Roger Cicero ruft in Wetzlar die Fans an die Bühne

Wetzlar (one). Nach eher förmlichem Auftakt taute die Stimmung: Der Jazz-und Swing-Musiker Roger Cicero gastierte mit 13-köpfiger Big Band am Sonntag in der Rittal-Arena. Und vor 900 Besuchern setzte sich Cicero bei bester Laune über alle Stuhlreihen hinweg – und schüttelte fast jedem Fan persönlich die Hand.

Der Begriff "adrett" mag etwas aus der Mode sein, aber den Trends ist der bekennende Hutträger Roger Cicero mit seiner poppigen Melange aus Swing und Jazz während seiner Solokarriere nie nachgelaufen. Im grauen slim-fit Anzug, das Bein lässig auf die Treppenstufe gestellt lässt er sich am Sonntagabend in der Rittal- Arena nur so beschreiben. In der zweiten Hälfte gibt Cicero dann auch richtig Gas, reißt die Arme auseinander und ruft seine Fans zu sich: "Steht auf und kommt vor zur Bühne". So torpediert er in Manier eines Entertainers die akribische Ordnung und beweist, dass die von seiner 13-köpfigen Big Band freigesetzte Energie sich nicht zwischen Stuhlreihen einsperren lässt.

Viele jüngere Fans der über 900 Besucher nehmen sein Angebot gerne an und drängen sich dicht an den Bühnenrand. Sein Publikum frisst ihm da schon längst aus der Hand. Die Stimmung ist locker, man ist längst beim "Du". "Gehts euch gut? Gehts euch allen gut", ruft Cicero immer wieder begeistert.

Am Anfang ging es deutlich reservierter zu: Roger Cicero bot dem Besucher freundlich seine Songs an, die "wir Ihnen nicht vorenthalten wollen", wie etwas vom 2007 Album "Männersachen". Druckvoll startete er mit den Opener Alles kommt zurück des aktuellen Albums und empfahl sich als künftiger James-Bond-Titel-Musiker mit "Adieu & Kuss" nebst Outing als großer Bond- und Connery-Fan. Die Mittelhessen nahm Cicero dann mit auf "Eine Reise" durchs neue Album, wobei die Arena von den strahlenden Farben der großer Leinwand im Hintergrund in einen Sonnenuntergang getaucht wurde.

Gespielt wurden auch die neueren Hits wie die Ballade "Was weißt du schon vorn mir" aber gerade die langsamen, bedächtigen Stücken nahmen der Darbietung ein Stück des anfänglichen Schwungs.

Ein Blick ins Familienalbum der Ciceros, mit den ersten Auftritten des jungen Rogers im zarten Alter von zwölf Jahren, die Anfänge mit dem Vater, dem Jazz-Pianisten Eugen Cicero, und die Touren mit einer Party-Band waren zwar unterhaltsam und informativ – der Sänger bliebt bis dato aber hinter seinen Möglichkeiten.

Das Bad in der Menge erfrischt

Als er durch die Reihen der Arena streift, für einen Jungen Fans beim Erinnerungsfotos selbst den Auslöser drückt, kommt er langsam in Fahrt. Fragt: "Alles klar?" . Dort ein Spaß: "Ich wollte die Handtasche nicht nehmen". Durch die Interaktion mit dem Publikum wird er immer lockerer, fordert die Mittelhessen zum Klatschen und Aufstehen auf und kann dazu noch mit einem Arrangement von Stings " I was brought to my Senses" begeistern.

Mit dem Wechsel des Bühnenoutfits und dem Bad in der Menge scheint der Sänger erfrischt. Vielleicht sind aber auch nur die Songs besser aufeinander abgestimmt. Beim neuen Song "Nicht für mich" merkt man deutlich, diese Mann ist in seinem Element, wenn der die weiblichen und männlichen Besucher gegeneinander ansingen lässt, nicht ohne verschmitzt zu bemerken, die Frauen seien doch viel lauter und besser zu hören.

Wegen dieser galanten Spitzbübigkeit liebt man den poppigen Jazzer. Der bereits sein viertes Soloalbum in den Charts platzieren konnte. Auch weil er dank 30 Jahren Bühnenerfahrung versteht, wie er mit einem Augenzwinkern hier, einer Geste dort oder einem einfachen Lächeln, die Herzen seiner vor allem weiblichen Fans zu erobern. Angesichts Mittelhessen dürfte sich verwundert die Augen gerieben haben, als der Chansonnier bekannte: "Schade für alle, die dachten ich sei erst 30."

Er und seine Band swingen, stampfen und schwofen sich durch den zweiten Teil der Show, dass es eine Freude ist. Eine zweite Cover Version kommt von den Sportfreunden Stiller. Es folgen auch die großen Erfolge wie "Zieh die Schuhe aus" und "Frauen gehört die Welt", dem Song, mit dem Cicero beim Eurovision Song Contest 2007 keinen Erfolg hatte.

Die Erinnerung daran scheint ganz weit entfern, wenn er die Fans zu mitmachen animiert und immer wieder niederkniet, um Hände am Bühnenrand zu schütteln. Roger Cicero ist sich mit seiner "lautesten Boyband der Welt" bei der aktuellen Tour treu geblieben: Es dreht sich in den Liedern viel um die Frauen, die wohl auch seine treuesten Fans sind. Die braucht der 41-Jährige mit dem Lausbubencharme nicht auf Distanz in der Stuhlreihe. Um richtig gut zu sein, braucht er sie ganz vorne am Bühnenrand.

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