Ruhiger Vatertag in Hessen

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Bollerwagen-Tour unter Auflagen. In Hessen haben sich Freunde des Vatertags der Polizei zufolge weitgehend an die Corona-Beschränkungen gehalten. Während Diskotheken und Clubs im Land unter der Krise leiden, entdecken viele Menschen das Wandern.

Blauer Himmel und Sonnenschein - dieses schöne Vatertagswetter zog in Hessen viele Menschen nach draußen. Die allermeisten hielten sich der Polizei zufolge dabei an die Corona-Auflagen. Auf die Frage nach größeren Verstößen gegen die Corona-Verordnung antwortete beispielsweise der Sprecher des Polizeipräsidiums Frankfurt am Donnerstagnachmittag: "Ein klar und deutliches "Nein"." Auch aus den anderen Polizeipräsidien im Land hieße es bis zum Nachmittag, es sei viel los, aber habe keine besonderen Vorkommnisse gegeben.

Zahlen und Daten:Derweil stieg die Zahl der im Land mit dem neuen Coronavirus gestorbenen Menschen von Mittwoch auf Donnerstag um fünf auf nunmehr 451. Die Zahl der bestätigten Infektionen kletterte nach Angaben des Sozialministeriums um 91 auf 9574. Die anteilig meisten Infektionen in den vergangenen sieben Tagen gab es in Frankfurt mit 17 pro 100 000 Einwohnern sowie in Wiesbaden mit zwölf. Diese Zahlen liegen aber deutlich unter der von Bund und Ländern festgelegten Quote von 50 Fällen je 100 000 Einwohner in der jeweils zurückliegenden Woche. Wird dieser Wert in einem Kreis oder einer Stadt überschritten, sollen neue Beschränkungen verhängt werden.

Zurückstufung in Darmstadt:Für das Versorgungsgebiet Darmstadt teilte das Ministerium mit, es sei im vierstufigen Plan des Landes von Stufe 2 in Stufe 1 zurückgekehrt. Das Gebiet umfasst die Stadt Darmstadt, den Kreis Darmstadt-Dieburg, den Odenwaldkreis, den Kreis Bergstraße sowie den Kreis Groß-Gerau. Die Stufe 2 war hier am 28. April ausgesprochen worden - wegen der damals deutlich höheren Zahl an beatmungspflichtigen Covid-19-Patienten. Mit Stufe 2 verbunden ist, dass die Hälfte der Gesamtkapazität in Schwerpunktkrankenhäusern für Covid-19-Patienten in der Region - in dem Fall das Klinikum Darmstadt - belegt ist. "Die Rückkehr zur Stufe 1 zeigt, wie wichtig und wirksam die von der Landesregierung ergriffenen Maßnahmen sind, damit das Gesundheitssystems stabil bleibt", sagte Sozialminister Kai Klose von den Grünen.

Clubs und Discotheken:Derweil leiden die Betreiber der nach wie vor geschlossenen Clubs und Discotheken im Land. "Wir gehen davon aus, dass wir die letzten sind, die in den normalen Betrieb zurückkehren werden", sagte Carsten Schack vom "Kulturzentrum Schlachthof" in Wiesbaden. Normalerweise gibt es dort etwa 500 Veranstaltungen mit 300 000 Besuchern im Jahr. Um die 30 Mitarbeiter seien aktuell in Kurzarbeit. Vor dem Herbst werde sicher nichts mehr passieren, meint er. Der "Schlachthof" beteiligsich wie viele andere Clubs im Rhein-Main-Gebiet an der Aktion "United We Stream". Nach Berliner Vorbild werden auf einer Internetplattform live DJ-Sets und Konzerte direkt aus den Clubs übertragen. Durch Crowdfunding soll die Szene dabei finanziell unterstützt werden.

Wandern beliebt:Die passendere Freizeitbeschäftigung ist angesichts der aktuellen Auflagen das Wandern. Und es ist nach Einschätzung des Deutschen Wanderverbandes so beliebt wie seit langem nicht mehr. Der Verband rät, nicht so überlaufene Wege zu wählen. "Hintergrund ist dabei, dass wir an den bekannten Wanderhotspots mit größeren Menschenansammlungen rechnen. Deswegen kann es sinnvoll sein, eine Wanderung abseits ausgetretener Pfade zu planen", sagte Geschäftsführerin Ute Dicks in Kassel. Der Verband erwartet, dass der Boom anhält und in diesem Jahr aufgrund der Beschränkungen beim Reisen mehr Menschen einen Wanderurlaub hierzulande machen. "Allgemeine Hygiene- und Abstandsregeln lassen sich beim Wandern sehr gut einhalten."

Einbruch bei Steuereinnahmen:Hessen erwartet wegen der Auswirkungen der Corona-Krise einen massiven Einbruch der Steuereinnahmen. Die aktuelle Steuerschätzung sage fast drei Milliarden Euro weniger Einnahmen für das laufende Jahr voraus, teilte Finanzminister Michael Boddenberg (CDU) am Mittwoch in Wiesbaden mit. Bis zum Jahr 2023 sei mit Ausfällen von insgesamt 6,4 Milliarden Euro zu rechnen.

So einen Einbruch der Steuereinnahmen habe es im Land noch nie gegeben, betonte der Finanzminister. "Das ist schmerzhaft, aber Hessen ist wie kaum ein anders Land fähig, mit dieser Krise auch finanzpolitisch umzugehen", sagte Boddenberg.

Ursprünglich war das Finanzministerium nach eigenen Angaben von Steuereinnahmen in diesem Jahr in Höhe von rund 23,1 Milliarden Euro ausgegangen. Durch die erwarteten Ausfälle werde nun mit einem Volumen von etwa 20,1 Milliarden Euro im Jahr 2020 gerechnet.

Die Corona-Krise koste durch Einnahmeausfälle und erhebliche Mehrausgaben viel Geld, erklärte Boddenberg. Dieses Geld sei aber gut investiert, versicherte Boddenberg. Bei den Finanzhilfen gehe es vor allem darum, die gesundheitliche Versorgung im Kampf gegen das Coronavirus zu stärken und die gravierenden wirtschaftlichen Folgen für viele Bürger und Unternehmen aufzufangen.

Nachtragsetat im Sommer

Noch im Sommer solle ein zweiter Nachtragshaushalt im Landtag verabschiedet werden, um auf die aktuelle Entwicklung zu reagieren. Das Parlament werde voraussichtlich in einer Sondersitzung am 16. Juni erstmals über den Nachtragshaushalt beraten. In der Plenarsitzung noch vor der Sommerpause soll es dann die zweite und dritte Lesung mit der Verabschiedung geben.

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