Roger Cicero vor 2000 Fans in der Rittal-Arena

Wetzlar (chl). Der Sänger und Entertainer Roger Cicero trat am Samstagabend zusammen mit seiner Big Band in der Rittal-Arena auf. Im Gepäck hatte er unter anderem sein aktuelles und drittes Album "Artgerecht"; geboten wurde eine stimmungsgeladene Show.

Der Sound des Soul und Funk der 60er und 70er Jahre beseelte das frische Song-Material. Und auch Ciceros gereiftes und trotzdem lässiges Bühnengebaren. Davon ließen sich die rund 2000 Zuhörer unweigerlich anstecken, auch wenn es das Publikum so richtig erst in der zweiten Halbzeit nicht mehr auf den Sitzen hielt. Beinahe eine Discoparty wie im legendären "Studio 54" stellte sich ein, welche auch durch den effektvollen Einsatz der Bilder und farbige Muster einblendenden großen LED-Wand und die schwenkbare, bühnenbreite Scheinwerfer-Brücke unterstützt wurde.

Erst fällt ein Vorhang, kurz darauf ein zweiter - die Inszenierung auf der Bühne ist perfekt. Die nunmehr um zwei auf 13 Musiker angewachsene Band lässt die Bläsersätze fetzen und schiebt den Rhythmus mal schwebend, mal tanzbar unters Volk. In schwarzen Seidenanzug, rotem Hemd und schwarz-weißer Krawatte gehüllt schlendert Cicero die Showtreppe hinab und verfängt sich wie gewohnt in kleinen Liedgeschichte, die wie schon die Alben "Männersachen" und "Beziehungsweise" von der Beziehung zwischen Mann und Frau handelt. "Wie komm' ich raus aus der Boutique - ohne Krieg?" lästert er zu Beginn in "Botique" über ein gewisses Einkaufsverhalten.

Unverkennbar haben abermals die Liedautoren Frank Ramond und Matthias Hass ihre Handschrift hinterlassen, die auch für die geschlechtlichen Gegenpole Annett Louisan oder Ina Müller (nur Ramond) die Feder in die Hand nahmen. Diese Vorlagen bringen es mit sich, dass die Songs auf einen durchgehenden Erzählstrang setzen; plakative Symboliken gibt es nicht. Und Roger Cicero gelingt es besser denn je, dies in seiner Gesamtheit aus Musik und Text im Gesang rüber zu bringen - ob in einer ruhigen Ballade wie "Tabu" oder dem zackig-funkigen "Spontis zeugen Banker".

Der Titel des Programms spiegelt sich im Titelsong "Nicht artgerecht" wider: In spritzigem Ton erklärt der Sänger, was ein Mann alles für eine Ehe aufgeben muss. Mit Rollenklischees hat er es, weshalb er auch über so tolle Spielsachen für Männer in ihren Autos wie ABS, ESP oder Navigationsgerät feixt - nur Einparkhilfen bräuchten höchstens Frauen.

Mit solchen Sprüchen und Anekdoten leitet Cicero schelmisch grinsend von einem Stück zum nächsten über, wie eben zur großartigen Nummer "Hinterm Steuer", die von einer charakterlichen 180-Grad-Wende beim Autofahren erzählt: "Eigentlich bin ich ein ganz lieber, ein ruhiger Kugelschieber. Am Steuer mutiere ich zum Ungeheuer." Entsprechend pfiffig war das musikalische Arrangement gestrickt: Seicht plätschernde Swingphasen wechselten sich mit rasanten Up-Tempo-Teilen ab.

Nette Schmankerl und Höhepunkte werden dazwischen gestreut: Die groovige Coverversion des "Fantastische Vier"-Songs "Geboren" kommt ohne Hip-Hop-Attitüden aus, wird dafür mit einen schönen Zwiegespräch zwischen Tenorsaxofon und syllabischen Improvisationsgesang Ciceros aufgewertet. Die Ballade "Fachmann in Sachen Anna" (aus "Männersachen") erklingt unplugged nur mit Akustikgitarre, Akustikbass und Cajón (Trommel-Holzkiste).

Und schließlich holt Cicero für die neue Single "Seine Ruhe" als Duettpartnerin die Sängerin Viola Damm auf die Bühne. "Unglaubliche Stimme!" bescheinigt er ihr mit Worten, das Publikum applaudiert ob ihres unglaublich gefühlvollen Timbres. Die gebürtige Marburgerin und derzeit in Neu-Anspach lebende Sängerin hatte sich als regionale Künstlerin für einen gemeinsamen Auftritt in Wetzlar qualifiziert. Die 27-Jährige studiert seit 2007 an der Frankfurter Musikwerkstatt mit dem angestrebten Abschluss der staatlich geprüften Berufsmusikerin und Instrumentalpädagogin, schreibt sie auf ihrer Webseite . Dass die Künstlerin bereits reichlich Erfahrung als Sängerin gesammelt hat, belegen ihre zahlreichen Projekte, an denen sie gesanglich mitwirkt: in der Funk-Soul-Coverband "Shilly Shally", in den Partybands "WEAP!" und "River Boys", mit ihrer One-Woman-Show "Jewels" und andere.

Als Cicero dann bei "Du willst es doch auch" singend durch die Publikumsreihen schlendert, rief ein weiblicher Fan entzückt von einer hinteren Tribüne aus: "Komm hier her!" Das Schicksal von Dijana Caspers aus Solingen wandte sich zum Guten: Cicero schlenderte auch zu ihr und gab ihr ein Küsschen auf die Wange. "Jaaa!", jauchzte sie danach zufrieden, glücklich und mit ausgestreckten Armen den anderen Zuschauern entgegen. "Das war mein Geburtstagsgeschenk", redete sich die Frau ein, die die Konzertkarte von ihren Freundinnen, mit denen sie nach Wetzlar gekommen war, geschenkt bekommen hatte.

Und natürlich dürfen die früheren Hits wie "Zieh’ die Schuh aus", "Frauen regier’n die Welt" und "Murphys Gesetz" sowie eine Zugaberunde nicht fehlen. Das Publikum ist begeistert. Fazit: Sicherlich das bislang beste Konzert im neuen Jahr in der Rittal-Arena.

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