Mit roten Nasen gegen die Tristesse

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Mainz/Darmstadt (dpa). Mit seinen grün und rot leuchtenden LED-Schuhen und den bunt gestreiften Kleidern ist er in dem Seniorenzentrum in Mainz nicht zu übersehen. Auch überhören können die Bewohner der Pflegeeinrichtung den singenden Clown Ralle nicht, während er durch die Reihen seiner rund 30, teils an Demenz erkrankten Zuhörer flitzt. Sie schmettern ins vorgehaltene Mikrofon "Wir lagen vor Madagaskar" mit, einige schubsen mit den Füßen ihren Rollstuhl im Takt vor und zurück. Eine alte Dame, die erst reglos in der hintersten Reihe sitzt, singt schließlich die Melodie noch, als die Playback-Musik längst verstummt ist.

Mainz/Darmstadt (dpa). Mit seinen grün und rot leuchtenden LED-Schuhen und den bunt gestreiften Kleidern ist er in dem Seniorenzentrum in Mainz nicht zu übersehen. Auch überhören können die Bewohner der Pflegeeinrichtung den singenden Clown Ralle nicht, während er durch die Reihen seiner rund 30, teils an Demenz erkrankten Zuhörer flitzt. Sie schmettern ins vorgehaltene Mikrofon "Wir lagen vor Madagaskar" mit, einige schubsen mit den Füßen ihren Rollstuhl im Takt vor und zurück. Eine alte Dame, die erst reglos in der hintersten Reihe sitzt, singt schließlich die Melodie noch, als die Playback-Musik längst verstummt ist.

"Musik ist für mich die beste Therapie", sagt Ralle alias Ralf Stumpf nach seinem wöchentlichen Auftritt. Der 47-Jährige steht nicht immer auf der Bühne. Hauptberuflich betreut er Senioren. Mit seiner Musik wolle er sein Publikum zum Lächeln bringen, sagt er. "Wenn ich sehe, dass ich die Menschen erreiche, dann gibt das auch einen Kick für mich." Eine seiner Zuhörerinnen ist die 79-jährige Sieglinde Martin. Sie habe in fünf Jahren noch keinen Auftritt von Ralle verpasst, sagt sie. Warum? "Der Ralf, der singt schon gut." Sie fühle sich nach den Konzerten immer besser. Früher hat sie auch viel gesungen, berichtet Martin. "Mit den Eltern zusammen." "Musik ist immer ein 1a-Türöffner", sagt Sigrid Karnath, die seit über 30 Jahren als Clownin arbeitet und in Bad Kreuznach eine Clownschule führt. Sie ist davon überzeugt, dass Lachen sich nicht nur auf die Stimmung, sondern auch körperlich positiv auswirkt. Clowns, die Patienten besuchten, seien diejenigen, die sich nicht um die Krankheit kümmern, sondern um den gesunden Teil des Menschen.

Das funktioniere auch bei Menschen mit Demenz, die zwar mentale Schwächen hätten, sagt Karnath. "Aber im emotionalen und allen anderen Bereichen sind sie in der Regel sehr gut ansprechbar." In jedem Fall laufe ein Auftritt für Ältere immer anders ab als in der Kinderklinik. "Ein Kind freut sich, wenn der Clown auch mal auf den Hintern fällt. Da würden im Altenheim alle Alarmglocken schrillen."

Bringt es eigentlich etwas, als Clown zu Menschen mit Demenz zu gehen, obwohl diese den Besuch vielleicht schon kurze Zeit später wieder vergessen haben? Ulrich Fey ist seit Jahren als Clown Albert im Rhein-Main-Gebiet in Altenheimen unterwegs, zum Beispiel in Darmstadt. Er sagt: Bei Demenzerkrankten habe ein Clownbesuch keinen mittel- oder langfristigen Nutzen. "In dem Moment hat es aber bei den allermeisten einen großen Nutzen."

Dabei muss der Clown nicht immer als auffälliger Spaßmacher daherkommen. Je nach Fall setze er sich beispielsweise zu einem Demenzerkrankten, der immer wieder eine Serviette glatt streiche, und mache das auch, erklärt Fey. Dann lächle man sich an, streichle sich vielleicht gegenseitig die Finger. "Das ist ein großer Erfolg, weil sich in diesem Moment der alte Mensch gespürt hat."

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