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Handgefertigte Fair Fashion gibt es bei Clara Maldener und Evalotte Dronka (v. l.) von »Passepartout« in Offenbach.

Raus aus dem Hamsterrad

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Konsum, Konsum, Konsum. Immer mehr Menschen hinterfragen die Kehrseite davon - oder sind zumindest offen für einen Diskurs darüber. Die Modebranche steht dabei durchaus im Fokus. Die Initiative Frankfurt Fashion Movement will die lokale nachhaltige Branche sichtbarer machen.

Frankfurt hat viel zu bieten in Sachen nachhaltige Mode - davon ist Rebecca Espenschied überzeugt. Um das deutlich zu machen, hat die 35-Jährige vor zwei Jahren zusammen mit Maike Thalmeier »Frankfurt Fashion Movement« gegründet. Mit der Initiative wollen sie zeigen, wer in Frankfurt nachhaltige Mode anbietet und die lokalen Akteurinnen und Akteure untereinander vernetzen. Espenschied und Thalmeier sind beide Kommunikationsberaterinnen mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit.

Frankfurt Fashion Movement ist Teil der weltweiten Bewegung Fashion Revolution, die sich nach dem Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch im Jahr 2013 gegründet hat, bei dem 1135 Menschen ums Leben gekommen waren. Espenschied und Thalmeier sind »Ambassadors«, also Botschafter der Bewegung, für Frankfurt. »Wir haben unsere Kontakte eingeladen und zusammengebracht«, sagt Espenschied. Circa 15 Akteurinnen und Akteure gehörten zum Kernteam, die gesamte Gruppe sei aber deutlich größer, viele seien der Initiative lose verbunden.

Mit dabei sind zum Beispiel das Modelabel Early, das Ledertaschen anbietet, Passepartout, das fair produzierte Kleidung in Offenbach verkauft, oder auch Charlotte am Main, wo noch selbst genäht wird. Auch Einzelhändler wie Glore, Oständ Store, Organicc und Quartier Frau beteiligen sich. Innerhalb der Initiative definiere jeder Nachhaltigkeit anders, sagt Espenschied. »Davon profitieren wir, weil sich neue Perspektiven eröffnen. Dem einen ist lokale Arbeit wichtig, dem anderen eine Materialinnovation.«

In regelmäßigen Netzwerktreffen tauschen sich die Mitglieder aus. »Es geht auch darum, sich gegenseitig zu unterstützen. Will ein Modelabel beispielsweise einen bestimmten Stoff ordern, weiß aber nicht, woher er diesen bekommt, können andere helfen«, sagt Espenschied. Auf ihren Social-Media-Kanälen, insbesondere auf Instagram, will die Initiative mehr Sichtbarkeit für die Läden und Labels schaffen.

Das Engagement für Frankfurt Fashion Movement leistet Espenschied ehrenamtlich. »Ich habe mich über die Arbeitsbedingungen und die ökologischen Auswirkungen geärgert und dachte, ich will in diesem Hamsterrad der Modebranche nicht mehr mitspielen«, sagt die gebürtige Mainzerin. »In der Branche herrschen häufig ganz, ganz schlechte Bedingungen. Aber genauso wie ich selbst fair bezahlt werden will, sollte das auch jedem anderen zustehen - inklusive den Menschen, die meine Kleidung herstellen.« Seit 14 Jahren ist Espenschied im Bereich Kommunikation tätig, um genau das zu verbessern.

Über den Umzug der Fashion Week nach Frankfurt freut sich Espenschied. »Das ist für uns natürlich super, weil es unser Ziel, die nachhaltige und lokale Modebranche sichtbarer zu machen, voranbringt.« Die Fashion Week sei ein Ankerpunkt, an dem die Initiative eigene Aktionen organisieren könne. So fand auch die erste physische Aktion des Frankfurt Fashion Movement rund um die erste Fashion Week Anfang Juli statt: Die Schaufensterausstellung »Fashion im Kiez«, die in mehreren Läden in Bornheim zu sehen war, griff das Thema Nachhaltigkeit in der Mode anhand der Wertschöpfungskette auf.

»Wir haben Ideen en masse«, sagt Espenschied. Wegen der Corona-Pandemie konnte davon noch nicht vieles umgesetzt werden, aber in Zukunft will die Initiative zum Beispiel eine Kleidertauschparty organisieren. »Da kann man Ressourcen sparen und neue Sachen entdecken.« Und auch ein weiteres Projekt steht bereits in den Startlöchern: Gemeinsam mit der Berliner Organisation »Green Fashion Tours« will die Initiative Touren durch Frankfurt anbieten, bei denen Interessierte zu nachhaltigen Läden und Ateliers geführt werden und dort Einblick in die Arbeit bekommen können. »Das ist sowohl für Einheimische als auch für Touristinnen und Touristen gedacht«, sagt Espenschied. »Wir wollen den Menschen zeigen, was es hier für spannende Modelabels gibt.«

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