Bei der AWO Frankfurt dauert die Aufarbeitung des Skandals um überhöhte Einkommen und teure Dienstwagen an. FOTO: DPA

Schaden bei der AWO größer als gedacht

Vor einem halben Jahr hat das neue Präsidium die Arbeit bei der AWO Frankfurt aufgenommen und einen neuen Vorstand berufen. Der Schaden ist noch größer als zunächst gedacht. Die AWO schätzt den Schaden, der durch die ehemaligen Funktionäre des Frankfurter Kreisverbands entstanden ist, nunmehr auf 6,3 Millionen Euro. Das sei aber immer noch eine vorläufige Schadensbilanz, sagten Vertreter des hauptamtlichen Vorstands und des ehrenamtlichen Präsidiums gestern in Frankfurt. "Wir prüfen alle uns zur Verfügung stehenden Optionen, um unseren Schaden reguliert oder ersetzt zu bekommen", sagte Steffen Krollmann, der Vorstandsvorsitzende des Kreisverbands.

Noch im Juni hatte Petra Rossbrey, die Vorsitzende des Präsidiums, in einer vorläufigen Zwischenbilanz den vorläufig festgestellten Gesamtschaden für die Jahre 2015 bis 2019 mit etwa 4,5 Millionen Euro beziffert. Jetzt gehen das seit Mitte Februar amtierende Präsidium und der Vorstand allein von 3,5 Millionen Euro Schaden durch überhöhte Personal- und Honorarkosten aus sowie von 650 000 Euro Schaden durch überhöhte Fahrzeugkosten. Die Wagen des überteuerten Fuhrparks, darunter ein Geländewagen und ein Cabrio, seien mittlerweile verkauft, so Krollmann.

Noch hält die Stadt Zahlungen zurück

"Wir haben das System verstanden", sagte Rossbrey zur bislang geleisteten Aufarbeitung der Vorgänge unter dem ehemaligen AWO-Geschäftsführer. Derzeit läuft vor dem Frankfurter Arbeitsgericht das Verfahren um seine fristlose Entlassung, der nächste Gerichtstermin nach einem gescheiterten Gütetermin ist für den 21. Oktober dieses Jahres vorgesehen.

Die ehemalige AWO-Führung steht im Mittelpunkt eines Skandals um überhöhte Einkommen und Luxus-Dienstwagen, der im vergangenen Jahr öffentlich wurde. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mehrere ehemalige Verantwortliche wegen Betrugsverdachts. Seit einem halben Jahr hat die AWO ein neues ehrenamtliches Präsidium, das die Aufarbeitung des Skandals einleitete und einen neuen hauptamtlichen Vorstand bestellte. Nach schweren Liquiditätsengpässen hat sich die Situation der AWO wieder gebessert, seit das Frankfurter Bildungsdezernat einbehaltene Zahlungen für den Kita-Bereich wiederaufgenommen hat. Finanzvorstand Axel Dornis stellte für 2020 eine schwarze Null in Aussicht. Gänzlich entspannt sei die Lage aber noch nicht. Noch immer halte die Stadt Zahlungen in Höhe von rund 1,1 Millionen Euro zurück, sagte Krollmann. Wenn diese Gelder freigegeben werden, könne auch in die Erneuerung von AWO-Einrichtungen investiert werden. Zur externen Kontrolle habe sich die Awo neue Wirtschaftsprüfer geholt, sagte Dornis. Diese würden sich nun mit der Prüfung der Geschäftsjahre 2014 bis 2020 befassen.

Der Schaden durch das Ex- Führungsgremium sei trotzdem immens - "wirtschaftlich und moralisch", betonte Rossbrey. "Wir werden alle Einzelheiten aufklären", versprach sie. Von dem vorangegangenen System hätten nach dem Motto "teile und herrsche" viele profitiert. Es sei aber ermutigend, dass die meisten Mitarbeiter einsichtig seien und freiwillig auf den überhöhten Teil ihres Gehalts verzichteten. "Wir wollen den Mitarbeitern auch die Chance geben, ihren moralischen Kompass zu korrigieren und jetzt Wiedergutmachung zu leisten, indem sie uns unterstützen, um unsere AWO wieder auf Kurs zu bringen", so Rossbrey. dpa

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