schäfer haben mit vielen Problemen zu kämpfen. Streng vorgegeben ist die Einzeltierkennzeichnung, sobald ein Schäfer seine Standortgemeinde verlässt. Eine Maßnahme, die bei einer Seuche von Vorteil ist, ansonsten aber viel bürokratischen Aufwand erfordert. Zudem gibt es zeitliche Begrenzungen, ab wann Schäfer auf bestimmten Flächen hüten dürfen. Häufig ist das Futter bereits zu trocken, wenn die Fläche freigegeben wird. Herbst- und Winterweiden gehen durch Feuchtbiotope verloren, alte Triebwege werden zerschnitten. Schäfer müssen über Bundesstraßen und durch Dörfer ziehen.

"Die ständige Präsenz an 365 Tagen im Jahr bringt die Hüteschäfer zum Aussterben", sagte Meisezahl, der in Hungen die Stadtschäferei betreibt. Reinhard Heinz, Vorsitzender des Hessischen Schafzuchtverbands, unterstrich, dass Schafhaltung für viele Betriebe kein Hobby, sondern ein harter Kampf sei.

Sieger des Kreis-Leistungshüten wurde Frank Meynberg aus Hüttenberg mit seinem Hund "Wolle" (84 Punkte). Platz zwei erzielte Hubert Gerlach aus Braunfels-Philippstein mit Hund "Falk" (80 Punkte). Platz drei belegte Otmar Wirth aus Hungen-Villingen mit Hündin "Esther" (79 Punkten). Es folgten: Heinrich Elmshäuser aus Herborn-Seelbach mit "Caro" (71 Punkte), Manfred Jabenik aus Lollar mit "Spike" (70 Punkte), Stefan Heintz aus Hüttenberg mit "Haika" (67 Punkte) und Christine Damm aus Hüttenberg mit "Lux" (65 Punkte). Für die Sieger gab es Pokale und Sachpreise, die Landrat Joachim Arnold, die Leiterin des Keltenmuseums, Dr. Vera Rupp, sowie die Wetterauer Lammprinzessin Julia Zakel aus Geiß-Nidda überreichten.

In einem Monat, am Samstag, 27. August, wird in Hüttenberg das Ausscheidungshüten für die Hessische Meisterschaft in Korbach ausgetragen.

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