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Im Reich des Bibers

  • Rüdiger Geis
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Tiefe Wälder mit knorrigen Eichen, mächtigen Buchen, dazu Fichten und Kiefern sind Markenzeichen des Spessarts. Er ist auch seit Längerem wieder Heimat des hier jahrhundertelang ausgestorbenen Bibers. Auf vielen gut ausgebauten Wanderwegen kann man dessen Reich erkunden - ein Ausflugstipp.

Wer an den Spessart denkt, dem fallen wahrscheinlich als Erstes das berühmte Wirtshaus und die berüchtigten Räuber ein, die der Schriftsteller Wilhelm Hauff in seinem Märchenalmanach beschrieb. Vielleicht erinnert man sich auch an die Verfilmung der Geschichte aus dem Jahr 1958? Oder ist es vielleicht doch eher ein Nager mit Hang zum Staudammbau?

Denn der hessische Spessart ist auch das Reich des Bibers, der sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten ein Stück weit die Wälder und Gewässer zurückerobert hat. Mit etwas Glück kann man Spuren seiner kräftigen Zähne oder gar den emsigen Kerl selbst in der Natur sehen - auf einer Wanderung in dem Mittelgebirge an der hessisch-bayerischen Grenze. Hier gibt es rund um das Wiesbüttmoor und den Wiesbüttsee etliche gut ausgebaute Wanderwege.

Zum Beispiel die Birkenhainer Straße, ein ehemaliger mittelalterlicher Heer- und Handelsweg zwischen Rheinfranken und Ostfranken, der auf 71 Kilometern Länge Hanau mit Gemünden am Main verbindet. Heute wird die Birkenhainer nur noch als Wander- und Radweg genutzt, erkennbar am schwarzen B auf weißem Grund. Die Birkenhainer verläuft zu großen Teilen entlang der hessisch-bayerischen Landesgrenze. Viele historische Grenzsteine sind hier noch immer zu sehen.

Romantischer See und Hochmoor

Ein weiterer bedeutender Wanderweg ist der Eselsweg (schwarzes E auf weißem Grund), auch er eine historische Handelsstraße. Er führt auf 111 Kilometern Länge von Schlüchtern quer durch den Spessart nach Großheubach bei Miltenberg. In der Nähe des Naturschutzgebietes Wiesbüttmoor kreuzen sich Birkenhainer und Eselsweg am Dr.-Kihn-Platz. Der Arzt Karl Kihn betätigte sich auch als Heimat- und Geschichtsforscher und hatte wesentlichen Anteil an der Erschließung des Spessarts als Kulturlandschaft. Diverse leichte oder mittelschwere Wanderwege über etwa zehn Kilometer rund um den Wiesbüttsee und das Moor bringen einem den Waldreichtum und die Eigenarten des Spessarts näher. Zum Beispiel die Spessartspur: Es geht entlang an Wiesbüttsee und Moor zum Parkplatz "Drei Buchen". Oberhalb von Flörsbach hat man auf zwei Ebenen schöne Panoramablicke. Von hier aus führt der Weg zur Birkenhainer Straße zurück zum See. Die 7,5 Kilometer lassen sich bequem in zwei Stunden laufen.

Weitere Touren haben Längen von zwei bis vier Stunden. Auf alle Fälle lohnt sich zum Abschluss eine Runde um den romantischen See und das Moor. Ein Damm staut das Wasser aus dem nahe gelegenen Wiesbüttmoor. Es verdankt seine Entstehung zahlreichen Quellen, aus denen sich der Oberlauf des in die Lohr mündenden Aubaches bildet. Rodungen im Spätmittelalter sorgten dafür, dass sich Quellwasser und Niederschläge in der Talsohle sammelten und sie zunehmend versumpfen ließen. Heute ist das einzige Hochmoor des Spessarts ein Tummelplatz für seltene Pflanzen und Tiere: Der fleischfressende Sonnentau fühlt sich hier ebenso wohl wie die in vielen Teilen Deutschlands schon ausgestorbene oder zumindest stark bedrohte, giftige Kreuzotter. Die scheut den Menschen aber und beißt nur zu, wenn sie sich bedroht fühlt.

Ein Rückkehrer ist der Biber, der vor über zwei Jahrzehnten wieder in der Region an den Flüsschen Jossa und Sinn angesiedelt wurde und sich seitdem nicht nur munter vermehrt, sondern sich auch neue Siedlungsgebiete erschließt. Hauptsächlich breitet er sich in Richtung Schwalm und Eder aus, weiß NABU-Experte Mark Harthun. Bei einer jährlichen Wachstumsrate von 20 Prozent wird die Zahl der fleißigen Nager in Hessen derzeit auf rund 1170 geschätzt.

Wiesbüttsee und -moor sind durch einen knapp drei Kilometer langen Rundweg erschlossen, der auch für Rollstuhlfahrer geeignet ist. Leider lockt hier am Ende der Tour nicht mehr das Wirtshaus im Spessart. Das frühere Zollhaus am See, eine beliebte Ausflugsstätte, hat seine Pforten Ende letzten Jahres geschlossen. Für einen gemütlichen Abschluss bei Speis und Trank muss man sich an die Angebote der umliegenden Orte halten. Zu empfehlen ist beispielsweise - auch zum Übernachten - der Znaimer Hof in Jossgrund-Lettgenbrunn.

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